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Kultur Widerspruch und Kontinuität
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00:00 30.08.2018
Mischung aus bürgerlicher Kunst und Pop-Art: Oskar Manigks „Französisches Frühstück“, (Mischtechnik/Karton, 2008) – eine Hommage an das Werk Édouard Manets von 1863, „Das Frühstück im Grünen“. REPROS (3): GALERIE REFUGIUM
Zinnowitz

„Er war sehr geduldig, diszipliniert und der Sache zugewandt“, sagt Oskar Manigk, wenn er die Bleistiftzeichnungen seines Vaters Otto Manigk ansieht. Es sind Fischerszenen, Hütten, Boote und Menschen am Wasser, die Otto Manigk mit feinen Strichen auf Papier gebannt hat. Bei seinem Vater bewundere er die Lebendigkeit der Arbeiten. „Wenn ich dasselbe Motiv malen würde, wäre es langweilig“, räumt er freimütig ein. „An der Natur“, so sagt er, „bin ich gescheitert.“

Bis November sind in Zinnowitz 32 Werke des Usedomer Malers Oskar Manigk und seines Vaters Otto Manigk zu sehen.

Die Schau in der Zinnowitzer Galerie „Refugium – Kunst am Meer“ zeigt mit abstrakten Arbeiten des Usedomer Malers Oskar Manigk und Portraits, Landschaften und Zeichnungen seines Vaters Otto Manigk Widerspruch und Kontinuität zweier Künstlergenerationen, die unterschiedlicher kaum sein können. Der Vater, der sich mit geduldigem Pinselstrich streng den Maßgaben der „Kurauschen Malschule“ und damit den Gesetzen der Natur unterwarf. Sein Sohn, von Leidenschaft und Intuition getrieben, der mit allem brach, um seine eigene expressive Form- und Farbenwelt zu erschaffen.

Ob es eine bewusste Entscheidung war, einen eigenen künstlerischen Weg einzuschlagen, weiß Oskar Manigk bis heute nicht. „Hätte es einen starken oder dauerhaften Einfluss meines Vaters gegeben, wäre es vielleicht anders gekommen. Den gab es aber nicht. So fiel es mir nicht schwer, nach eigenen Themen und Formen zu suchen“, sagt er rückblickend.

Dass der Sohn in die Fußstapfen des Vaters tritt, war für Oskar Manigk nicht von vornherein klar. „Ich wollte etwas Gestalterisches machen, aber mehr in die Richtung angewandte Gebrauchsgrafik“, erinnert sich der 84-Jährige. Wegen fehlender Ausbildungsmöglichkeiten sei er vom Vater ermuntert worden, Auftragsarbeiten mitzugestalten. Aber die Aufträge waren rar. Den Leerlauf nutzt Manigk, um sich künstlerisch auszuprobieren. Gemeinsam mit Matthias Wegehaupt, Joachim John und Wulf Sailer bekommt er Malunterricht beim „Usedomer Malerkreis“ um seinen Vater, Otto Manigk sowie bei Otto Niemeyer-Holstein. „Mir ging es aber um den Blick hinter den Horizont“, sagt Manigk. Anregungen holt er sich bei französischen Malern, wie dem Expressionisten Bernard Buffet, wendet sich zudem der abstrakten Malerei zu.

„Ich bin nicht auf der Suche nach Regeln, ich bin auf der Suche nach Ausdrucksformen, die den eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten entsprechen“, lautet ein Manigk-Zitat. Den künstlerischen Maßstäben der Akademien setzt der Autodidakt, der nach dem Abitur eine Tischlerlehre absolvierte und von 1956 bis 1957 Gaststudent an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee war, seine eigenen Ausdrucksformen entgegen.

„Es ist mir nicht wichtig, ob es Kunst genannt wird, was ich mache, oder ob ich es für Kunst halte“, sagt Manigk. „Für mich war die Malerei meines Vaters Kunst, an der sich andere messen müssen.

Insofern habe ich mich daran nicht orientieren wollen, sondern sie abgelegt, mich von ihr distanziert und den Einflüssen entzogen, die sie eventuell ausgeübt hätte.“ In seinen figürlichen Bildern hat er vor allem Menschen in Szene gesetzt. Es tauchen Stars wie Amy Winehouse auf, mit denen Manigk flüchtige Erlebnisse in TV oder Hörfunk verbindet. Der Mensch als Inszenierung, oft mit tragischen Momenten. Mit seinen Arbeiten inszeniert er die Inszenierung, setzt die Kunstfiguren selbst noch mal in Szene. Immer aus der Distanz: „Wenn man zu dicht dran ist, wird die Schau zu einer Indiskretion. Meine Bilder sind Spiegelbilder flüchtiger Begegnungen, keine Bekanntschaften“, so Manigk.

Noch freier ist für ihn die abstrakte Malerei: Da gibt es keinen Vorsatz, bestimmte Themen zu formulieren. Das scheinbar mühelose Erfinden und Füllen des Bildraumes mit Gestik, Dynamik und Farben – was hätte sein Vater dazu gesagt? „Vermutlich, gib dir mal ein bisschen mehr Mühe“, sagt Manigk und lacht. Genau das verdeutlicht die Intention der Schau: Sie ist kein Zwiegespräch zwischen Vater und Sohn, sondern zeigt zwei Welten, die sich gegeneinander abgrenzen und wieder zueinanderfinden. Zum Beispiel in der Farbigkeit, mit denen Otto Manigk den Gesetzen der Natur trotzt. Eine Art gefesselter Expressionismus, den Oskar Manigk weiterführt und das Werk seines Vaters so aus seiner Begrenzung löst. Neben den Fischerbooten des Vaters hängt die abstrahierte Version des Sohnes: „Für mich hat Kunst auch einen therapeutischen Zweck“, sagt er. „Sie dient der Befreiung.“

Vater und Sohn

Otto Manigk, 1902 in Breslau geboren, studierte in Breslau, Berlin, Italien und Frankreich Kunstgewerbe, Innenarchitektur und bildende Kunst. Anfang der 30er Jahre ließ er sich zeitweise in Ückeritz (Usedom) nieder – in der Nähe von Malerfreund Otto Niemeyer-Holstein. Nach dem Krieg lebte er ab 1947 als Künstler in Ückeritz. 1972 starb er mit 70 Jahren.

Oskar Manigk, 1934 in Berlin geboren, wuchs in Ückeritz auf. Er absolvierte eine Tischlerlehre und war Gasthörer an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (1956 bis 1957), bevor er als freier Künstler arbeitete. Er erhielt den Caspar-David-Friedrich-Kunstpreis und den Kulturpreis des Landes MV für sein Lebenswerk. Er arbeitet auf Usedom und in Berlin.

Stefanie Büssing

Pauschal, banal, gefährlich: In seinem empathielosen Buch „Feindliche Übernahme“ warnt Thilo Sarrazin vor der Einwanderung von Muslimen und beschreibt den Koran als Werk der Unterdrückung. Das Buch wirkt gerade im Angesicht der fremdenfeindlichen Ausschreitungen von Chemnitz bedrückend.

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