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Werke mit Mut zur Schönheit

Rostock Werke mit Mut zur Schönheit

Kunst ist oft bedeutungsschwanger, hintergründig, vieldeutig, symbolträchtig. Aber Kunst ist eben manchmal auch schlicht und ergreifend schön.

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„Zauberers Tod“ von Hartmut Klatt, Öl auf Leinwand, 2016

Rostock. Kunst ist oft bedeutungsschwanger, hintergründig, vieldeutig, symbolträchtig. Aber Kunst ist eben manchmal auch schlicht und ergreifend schön. „Schönheit hat auch mit Freude und Lebenskraft zu tun“, sagt Bildhauer Thomas Jastram. Diese Schönheit präsentiert Jastram gemeinsam mit dem Maler Hartmut Klatt ab heute in der Galerie Auriga im Rostocker Fischereihafen.

OZ-Bild

Kunst ist oft bedeutungsschwanger, hintergründig, vieldeutig, symbolträchtig. Aber Kunst ist eben manchmal auch schlicht und ergreifend schön.

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Thomas Jastram & Hartmut Klatt: bis 7. Mai in der Galerie Auriga,

Rostock, Fischerweg 12, Mo. bis

Do. 10 - 13 und 14 - 18 Uhr,

Fr. bis 17 Uhr, Sa 11 - 13 Uhr

Jastrams jüngstes Werk ist die „Kleine Tänzerin“, die er erst in diesem Jahr fertiggestellt hat. Die Bronze zeigt ein junges Mädchen beim Ballett. „Die Tochter eines Freundes hat mir Modell gestanden. Die Arbeit hat einfach Spaß gemacht“, sagt Jastram in der Entspanntheit eines Künstlers, der sich nicht mehr beweisen muss, sondern macht, was ihm gefällt.

Sein Hauptthema in den Figuren, die vor allem in den vergangenen fünf Jahren entstanden sind, ist das „bewegte Stehen“: Die Tänzerin, ein Mädchen, das auf einer Kugel balanciert, oder eine junge Frau, die ein Tuch fallenlässt. Es ist die ewige Herausforderung des Bildhauers, seinem — fast im wörtlichen Sinn — in Stein gemeißelten Werk Leben einzuhauchen. Bei der „Kleinen Tänzerin“ ist es ihm gelungen, meint der in Hamburg lebende Jastram: „Man erkennt den Rhythmus, der durch den Arm geht.“

Jastrams Arbeiten kontrastieren in der Ausstellung mit den Bildern von Hartmut Klatt. Auch er arbeitet mit Figuren — vielen Figuren: Die Arbeiten aus den letzten drei Jahren sind voll mit Menschen und offenbaren sein Leitthema: „Ich zeige das Miteinander, das Nebeneinander oder auch das Übereinander — die gesamte Bandbreite menschlicher Beziehungen“, sagt der Rostocker Maler.

Beispielhaft zeigt sich das an einem Bild aus seinem Zyklus „Paarungen“: Dabei ließ sich Klatt von einem Obdachlosen inspirieren, den er über Monate beobachtet hatte: „Mir ist aufgefallen, dass sich viele Menschen um ihn kümmerten, andere dagegen haben ihn nicht beachtet.“ Im Bild zeigt sich diese Erfahrung an der Blickrichtung der Dargestellten: Während manche den Mann in der Bildmitte anschauen, wenden andere ihren Blick ab.

Klatt lädt aber auch zum Assoziieren ein: Das Bild „Zauberers Tod“ zeigt eine Zirkustruppe, die einen Schausteller betrauert. Der Tote ist so dargestellt wie der vom Kreuz abgenommene Jesus in der klassischen Pieta. „Ich bin kein Maler der Mythologie“, betont Klatt, aber: „Solche Themen finden sich immer wieder — und jeder Betrachter sieht sein eigenes Bild.“

Die Bilder von Klatt wirken meist sehr durchkomponiert und ausgearbeitet. Die Ausstellung zeigt aber auch einen anderen Aspekt seines Schaffens: In einer kleineren Abteilung hängen Ölskizzen —

wild rau, impressionistisch, mit grellen, dick aufgetragenen Farben gemalt. Mit solchen Skizzen fängt er üblicherweise an und feilt sie dann aus, erklärt der Maler. „Aber manche bleiben auch so, weil sie aus dem Moment entstanden sind und für sich stehen.“ Künstlerkollege Thomas Jastram lobt Klatt: „Seine Bilder haben schon fast etwas Altmeisterliches“, sagt Jastram. „Mit den sakral anmutenden Themen und dem Übereinanderlegen der Wirklichkeiten haben wir auch etwas, das uns verbindet. Das wusste ich vorher gar nicht.“

Sakral wird es nämlich auch bei Jastram: Neben den verspielten Frauenfiguren formte er auch den heiligen Christophorus, der das Jesuskind auf seinen Schultern trägt. „Er ist der Schutzpatron der Seeleute, damit passt er natürlich gut in den Norden“, sagt der Künstler. Aber es gibt auch einen aktuellen Bezug: „Die Figur des Christophorus als Helfer in der Not kommt in vielen Religionen und Kulturen vor, auch im Islam“, erklärt Jastram. „Das zeigt gerade in der heutigen Zeit, dass wir alle die gleichen Wurzeln haben und miteinander verbunden sind.“

Von Axel Büssem

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