Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Wie Filme das Geschichtsbild prägen
Nachrichten Kultur Wie Filme das Geschichtsbild prägen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 10.06.2016

Verloren haben die Deutschen den Zweiten Weltkrieg noch gemeinsam. Aber mit der Teilung in Ost und West setzte eine unterschiedliche Aufarbeitung des Krieges ein.

Das galt auch für die Darstellung der Nazi-Zeit auf der Leinwand: Spielfilme griffen in beiden deutschen Staaten das Thema Krieg und Verfolgung auf und prägten auch das Geschichtsbild der Zuschauer.

Das Haus der Geschichte in Bonn zeigt in der Ausstellung „Inszeniert – Deutsche Geschichte im Spielfilm“ auch diesen Aspekt.

„Im Westen wurde der deutsche Soldat häufig als unpolitisches Opfer dargestellt, das eigentlich gegen Hitler war, aber aus Treue zu seinem Land seine Pflicht erfüllte. Kriegsverbrechen kamen nicht vor“, erklärt Christian Peters, Kurator der Ausstellung. Als Beispiel nennt er die „08/15“-Reihe mit Joachim Fuchsberger (1954/55). „Ein realistischer Film hätte zu dieser Zeit wohl gefloppt“, meint Peters.

Eine der wenigen Ausnahmen sei Bernhard Wickis Film „Die Brücke“ (1959), der zwar auch keine Kriegsverbrechen zeige, aber die Sinn- und Rücksichtslosigkeit, mit der am Ende des Krieges sogar Kinder verheizt wurden. „Hier wird der einst glorifizierte Heldentod ad absurdum geführt“, sagt Peters.

In der DDR galten andere Regeln: „Die DEFA war staatlich, alles musste von der SED abgesegnet werden“, so Peters. „Filme waren eine Möglichkeit, ein parteikonformes Geschichtsbild zu prägen.“

Allerdings seien diese Filme von den Zuschauern meist als Propaganda erkannt worden. Es gab aber auch andere Filme, betont der Experte, etwa „Ich war neunzehn“ von Konrad Wolf (1968): „Auch hier wird zwar die Befreiung durch die Rote Armee verherrlicht, aber nicht so plump.“Der Film über einen jungen Deutschen, der aufseiten der Roten Armee nach Deutschland zurückkehrt, sei stark autobiografisch geprägt. Er greife Themen auf, die sonst tabu waren, wie Vergewaltigungen durch Sowjetsoldaten oder grundlose Erschießungen deutscher Gefangener. „Der Film war sehr erfolgreich und ist bei den Zuschauern auch gut angekommen“, weiß Peters. „Je länger er allerdings zum Pflichtprogramm gehörte, desto stärker sank im Laufe der Zeit das Interesse.“

Ein anderer Bereich widmet sich der Aufarbeitung der DDR-Geschichte nach 1989. „Zunächst wurden vor allem Komödien gedreht“, sagt Peters. Der erste große Erfolg war „Go, Trabi, go“ (1991) – dieser Film spielte aber nur zum Teil in der DDR. Der erste eigentliche DDR-Film war für Peters „Sonnenallee“ von Leander Haußmann (1999). „Er ist im Osten viel besser angekommen als im Westen.“

In ganz Deutschland erfolgreich war Wolfgang Beckers „Good Bye, Lenin!“ (2001). „Diese Tragikomödie war ein Versuch, die Empfindungen der Ostdeutschen ernst zu nehmen“, sagt Peters. Sechs Millionen Deutsche sahen den Streifen. Ernst wurde es 2006: Mit „Das Leben der Anderen“ griff Florian Henckel von Donnersmarck erstmals das Thema Stasi auf. „Der Film löste eine große Diskussion aus. Pro und Kontra verteilten sich gleichmäßig auf Ost und West“, erklärt Peters. Für ihn spielen Filme für das Geschichtsbild eine wichtige Rolle: „Filme sind für die Vermittlung von Geschichte in den letzten 20 Jahren immer wichtiger geworden. Sie erreichen ein größeres Publikum als Dokumentationen oder Bücher.“

Obwohl Spielfilme nicht in erster Linie zu Bildungszwecken gedreht würden, könnten sie diese Funktion erfüllen. „Ein Film muss erst einmal unterhalten und folgt den Gesetzen des Genres.“ So würden Geschichte auf die Hauptfiguren der Filme personalisiert, andere Charaktere erfunden oder weggelassen und der Inhalt aus dramaturgischen Gründen verdichtet. „Oft nutzen Regisseure Historiker als Berater und versuchen, das Geschehen wahrheitsgetreu abzubilden.“

Axel Büssem

Die Künstlergruppe Clara Mosch gründete sich 1977 in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz. Spektakulär und provokativ wirkten ihre Pleinair-Aktionen in Ahrenshoop und Ludwigslust.

10.06.2016

. Jürgen Prochnow war schon mit vergleichsweise zarten 40 Jahren „der Alte“: 1981 schrieb er Filmgeschichte als Kommandant in Wolfgang Petersens legendärem Filmdrama „Das Boot“.

10.06.2016

Mit Aktionen in Ludwigslust und Ahrenshoop rebellierte die DDR-Künstlergruppe Clara Mosch in den 70er Jahren gegen das Establishment. Cottbus zeigt jetzt ihre Geschichte.

10.06.2016
Anzeige