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Wikinger und Slawen schlagen sich auf der Burgwiese

Neustadt-Glewe Wikinger und Slawen schlagen sich auf der Burgwiese

Zum Mittelalterfest in Neustadt-Glewe reisen Krieger aus ganz Europa an

Neustadt-Glewe. Die Krieger rücken vor. Stahl schlägt gegen Stahl. Schwerter und Kampfäxte hageln auf Helme und Schilde. Krachendes Holz, gellende Schreie, Gebrüll. „Das ist Adrenalin pur“, sagt Kelle Isengrin Strongbow. Der 52-Jährige mit dem langen Künstlernamen moderiert die Kämpfe in Neustadt-Glewe (Kreis Ludwigslust-Parchim). Dort treffen beim Burgfest ab heute 300 voll gerüstete Krieger aufeinander – zur größten Vollkontakt-Schlacht Europas.

Vollkontakt, das heißt: „Die Kämpfer dürfen mit den Waffen bei ihren Gegnern überall hinschlagen – außer ins Gesicht“, erklärt Kelle, der fast sein halbes Leben als Wikingerdarsteller unterwegs ist.

Gekämpft wird mit Schwertern, Lanzen und Äxten. Es geht hart zur Sache, blaue Flecken inklusive. Kelle: „Wir spielen hier ja nicht mit Murmeln, sondern mit Stahl.“

Seit 1992 veranstaltet Neustadt- Glewe die jährlichen Burgfeste. Im ersten Jahr tingelten kaum 100 Mittelalterfreunde an das Flüsschen Elde. Mittlerweile reisen rund 20000 Besucher an; das Burgfest zählt laut Karen Tappe, verantwortlich für Kultur und Tourismus, zu den größten Mittelalter-Veranstaltungen bundesweit. Auch wegen der einzigartigen Schlachten.

Die Regeln dabei sind einfach. Krieger, die am Körper getroffen werden, gehen zu Boden und stellen sich tot. Damit das eingehalten wird, überwachen Schiedsrichter, ausgerüstet mit langen Knüppeln, das Getümmel. Und sie achten darauf, dass mit den adrenalinberauschten Kriegern im Schwertersturm nicht die Gäule durchgehen.

Gegen ernsthafte Verletzungen sind die Kämpfer mit Helm, Handschuhen, Kettenhemden und dem Gambeson, einer gepolsterten Zusatzpanzerung, gerüstet. Für den Zuschauer mögen die Schlachten aussehen wie ein wüstes Hauen und Stechen. Aber die Krieger – darunter auch Frauen – seien „altgediente Haudegen“, die jahrelang trainiert haben, erklärt Kelle, der die Kämpfe übers Mikrofon mit markigen Worten kommentiert: „Die Angreifer brechen durch!“ oder „Wieder haben die Verteidiger die Linie gehalten!“

Insgesamt schlagen am Wochenende rund 600 Teilnehmer ihre Zelte, Buden und Bühnen am Fuß der Burg auf. Neben den Schlachten gibt es auf dem Drei-Tage-Spektakel Musik, Theater, Feuershows und Handwerk.

Die meisten Darsteller sind gewandet wie die alten Wikinger und Slawen des Frühmittelalters. Ausrüstungen, Kleidung und Waffen sind dabei möglichst originalgetreu archäologischen Funden nachempfunden worden. Die Authentizität, also die Echtheit der Darstellung, und der Vollkontakt-Kampf ziehen Krieger nicht nur aus der deutschen Mittelalterszene an. Teilnehmer kommen auch aus Skandinavien, England, Polen und Russland. „Die Internationalität ist hier etwas Besonderes“, sagt Kelle. Seit 23 Jahren hat der Berliner kein einziges Burgfest verpasst, und seit 21 Jahren moderiert er die Schlachten. „Ich bin da so reingewachsen“, sagt er. Und dabeigeblieben. Denn Neustadt-Glewe, erklärt der Wikinger-Darsteller, das sei immer „wie nach Hause kommen“.

Axel Meyer

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