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Werther wird zum Punk

Rostock Werther wird zum Punk

Ein Selbstmord, viel Gefühl und Livemusik — am 9. April feiert das Stück „Feuerherz“ am Rostocker Volkstheater Premiere / Mit dabei: die Jungs der Band „Feine Sahne Fischfilet“

Rostock. „Weil es dich gibt“, trällert der junge Mann zur Gitarre und schaut sein Gegenüber schmachtend an. Das Paar fällt sich in die Arme, knutscht leidenschaftlich, dann prustet die junge Frau plötzlich los vor Lachen. Eine Szene, die so nicht im Drehbuch steht. Im Volkstheater Rostock laufen die letzten Proben für das Stück „Feuerherz — Die allerneuesten Leiden des jungen W.“, bei dem auch die Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ auf der Bühne steht. Am 9. April hat das Stück Premiere.

Ein gigantisch zelebrierter Orgasmus auf der Bühne, ein spektakulärer Selbstmord, knallharte Punk-Mucke mit Textzeilen wie „Ich bin komplett im Arsch“ — die Adaption von Goethes Werther ins Rostock des 21. Jahrhunderts von Jürgen Eick dürfte besonders den Nerv der jungen Generation treffen. Das Sahnehäubchen setzen dem Ganzen die Jungs von „Feine Sahne Fischfilet“ auf — und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

„Für uns als Band ist es einfach geil, mal was völlig Neues zu machen. Hätte mir das jemand vor zehn Jahren erzählt, ich hätte es nicht geglaubt“, sagt Sänger Jan „Monchi“ Gorkow mit einem Lächeln.

Auf der Bühne steht er als Leadsänger der Band und Freund von Hauptdarsteller W. (Filip Grujic). „Im Prinzip spielt er sich selbst. Es ist ja keine andere Rolle und kein anderer Charakter, als er es sonst ist. Trotzdem macht er das sehr gut“, sagt Dramaturg Martin Stefke.

Auch Regisseurin Nicole Oder, die bereits „Glückskind“ und „Ein Kind unserer Zeit“ am Volkstheater auf die Bühne brachte, ist voll des Lobes. „Monchi ist sehr talentiert und die Band wirklich engagiert“, sagt sie zufrieden. Fünf Lieder haben die Jungs aus verschiedenen Goethe-Texten zusammengebastelt und neu vertont. Zusätzlich spielen sie Stücke von ihren letzten drei Alben. „Dass unser Ensemble das reißen wird, wusste ich. Die Zusammenarbeit mit der Band war schon eine Herausforderung“, sagt Stefke. „Aber es läuft gut und unser Konzept scheint aufzugehen.“ Davon ist auch Nicole Oder überzeugt. „Die Zielgruppe sind junge Leute, eigentlich ist es ein Pubertätsstück. Es geht um eine Zeit, in der die Liebe in einem tobt, Gewalt und viele Emotionen. Dazu passt das Punkgefühl, nicht ins System zu passen. Werther ist einfach Punk.“

Vier bis sieben Stunden steht das Ensemble zurzeit täglich zu Proben auf der Bühne. „Es läuft gut, aber ist auch sehr anstrengend“, sagt Hauptdarsteller Filip Grujic. Bis auf Monchi sind die Bandmitglieder erst seit Anfang der Woche dabei. „Bisher haben wir allein unsere Stücke geprobt, daher ist es jetzt superspannend zu sehen, wie sich alles zusammenfindet“, sagt Trompeter Max Bobzin.

„Gestern hatten wir Lichtprobe, da konnte man sich schon vorstellen, wie es bei der Aufführung wirkt“, fügt Bassist Kai Irrgang hinzu.

Für den Auftritt opfern die Jungs sogar ihren Urlaub. „Wir hatten einfach Bock drauf. Wann hätten wir sonst die Chance gehabt, im Volkstheater zu spielen“, sagt Jan alias Monchi. „Verglichen mit unserem 15 Quadratmeter großen Proberaum ist das hier schon Luxus.“

Und: So langsam steigt auch bei den sonst so coolen Norddeutschen die Nervosität. „Ich bin schon aufgeregt, wie es bei der Premiere wird“, gesteht Monchi. „Aber meine Familie wird auf jeden Fall im Publikum sitzen.“

Auch Sabrina Frank, die Lotte — die Geliebte von W. — spielt, ist glücklich, mit den Jungs auf der Bühne zu stehen. „Mit der Band zusammenzuarbeiten gibt mir total viel“, sagt sie. Am kommenden Sonnabend werden auch die Zuschauer Zeugen ihrer Kussszene. Bleibt zu hoffen, dass diese dann weniger humorvoll abläuft als bei den Proben.

Von Stefanie Büssing

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