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Kultur Wenn das Leben durch die Pläne pfuscht
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01:16 18.04.2018
Sarah Bonitz und Felix Meusel mimen Selma und Marc in „Wunschkinder“. Das Schauspiel hat am Sonnabend Premiere. Quelle: Foto: Vincent Leifer
Stralsund

Das Abi hat Marc in der Tasche. Seit ein paar Monaten schon. Doch anstatt sich um ein Studium zu kümmern oder wenigstens das Taschengeld selbst zu verdienen, hängt der 19-Jährige erst mal ab. Sehr zum Ärger seiner ehrgeizigen Eltern, „die ganz klare Vorstellungen haben, wie es mit seinem Leben weitergehen soll“, sagt Uwe Lohr. Der Intendant des Theaters an der Rott (Bayern) inszeniert als Gastregisseur am Theater Vorpommern das Schauspiel „Wunschkinder“. Das Stück aus der Feder des erfolgreichen Autorenduos Lutz Hübner und Sarah Nemitz feiert im Großen Haus in Stralsund morgen Abend Premiere.

Armut vererbt sich. Die Schere von arm und reich geht immer weiter auseinander. Daran zerbricht keiner, aber es gibt auch keine Läuterung.Uwe Lohr, Gastregisseur

Die Geschichte, so Dramaturg Sascha Löschner, könnte kaum besser zum aktuellen Spielzeitmotto „Ordnung und Widerstand“ passen. „Auch in Familien geistern Ordnungsfantasien. Kinder, die zur Schule gehen und danach eine Ausbildung starten, gehören oft dazu. Und plötzlich pfuscht das Leben dazwischen“, sagt Löschner. Das Widerstandsmoment im ach so geordneten Alltag. Besonders in Deutschland ein brisantes Thema, wo doch sonst alles so nach Plan verläuft ...

Für den bislang überbehüteten Marc – gespielt von Felix Meusel - läuft indes nichts nach Plan. Er verliebt sich in die gleichaltrige Selma alias Sarah Bonitz, die so ganz anders ist als er: Sie lebt zusammen mit ihrer psychisch labilen Mutter in einer finanziell prekären Situation. Das Mädel investiert ihre freie Zeit in soziales Engagement, „hat zwei Jobs und holt ihr Abi in der Abendschule nach“, schildert Regisseur Uwe Lohr. So weit, so gut.

Bis Selma plötzlich schwanger ist. Die eigenen und fremden Wertvorstellungen der Figuren prallen aufeinander. Natürlich verfügen Marcs Eltern Bettine und Gerd (Heidi Zügler als Gast und Jan Bernhardt) über Problemlösungsstrategien. Und mit Geld ist ja sowieso alles in den Griff zu kriegen. Doch wer will das eigentlich?

„Wunschkinder“ thematisiert eine Reihe von zwischenmenschlichen Konflikten, die bei aller Ernsthaftigkeit auch reichlich komödiantisch wirken, verspricht Dramaturg Sascha Löschner.

Wer sich erinnert: Die Autoren Hübner und Nemitz bewiesen bereits mit ihrem Erfolgsstück „Frau Müller muss weg“ tiefsinnigen Humor. Die Inszenierung um Mobbing an der Schule sorgte am Theater Vorpommern in der Spielzeit 2011/12 für volle Kassen. Nun also ein neues Stück, „das ähnlich wie Frau Müller einen desillusorischen Blick auf bundesrepublikanische Verhältnisse wirft“, sagt Löschner.

Obwohl wir in einer der reichsten Gesellschaften leben, „ist Deutschland das kinderärmste Land Europas“, so der Theatermacher. Warum werden jungen Leuten mit Kind keine oder schlechte Zukunftschancen eingeräumt?

Woran liegt es, dass die Zahl der Abtreibungen deutschlandweit steigt und sich junge Erwachsene bewusst gegen ein Kind entscheiden? Gerade informierte das Statistische Bundesamt, dass die Zahl der Abbrüche 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent auf rund 101200 stieg. Für Gastregisseur Uwe Lohr ein spannendes Thema, das ihn in den Nordosten lockte. „Wunschkinder“ stelle eine genau beobachtete Untersuchung der Verhältnisse zwischen den Generationen und sozialen Schichten dar. Viel Zündstoff und die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Premiere: morgen, 19.30 Uhr, Theater Stralsund. Weitere Termine: Sonntag, 19.30 Uhr, Theater Greifswald, 21. April, 19.30 Uhr, Theater Stralsund, 19. Mai, 19.30 Uhr, Theater Greifswald. Karten gibt es an den Theaterkassen in Stralsund und Greifswald sowie online unter der Adresse www.theater-vorpommern.de.

Petra Hase

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