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„Winnetou I“: Das bessere Amerika liegt im Sauerland

Im Ort Elspe „Winnetou I“: Das bessere Amerika liegt im Sauerland

Im Sauerland ist Amerika noch so, wie viele Deutsche es sich wünschen. Dank Winnetou triumphiert jedes Mal das Edle und Gute. Deshalb hält man sich hier auch streng an den alten CDU-Slogan: Keine Experimente!

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Wilder Westen im Sauerland: Alexander Klaws als Old Surehand (l-r), Jan Sosniok als Apachenhäuptling Winnetou und Max König als Comanchenhäuptling Apanatschka.

Quelle: Georg Wendt

Elspe. An Weihnachten konnte man Winnetous Schwester Nscho-tschi in der RTL-Neuverfilmung als selbstbewusste Schamanin erleben. Nicht allen Fans gefiel das - die Einschaltquote sackte nach dem ersten Teil dramatisch ab.

Im Sauerland können alle Karl-May-Liebhaber nun wieder aufatmen: Da kennt die Squaw ihren Platz und stirbt noch vor dem ersten Sex mit Old Shatterhand als unberührte Jungfrau.

Tosender Beifall war den Mitwirkenden von „Winnetou I - Die Geschichte einer großen Freundschaft“ bei der Premiere am Samstag gewiss. „Ich weiß nicht, ob man Klassiker verändern sollte, um sie einem neuen Zeitgeschmack anzupassen“, philosophiert Geschäftsführer Jochen Bludau (75). „Für mich sind Karl-May-Bücher - gerade Winnetou I, II, III - Klassiker, die man in der Form übernehmen sollte, wie Karl May sie gemacht hat.“ In Elspe gilt deshalb der CDU-Wahlkampf-Slogan von 1957: „Keine Experimente!“

Michael Petzel, Leiter des Karl-May-Archivs in Göttingen, stimmt zu: „Dies sind Geschichten für Jugendliche, und da ist ein Grundprinzip, dass der Held alles kann. Es ist alles entweder Schwarz oder Weiß. Das gehört zur Entwicklung des pubertierenden Jugendlichen, und das gehört zu Karl May. Wenn man dagegen verstößt und zum Beispiel einen Old Shatterhand zeigt, der Suppe löffelt, der sich verliebt und auch mal schwach ist - ein Weichei sozusagen -, dann passt das eben nicht.“

In Elspe ist diese Gefahr in keiner Weise gegeben. Seit vielen Monden schon strömen jeden Sommer um die 200 000 Besucher in den kleinen Ort im Sauerland, und eigentlich ist es völlig egal, welches Stück nun gerade gespielt wird, es läuft sowieso immer gleich ab. Die Besucher kommen nicht für die Handlung, sie kommen für die Wiederholung des immer Gleichen und für das Live-Erlebnis. Man spürt die Hitze der Explosionen und kriegt den Dreck der vorbeipreschenden Pferde ins Gesicht. Und zumindest von der ersten Reihe aus kann man „Winnetou“ Jean-Marc Birkholz in die silberseeblauen Augen blicken.

Nur je nach Witterung verändert sich der Charakter der Aufführung: Manchmal wird Winnetou von einem ergiebigen sauerländischen Landregen bis auf die letzte Faser seines Fransenanzugs durchgeweicht. Dann wieder schwitzt er unter seiner Langhaar-Perücke, dass die Schminke läuft. Die Oberbekleidung wird gleichwohl nie abgelegt - auch hier ein Unterschied zur RTL-Verfilmung, in der Winnetou-Darsteller Nik Xhelilaj offensiv seinen Waschbrettbauch hergezeigt hatte.

Elspe gibt seinem Stammpublikum einen Winnetou ohne Brüche. Edel sei der Apache, hilfreich und gut. Amerika ist hier noch ein romantisches Traumbild und der US-Präsident der „weiße Vater in Washington“. Wer auch immer da konkret gemeint sein mag: auf jeden Fall nicht der, an den man jetzt denkt.

dpa

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