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Wie Venedig die Künstler verzauberte

Von Canaletto bis Richter Wie Venedig die Künstler verzauberte

Canal Grande und San Marco, Brücken und Gondeln: Jedes Jahr fasziniert Venedig Millionen von Besuchern. Auch die Künstler zieht die Lagunenstadt magisch an - wie eine Schau in Hamburg beweist.

Hamburg. Von Thomas Manns Novelle „Tod in Venedig“ über Donna Leons Brunetti-Romane bis zum Film „Wenn die Gondeln Trauer tragen“: Venedig ist schon immer eine Inspirationsquelle für zahlreiche Künstler gewesen.

Wie die Lagunenstadt bildende Künstler über Jahrhunderte hinweg verzaubert hat, zeigt eine Ausstellung im Bucerius Kunstforum (1.10. bis 15.1.17) in Hamburg. Zu sehen sind rund 100 Leihgaben aus internationalen Museen, darunter Werke von Vittore Carpaccio, Canaletto, Francesco Guardi, Giambattista Tiepolo, William Turner, John Ruskin, Claude Monet, Wassily Kandinsky, Gerhard Richter und Candida Höfer.

„Es geht um das Bild der Stadt und wie es sich im Laufe der Jahrhunderte verändert hat“, erklärte Kuratorin Kathrin Baumstark. Die Wände vor den Ausstellungsräumen glänzen in Gold, um an den „Glanz der Serenissima“ - die Durchlauchtigste - zu erinnern. Fast ein Jahrtausend lang war Venedig eine der wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Mächte in Europa. Ihren Ruhm festigten und mehrten Künstler wie Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, der das Genre der Vedute - der Stadtansicht - als venezianische Leitgattung etablierte.

„Die Ansichten des Canal Grande, des Markusplatzes, der Basilika und des Dogenpalastes machten Venedig in ganz Europa bekannt“, sagte Baumstark. Darstellungen von Prozessionen und Staatszeremonien, aber auch die Porträts der Dogen, etwa in Carpaccios Darstellung von Leonardo Loredan oder Tintorettos Porträt des Dogen Alvise Mocenigo, stärkten den Mythos der Löwenrepublik. Auch die Vergnügungskultur - in Venedig gab es das erste öffentliche Spielcasino - und die Maskerade beim Karneval zogen die Künstler magisch an - so auch den deutschen Maler Johann Heinrich Tischbein (1722-1789), der die „Glücksspieler im Ridotto“ festhielt.

Nach dem Sturz der Republik Ende des 18. Jahrhunderts und dem Einmarsch Napoleons begann Venedigs Niedergang. „Die Stadt blieb jedoch Ziel englischer Künstler, die in der Tradition der Grand Tour nach Italien reisten“, sagte die Kuratorin. Zu den ersten Malern, die im 19. Jahrhundert nach Venedig kamen, gehörte William Turner (1775-1851), der gleich mehrere Male nach Venedig reiste. Seine Malerei löste die traditionelle Vedute ab und zeigte Venedig im Spannungsfeld von Licht, Luft und Wasser. „Künstler wie John Ruskin dachten, sie wären die letzten, die Venedig sehen“, erklärte Baumstark. Deshalb hatte er sich vorgenommen, jeden Palast in der verfallenden Stadt zu fotografieren.

Die französischen Impressionisten wie Claude Monet (1840-1926) waren überwältigt von dem besonderen Licht, dem weiten Himmel über der Lagune und den Spiegelungen der Fassaden im Wasser. In der Ausstellung sind seine beiden Gemälde „San Giorgio Maggiore“ und „Der Palazzo Ducale“ (beide 1908) zu bewundern.

Zeitgenössische Künstler wie Gerhard Richter, Candida Höfer und Thomas Struth setzen sich vor allem mit gesellschaftlichen Aspekten auseinander. So zeigt Thomas Struth in „San Zaccaria“ (1995) wie Gläubige und Touristen aufeinanderprallen. Mit einem Augenzwinkern sieht Martin Kippenberger (1953-1997) den Mythos Venedig: Sein „Sozialkistentransport“ (1989) ist der Nachbau einer Gondel aus billigem Pressholz.

dpa

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