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Kultur Werner Tübke: Aufbruch und Scheitern
Nachrichten Kultur Werner Tübke: Aufbruch und Scheitern
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00:00 13.10.2017
Ausschnitt aus dem Bauernkriegspanorama im Museum in Bad Frankenhausen (Thüringen) von Maler Werner Tübke. Quelle: Foto: Martin Schutt/dpa
Bad Frankenhausen

. „Ich habe keine Gefühle mehr. Es hat sich ausgefühlt.“ Als der Maler Werner Tübke (1929-2004) am 16. Oktober 1987 sein Werk signiert, ist er gesundheitlich angeschlagen. Über elf Jahre lang hat er fast Tag für Tag am Bauernkriegspanorama gearbeitet, unterstützt von Schülern und Kollegen. Entstanden ist das größte Gemälde Mitteleuropas, auf 1700 Quadratmetern. Ein Auftragswerk der DDR-Oberen, das ein eigenes Haus braucht: Das Panorama Museum Bad Frankenhausen.

Im Mai 1525 tobt hier die finale Schlacht des Bauernkrieges. Es ist ein Gemetzel. Etwa 6000 Aufrührer, meist einfache Leute, oft nur mit Sensen und Mistgabeln als Waffe, werden vom Heer der Fürsten niedergemacht. Ihren Anführer Thomas Müntzer bringen die Sieger erst ins nahe Mühlhausen und gemeinsam mit vielen Leidensgenossen nach grausamer Folter wenig später um. Die DDR sieht sich in der Tradition der Gemeuchelten. Zur Erinnerung an das Morden wird ein Museum geplant. Zum 450. Jahrestag des Bauernkriegs 1974 findet die Grundsteinlegung statt. Eröffnet werden soll es 1989, zum 500. Geburtstag Müntzers.

Auch 30 Jahre später ist die Beton-Rotunde schon von weitem zu sehen unweit des Kyffhäusers. Der 18 Meter hohe wuchtige Bau versteckt sich unter der Kuppe des Schlachtbergs.

Den Mittelpunkt der Erinnerung an die Schlacht von 1525 sollte nach den DDR-Plänen ein monumentales Gemälde bilden. Doch ein Maler fehlte zunächst. Letztlich erklärte sich Werner Tübke bereit. Mit Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer gilt der 1929 geborene Künstler als Begründer der „Leipziger Schule“. 1976 lässt er sich als Rektor der Kunsthochschule beurlauben und bezieht Quartier in Bad Frankenhausen. Die riesigen Ausmaße der Leinwand – 123 mal 14 Meter – schrecken ihn nicht. Auch der sperrige Name des Auftragswerks „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“

bleibt. Sonst setzt sich der Künstler durch: Er malt, was er will. Statt des üblichen sozialistischen gibt es von Tübke magischen Realismus. Das Ergebnis hat auch nach drei Jahrzehnten nichts von seiner Kraft verloren. Im Gegenteil, die mehr als 3000 Figuren des Bildes erzählen hochaktuelle Geschichten. Von Aufbruch und Scheitern, von Mut und Verzweiflung, von Hoffnung und Verrat. Als „Welttheater“ bezeichnen es die Kritiker, in Anspielung auf die Sixtinische Kapelle in Rom gar als „Sixtina des Nordens“. Der Leiter des Panorama Museums, Gerd Lindner, benutzt für Tübkes Werk große Worte. Anlässlich der Feier zur Vollendung nennt er es ein „bildgewaltiges Meisterstück“.

Dirk Lã¶hr

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