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Wiederholungstäter: Die Olsenbande schlug wieder zu

Anklam Wiederholungstäter: Die Olsenbande schlug wieder zu

„Die Olsenbande 2“ hatte am Samstagabend an der Vorpommerschen Landesbühne in Anklam Premiere

Anklam. Die Besucher der Vorpommerschen Landesbühne in Anklam dürften seit Samstagabend unter einem hartnäckigen Ohrwurm leiden. Schließlich landete dort „Die Olsenbande 2“ den großen Theatercoup. Posaunen- und Trompetenklänge im schönen Olsenbanden-Jazz mit dem dazugehörenden Kolonnensturmschritt der drei Helden hatten bei der Premiere Hochkonjunktur. Aber Premiere, wieso eigentlich Premiere? Irgendwie breitete sich schon bei den ersten Tönen des klassischen Olsenbanden-Sounds eine possierliche Vertrautheit zwischen Saal und Publikum im Anklamer Theater aus.

Nicht nur, dass die Schauspieler gern ebenfalls im Saal spielten, auch das Publikum zeigte großflächige Sachkenntnis der Bandenmaterie im Königreich Dänemark, um den dicht gesäten witzigen Darstellungen sämtlicher Filmklischees allzeit folgen zu können. Neben Martin Schneider als alternder Pläneschmied Egon, Wolf-Aaron Thalmann als ängstlich getreuer Mitmach-Kjeld und Phillip Dobraß

als begeisterungsfähig-bauernschlauer Hochwasserhosenhüpferling Benny überzeugte vor allem Birgit Lenz als optisches Bonbon mit Wasserfallrededrang Yvonne. Gefühlt gab es wohl keine Minute, in der sie nichts zu vermelden hatte. Die Frage, wann sie denn eigentlich Luft holte, blieb ebenso offen wie die Frage, ob Bockwurst Haarausfall zu verursachen vermag. Zweifelsohne war diese Rolle Heiko Gülland als haarloser Kriminalkommissar Mortensen wie auf den Leib geschrieben. Leicht tapsig-ehrgeizig und gutgläubig-wohlmeinend ließ er den Glauben an erfolgbringende Polizeiarbeit wieder aufleben. Unterstützt vom übereifrigen Streifenpolizist Gunnarson (Reiko Rölz) wurde so ziemlich alles auf die Schippe genommen, auch Floskeltexte, Flachwitze und Sozialdemokraten.

Und wer nicht schon in der Filmreihe den apart lustlosen Börge mit blondem Langhaar ins Herz geschlossen hatte, konnte dies spätestens hier mit Martin Puhl mehrfach nachholen. Zumal seine süße, hochschwangere Freundin Fie (Anika Laß) Charleston und Schwangerschaft so possierlich vereinte, als würde beides einander bedingen.

Aber damit nicht genug! Das gezielte Bestreben, „Hamlet“, „Zwölf Uhr mittags“ mit dem „Terminator“ zu verweben und somit Bühnenklassik mit hübschen Westernschinken und modernen Actiontrillern gleichzeitig durch den Kakao zu ziehen, wurde mittels Kunstgriff in die Gegenwart erstaunlich einfach umgesetzt. Torsten Schemmel hatte als Theaterdirektor und Mr. X offenbar super genaue Charakterstudien an Jürgen Kern und Arnold Schwarzenegger vorgenommen. Vertraut, absurd und lustig zugleich. Dicht gespickt mit Witz und Klamauk ergänzt durch eine sehr detailreiche Ausstattung von Großmustergardinen bis Fuchs-und-Hase-Poster bietet das Ensemble unter der Regie von Dr. Wolfgang Bordel guten Kunstgenuss auch für Widerholungstäter.

Beate Rother

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