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Kultur „Wettermacher“ darf auf Oscar hoffen
Nachrichten Kultur „Wettermacher“ darf auf Oscar hoffen
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00:00 01.02.2018
Der Spezialist für Spezialeffekte Gerd Nefzer zeigt während eines Fototermines ein Filmplakat des Blockbusters „Blade Runner“. Quelle: Foto: Hirschberger/dpa

Potsdam. Gerd Nefzer hat in mehr als 30 Jahren schon einiges für Action-Filme inszeniert: Brennende Häuser, explodierende Hubschrauber, zerschossene Autos. Doch für den Film „Blade Runner 2049“ hat der 52-jährige Special-Effect-Experte etwas geschaffen, das viel banaler erscheint – das Wetter: Nebel, Regen, Schnee und Sturm. „Diese Wetter-Stimmungen waren dem Regisseur Dennis Villeneuve und Kameramann Roger Deakins besonders wichtig für den ,look’ des Films“, erläutert Nefzer in seinem Potsdamer Büro. Und der Jury in Hollywood ist die Leistung von Nefzer und seinen Kollegen eine Nominierung für den diesjährigen Oscar in der Kategorie Visual Effects wert.

„Der Film spielt in der Zukunft und geht davon aus, dass die Umweltzerstörung schon weit fortgeschritten ist, daher gibt es nur eine Szene mit Sonnenwetter“, berichtet der Spezialist. So musste sein Team alle Register schlechten Wetters ziehen: „Von leichtem bis dickem Nebel, von Regentropfen bis Starkregen und von Schneeflocken bis zum Schneesturm war alles dabei.“ Zu den Drehtagen gab es jeweils eine Wettervorhersage für Nefzers Team mit bis zu 52 Mitarbeitern. Schwierig ist es, dreckigen Schneematsch zu produzieren. „Da wird der Kunstschnee im Studio oder auf dem Außenset verteilt und anschließend mit Erde vermischt oder mit Farbe besprüht“, erläutert Nefzer.

Anspruchsvoll waren auch die Vorgaben des Regisseurs für möglichst realistischen Nebel bei Aufnahmen im Studio, die eine Szene in einer Landschaft darstellen sollen. „Da mussten wir mit einem speziell entwickelten Hochdruck-Wassersystem arbeiten“, erzählt der 52-Jährige.

Doch die größte Aufgabe lauerte in der Schlussszene, in der Hauptdarsteller Harrison Ford in einem Flugbus von einer Kai-Anlage in einen aufgewühlten Ozean rutscht und langsam von den Wellen verschlungen wird. „Der Film war schon etwas ganz Besonderes“, meint Nefzer. „Und diese erste Oscar-Nominierung ist schon der pure Wahnsinn.“ Der 52-Jährige wird zur Oscar-Verleihung am 4. März nach Kalifornien reisen. Er hat vier Konkurrenten in seiner Kategorie: Die Teams von „Guardians of the Galaxy Vol. 2“, „Kong: Skull Island“, „Star Wars: The Last Jedi“ und „War for the Planet of the Apes“.

Für den 52-Jährigen wäre es die Krönung eines ungewöhnlichen Lebenswegs, wenn er die goldene Trophäe in das Unternehmen auf dem Gelände des traditionsreichen Studios Babelsberg holen könnte.

Gegründet wurde die Firma von seinem Schwiegervater Karl Nefzer 1968 im baden-württembergischen Schwäbisch Hall als Verleih von Filmautos und -waffen. In den 1980er Jahren baute er mit Sohn Uli und Schwager Gerd die Sparte Special Effects auf. Nach der Wende wurde die Dependance in Babelsberg gegründet.

Der gelernte Landwirt und studierte Agrartechniker stürzte sich mit Feuereifer in die Arbeit. Sein erster Job waren Special Effects für die Krimiserie „Wolffs Revier“. Spätere Highlights waren die Mitarbeit an den oscar-prämierten Filmen „Inglourious Basterds“ und „Grand Budapest Hotel“. Nefzer ist mit seiner Ausbildung in dem Team mit vielen Handwerkern beileibe kein Exot. „Wir haben hier einen Metzger, Schlosser, einen Bergmann und einen Landmaschinen-Mechaniker“, sagt Nefzer. „Und das wär doch was: Wenn ein ,Bäuerle’ aus dem Schwabenländle einen Oscar holt.“

Nominierungen in Technik

Der Film „Blade Runner 2049“ ist in fünf Kategorien nominiert. Neben der Kategorie „Beste visuelle Effekte“ ist der Actionfilm noch in den Sparten „Beste Kamera“, „Bester Ton“, „Bestes Szenenbild“ und „Bester Tonschnitt“ im Rennen um einen der begehrten Oscars.

Das düstere Zukunftsszenario spielt im Los Angeles des Jahres 2049. Die Protagonisten sind K (Ryan Gosling) und der ehemalige Blade Runner Rick Deckard (Harrison Ford), die nicht zugelassene Modelle künstlicher Intelligenz in ihren Verstecken aufspüren und eliminieren.

Klaus Peters

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