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„Wir lassen uns das Platt nicht plattmachen“

Schwerin „Wir lassen uns das Platt nicht plattmachen“

Rund 15 000 Zuschauer füllten 2012 die Reihen bei etwa 130 Aufführungen der fünf Niederdeutschen Bühnen in Mecklenburg-Vorpommern. „Die fünf Laientheater, deren Mehrzahl schon seit über 80 Jahren ihr Publikum mit plattdeutschen Stücken erfreut, gehören zum Kulturgut unseres Landes“, ordnet Marion Suri (56), Geschäftsführerin des Niederdeutschen Bühnenbundes, das Wirken der Ensembles ein.

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Als hätten sie es gewusst. Die „Plattdütsch Späldäl to Stralsund“ zeigte das Stück „Betahlt ward nich“ (Bezahlt wird nicht).

Quelle: Archiv

Schwerin. Umso härter traf die Bühnen in Schönberg, Wismar, Rostock, Stralsund und Neubrandenburg ein Schreiben aus dem Schweriner Kultusministerium, in dem der Antrag auf Projektförderung in Höhe von 15 000 Euro abgelehnt wurde. Eine Ablehnung, die zu einem Proteststurm unter den Niederdeutschen Bühnen führte.

Gestern Abend musste Minister Mathias Brodkorb (SPD) nun zurückrudern. Es sei in seinem Hause zu einem bedauerlichen Verwaltungsfehler gekommen, ließ er wissen. Die 15 000 Euro würden ausgereicht.

Damit widersprach er dem Ablehnungsbescheid seines Abteilungsleiters Enoch Lemcke, der die Bühnen hatte wissen lassen, dass „aufgrund einer Vielzahl von Anträgen der vorhandene Bewilligungsrahmen für Kulturprojekte innerhalb der Haushalts- und Wirtschaftsführung des Jahres 2013 bereits ausgeschöpft“ sei.

Bühnenbund-Geschäftsführerin Marion Suri hatte kein Verständnis dafür gezeigt, dass der Rotstift gerade bei den Niederdeutschen Bühnen angesetzt wird, zumal im Artikel 16 der Landesverfassung festgeschrieben sei, dass das Land die Pflege der niederdeutschen Sprache schütze und fördere. Welche Konsequenzen die Streichung gehabt hätte, machten Bühnenverantwortliche deutlich.

So berichtete Jan Barnewitz (47) von der „Plattdütsch Späldäl to Stralsund“: „Wir haben mit 1500 Euro gerechnet, die wir für die Inszenierung unseres neuen Stückes ,Alleen in de Sauna‘ und die Aufnahme des Hörspiels ,De Seeröber vun Mönchgaut‘ einsetzen wollten. Wenn das Geld nicht käme, wären diese Projekte in Gefahr!“

Ähnliches war von Willi Kuß (78), Chef der Niederdeutschen Bühne Wismar, zu erfahren: „Wir sind davon ausgegangen, dass wir 3900 Euro erhalten. Erhalten wir sie nicht, würde uns nichts anderes übrig bleiben, als den Spielbetrieb einzuschränken. Auch die Qualität der Bühnenbilder leide in diesem Fall ebenfalls unter dem Geldmangel.“

Für Rudolf Korf (77), Regisseur bei der „Schönbarger Späldäl“, wäre eine Streichung der Fördergelder dem Versuch gleichgekommen, das „Plattdeutsche plattzumachen.“ Korf sprach für die mit zehn Mitgliedern kleinste niederdeutsche Bühne in MV. Er machte klar, dass das wegfallende Geld von 1500 Euro, auf das die „Späldäl“ fest rechnete, verheerende Auswirkungen haben könne: „Die Bühne kämpft sowieso schon ums Überleben.“

Angesichts der dramatischen Folgen hatte der Niederdeutsche Bühnenbund vor dem gestrigen Brodkorb-Rückzieher angekündigt, sich mit einem Protestschreiben direkt an Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) wenden zu wollen.

5 niederdeutsche Bühnen
Die Niederdeutsche Bühne Neubrandenburg besteht seit über 75 Jahren. Sie hat über 30 Mitglieder. 2012 gab es 48 Veranstaltungen.

Die Plattdütsch Späldäl to Stralsund wurde 1920 gegründet. Die etwa 30 Mitglieder gaben 15 Vorstellungen.

Die Niederdeutsche Bühne Rostock pflegt seit über 80 Jahren das niederdeutsche Theater. 37 Laienschauspieler bringen etwa 25 bis 30 Vorstellungen pro Jahr auf die Bühne.

Die Niederdeutsche Bühne Wismar wurde vor über 75 Jahren gegründet. 2012 gab es 31 Aufführungen. Der Verein zählt 43 Mitglieder. Die seit 1974 bestehende Kinder- und Jugendgruppe hat zehn Mitglieder.

Die Schönbarger Späldäl wurde im Jahr 1947 gegründet. 2012 gab es elf Aufführungen. Die Bühne hat zehn Mitglieder.

Werner Geske

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