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22:48 15.07.2013
Stanislav Güntners Erstling "Nemez" ("Der Deutsche") um einen jungen Deutschrussen in Berlin gewann bei den Internationalen Hofer Filmtagen den Eastman-Kodak-Förderpreis (Regie) und in München den VGF-Nachwuchsproduzentenpreis des Bayerischen Filmpreises. Quelle: Filmschaft Maas & Füllmich / Nominal Film
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Das Beste vorweg: Dieser Film fällt nicht mit der Tür ins Haus. Obgleich der Untertitel "In Russland ein Deutscher, in Deutschland ein Russe" ja darauf schließen ließe. Es geht um die Identitätssuche eines jungen Deutschrussen, der seinem Vater helfen will. Wie so viele der Russlanddeutschen, die mit falschen Erwartungen nach Deutschland kamen (zwei Millionen seit 1990), zieht es den Vater wieder nach Russland zurück, um ein neues Leben starten. Doch Dima, sein Sohn, will die erneute Niederlage nicht hinnehmen. Er, den sie "Nemez", den Deutschen nennen, will heraus aus der misslichen Situation - und sei es mit illegalen Mitteln.

"Nemez", der bei den Internationalen Hofer Filmtagen 2012 Premiere feierte und unter anderem den VGF-Nachwuchsproduzentenpreis beim Bayerischen Filmpreis bekam, erzählt ganz aus der Perspektive seines Helden, wie ein vom endgültigen Abstieg bedrohter Jugendlicher durch die Liebe zu einem Mädchen doch noch gerettet wird. Ein Märchen? - Hoffentlich nicht.

"Nemez" beginnt denn auch ganz rau, mit einem Einbruch in einem Berliner Mietshaus, bei dem ein wohlhabender Rentner grausam niedergeschlagen wird. Man sieht Dima (Mark Filatov) anschließend im Jugendgefängnis beim therapeutischen Theaterspiel mit biblischem Stoff. Mit einem anderen Insassen (Oktay Özdemir), einem Deutschtürken, streitet er über die Unterschiede: Wer ist deutscher - ich oder Du? Was ganz nebenbei auf andere, zumal deutsch-türkische Migrationsfilme verweist, von Fatih Akim bis Thomas Arslan. Aber hier ist eben doch alles anders. Dima war immer Deutscher, ein Deutscher in Russland, und jetzt eben ein Deutscher aus Russland in Berlin. Ohne irgendwelche Vorwürfe zu erheben, zeigt Stanislav Güntner, selbst deutschrussischer Abstammung, die Strickfallen der Immigration: Verführer lauern überall im vermeintlichen Märchenland.

Georgij (Àlex Brendemühl), der Boss einer Kunsträuberbande, ist ein solcher. Er weiß seine Taten gut zu verkaufen: Man nimmt den Leuten die Kunst, die sie mit schmutzigem Geld erworben haben und behauptet als Kunstkenner obendrein mehr Sachverstand. Der Zufall will es, dass Dima nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis die junge Kunststudentin Nadja aus gutem Hause kennen lernt. Nadja, von Emilia Schüle wunderbar leicht gespielt, ist so blütenrein, wie sich Shakespeare einst seine Julia vorgestellt haben mag. Eine, die alle Gesellschaftsschranken verliebt und fröhlich ignoriert. Und Dima, ihr russischer Romeo, ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen, nicht von Nadjas ablehnendem Vater, auch nicht von ihrem Verlobten, der ihm an den Kragen will.

Mark Filatov sieht als Dima ein bisschen so schläfrig aus wie Wladimir Klitschko und boxt zumindest in der Defensive mit Wort und Faust genau so gut. Filatovs selbstbewusstes, völlig unaufdringliches Spiel, seine Coolness, seine Pferdewetten- und Pokerlaunen, entschädigen letztlich für die etwas arg klippschulhafte Handlung: Merke, dass der Zweck keinesfalls die Mittel heiligt. Merke aber auch, dass so etwas wie Liebe noch jeden Gefallenen vor dem Absturz retten kann.

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teleschau

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