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Nachrichten Kultur Werner Tübke über sein eigenes Ich
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00:00 28.10.2017
Der Leipziger Maler Prof. Werner Tübke – hier im Jahr 2003 in seiner Heimatstadt vor einer Staffelei. Quelle: Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa
Leipzig

2004 starb Werner Tübke. Er hinterließ ein bedeutendes Werk, das am eindrucksvollsten sichtbar ist in Bad Frankenhausen, wo noch zu DDR-Zeiten das Museum auf dem Schlachtberg mit seinem monumentalen Panoramagemälde zum Bauernkrieg eingeweiht wurde. Der Künstler war eine öffentliche Person – und hatte doch seine Geheimnisse. Sogar vor der Ehefrau.

Es gab im Wohnhaus in der Leipziger Springerstraße einen Sekretär. In diesem Möbelstück bewahrte der Maler quasi sein Ich auf. „Es gab das ungeschriebene Gesetz: Ich ging nicht in seinen Schrank und er nicht in den meinen“, erinnert sich die Malerwitwe Brigitte Tübke-Schellenberger. Doch 2009 habe sie ihren Schwur ge- und den Schrank aufgebrochen. Was sie fand, waren zwölf Skizzen- und zwölf Tagebücher, vollgezeichnet und meist eng beschrieben, und vier Papphefter mit einer handschriftlichen Sammlung loser Blätter: „Nur vom letzten Skizzenbuch hatte ich Kenntnis. Werner wird mir meine Neugierde verzeihen.“

Den Schatz vermachte die Malerwitwe der Leipziger Unibibliothek. In einer bibliophilen Ausgabe erschien „Das Grüne Skizzenbuch“, und jetzt publiziert der Wallstein Verlag eine Auswahl aus den Einträgen des Meisters. In der Beschäftigung mit den Tagebüchern kamen die Herausgeber zum Schluss, dass Tübke nicht nur arbeitsbesessen war, sondern auch ein einsamer Mensch. Noch im fortgeschrittenen Alter fragt er: „Wer bin ich?“

Ob Familie oder Kunst im Sozialismus – all das wird reflektiert. Über von der Parteilinie bestimmte Debatten hält er 1968 fest: „Mein Gott, es ist furchtbar, ohne Möglichkeit der Gegenwehr lebensunwürdige Situationen miterleben zu müssen. Welche Niederungen!“ 1976 übernimmt Tübke den Großauftrag in Bad Frankenhausen. Die Arbeit beschäftigt ihn bis fast zum Ende der DDR. Vor der Einweihung schreibt er: „Das Rundbild hat mich verbraucht. Es wird bleiben. Da ist schon Wahrheit, ich war nur Werkzeug?... Woher kam die Kraft zum Durchhalten? Ich war und bin doch eine recht gebrechliche Figur!“ J. Maier

OZ

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