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02:32 27.07.2016
Enkelin des Künstlers: Anka Kröhnke in der aktuellen Ausstellung in ihrem Atelierhaus in Kühlungsborn. Fotos (4): Dietmar Lilienthal

„Der Tod des mitten auf seinem Lebenswege Dahingerafften hat die deutsche Kunst um eine ihrer schönsten Hoffnungen beraubt“, schrieb Max Liebermann vor 100 Jahren über den Freitod des Malers Waldemar Rösler am 14. Dezember 1916. Rösler hatte den Ersten Weltkrieg von Anfang an mitgemacht, wurde Leutnant, erhielt das Eiserne Kreuz. „In unzähligen Sturmangriffen und Gefechten“, so Max Liebermann, „war er unverletzt geblieben, aber der kaum fünfunddreißigjährige, stämmige Mann schien um Jahrzehnte gealtert: tiefe Niedergeschlagenheit lag in seinen Zügen. Er war seelisch gebrochen.“

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Zum 100. Todestag des Malers Waldemar Rösler zeigt Anka Krönke in Kühlungsborn sein Oeuvre – das reicht von frühen Kindheitsarbeiten bis hin zu seinen letzten Werken.

Anlässlich seines 100. Todestages zeigt die Liebermann-Villa am Wannsee ab 16. Oktober die Ausstellung „Waldemar Rösler – Ein Berliner Impressionist“, und das Kunstmuseum Ahrenshoop würdigt mit seiner Schau „Waldemar Rösler – Ein Secessionist am Meer“ ab 29. Oktober jenen Künstler, der 1910 in den Vorstand der Berliner Sezession gewählt wurde, mit Max Beckmann befreundet war und zu den größten Begabungen vor dem Ersten Weltkrieg zählte.

Wer sich jedoch auf den Weg nach Kühlungsborn macht, kann schon jetzt eine eindrucksvolle Ausstellung mit Werken dieses Künstlers sehen. In der Unabgeschlossenheit seines früh (und wie man sieht: viel zu früh) vollendeten Werkes zeigen sie deutlich den Wandel vom Impressionismus zu dem sich mit kräftigem, fast ruppigem Pinselstrich ankündigenden Expressionismus. Und sie zeigen den harten Bruch zwischen einer ganz und gar unsentimentalen, in ihrer Nüchternheit schönen und dann oft mit kleinen Pointen oder Episoden verlebendigten Naturschau (nie ohne Menschen) zu den erschütternd düsteren Grafiken über seine Kriegserlebnisse.

Diese Schau präsentiert die Malerin Anka Kröhnke (75), eine Enkelin des Künstlers, die in ihrem Atelierhaus Rösler-Kröhnke in Kühlungsborn mit der eigenen familiären Malertradition über hundert Jahre Kunstgeschichte versammelt, bewahrt und regelmäßig ausstellt. Ihre aktuelle Schau „Waldemar Rösler (zum 100sten Todesjahr) und Oda Hardt-Rösler“, in der sie neben eigenem Bestand 17 Leihgaben erstmals zeigt, reicht von Kindheitsarbeiten des noch nicht 14-jährigen Schülers, darunter ein filigran ausgearbeiteter Märchen-Hofstaat von Insekten, bis zu seinen letzten Arbeiten, darunter Waldemar Röslers in Zeichnungen und Texten gestaltetes Heft der von Paul Cassirer herausgegebenen Zeitschrift „Kriegszeit – Künstlerflugblätter“.

Manche Arbeiten, habe Anka Kröhnke bei ihrer Suche für die Ausstellung selbst erst kennengelernt, nicht alle gewünschten Leihgaben konnte sie bekommen. Doch über das Ergebnis sei sie dennoch sehr froh. In einem kleinen Kabinett würdigt sie auch Oda Hardt-Rösler (1880-1965), die Ehefrau Waldemar Röslers, die aufgrund ihrer großen Begabung als eine der ersten Frauen überhaupt 1902-1906 Malerei studieren konnte und dann nach der Eheschließung für lange Zeit zu malen aufgehört hatte. „Max Beckmann hat seiner Frau per Ehevertrag untersagt, weiter zu malen“, vielleicht sei es in der Familie Rösler auch so gewesen, vermutet Anka Kröhnke und seufzt: „Ja, die Männer.“

Der Rundgang durch die Ausstellung zeigt auch Familien- und Lebensgeschichte Waldemar Röslers. Oda ist mit ihren Zwillingen zu sehen, deren eines Louise Rösler, später Anka Kröhnkes Mutter wird. Das Ehepaar Tieffenbach (er war ein bedeutender Litho-Drucker jener Zeit) wird in einer Szene voller menschlicher Wärme gezeigt. Wirklich fesselnd viele Naturbilder Waldemar Röslers: „Landschaft mit Liebespaar“, „Schlucht mit Köpfchen“ oder – mein persönlicher Favorit – „Schlucht mit Badenden“. „Er hat ja immer an der Ostsee gemalt“, sagt Anka Kröhnke über diese in reichen Farbnuancierungen strahlenden Bilder, „allerdings weiter östlich, in den Kuren.“ „Weite Landschaft“ heißt eine der seltenen Leihgaben – und die Weite eines menschlichen Geistes und Herzens ist es, die der Betrachter auf vielen dieser Bilder spürt.

Das Künstlerpaar Waldemar Rösler und Oda Hardt-Rösler

Waldemar Rösler wurde 1882 als Sohn eines Fotografen in Dresden geboren. Er studierte 1896-1904 an der Königsberger Kunstakademie, lernte dort seine spätere Frau Oda Hardt kennen.

Seit 1907 in Ausstellungen der Berliner Sezession vertreten, 1909 als Mitglied, 1910 Vorstandsmitglied. 1910 erster Aufenthalt an der Ostsee in Klein-Kuren, die ihm zur zweiten Heimat wird. 1916 nahm er sich das Leben. Seine Kunst galt bei den Nazis als „entartet“.

Oda Hardt-Rösler wurde 1880 als Tochter eines Rittergutsbesitzers in Ostpreußen geboren. Sie studierte 1902-1906 Kunst an der Kunstakademie Königsberg. Nach der Heirat 1906 mit Waldemar Rösler etwa 25 Jahre ohne künstlerische Tätigkeit. Danach malte sie bis zu ihrem 82. Lebensjahr, zahlreiche Ausstellungen. 1965 stirbt sie in Berlin. Werke u.a. in der Nationalgalerie Berlin, den Staatlichen Museen Stiftung preußischer Kulturbesitz, dem Ostpreuß. Landesmuseum Lüneburg.

Dietrich Pätzold

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