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00:00 28.02.2013
Für "No!" erhielt Chile seine erste Oscarnominierung in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film". Dass er leer ausging, mach den Film nicht weniger beeindruckend. Quelle: Piffl Medien
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Man schreibt das Jahr 1988. Für das Referendum zur Zukunft Chiles produziert Saavedra mit seinem Team bonbonbunte Fernsehspots mit fröhlichen Menschen, die ihre Ablehnung des regierenden Diktators Pinochet in allen möglichen Tonhöhen sagen, singen, flöten. Das ruft nicht nur die Geheimpolizei auf den Plan, sondern sorgt auch in den Reihen der Opposition für Unmut.

In die komplexe politische Situation Chiles Ende der 1980er-Jahre kann der Film nicht zuletzt dank des gewählten Formats tief eintauchen. Kameramann Sergio Armstrong verwendete analoge Videokameras. Das führt zu Grobkörnigkeit, Verschwommenheit und unter- oder überbelichteten Stellen, erzeugt aber genau den Look der eingearbeiteten Archivaufnahmen.

Historischer Hintergrund ist der Moment, als Chiles Regent Augusto Pinochet sich selbst zur Abstimmung stellt: Ein "Ja" bedeutet weitere acht Jahre unter seiner Herrschaft, ein "Nein" öffnet den Weg zu freien Wahlen und Demokratie. Um fürs Nein zu mobilisieren, hat die Opposition in der gleichgeschalteten Medienlandschaft nur wenige Fernsehminuten tief in der Nacht. Damit diese wirkungsvoll gefüllt werden, engagiert Oppositionsführer Urrutia (Luis Gnecco) den Werbeexperten Saavedra. Doch Urrutias Weggetreue sind entsetzt, dass der Kreative Demokratie wie Erfrischungsgetränke anpreist.

Regisseur Pablo Larraín hat an der Geschichte von Drehbuchautor Pedro Parreino nach einem unveröffentlichten Theaterstück Antonio Skarmetas natürlich genau dies interessiert. Ausgerechnet ein Vertreter des von Pinochet eingeführten neoliberalen Wirtschaftssystems erledigt den Diktator mit höchst kapitalistischen Mitteln. Saavedra überholt an politischer Wirksamkeit seine kämpferische Ex-Frau Verónica (Antonia Zegers), wirft mutig seinem Chef Guzmán (Alfred Castro), der für den Diktator arbeitet, den Fehdehandschuh hin und trickst die Geheimpolizei aus, was zu einer Gefahr für seinen kleinen Sohn (Pascal Montero) wird.

"No!" ist zweifellos spannend. Aber ein bisschen ist es auch wie immer mit der Werbung: Zu schön, um ganz wahr zu sein. Und etwas zu hollywoodhaft. Der erfolgreiche Geschäftsmann, noch dazu allein erziehender Vater, der mit seinem Know-how Gutes tut, ist in der Traumfabrik inzwischen eine viel verwendete Gestalt. Mit der nur leidlich scherzhaft gemeinten Bemerkung, hinter der Nein-Aktion gegen Pinochet stecke die CIA, also jener Geheimdienst, der den Diktator einst an die Macht brachte, hat der Film überdies allzu sehr nach nordamerikanischem Wohlwollen bei der Oscarverleihung geschielt - vergeblich.

Doch kritisches Bewusstsein ist nicht unerschütterlich. Der enorm wandlungsfähige mexikanische Hauptdarsteller Gael García Bernal ("Die Reise des jungen Che"), der seiner Figur mit luschiger Erscheinungsweise und aufgerissen Augen Erstaunen über den eigenen Einfallsreichtum verleiht und mit dem kleinen Sohn ängstlich den Ausgang des Referendums erwartet, nimmt für die ganze Kampagne ein.

teleschau

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