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Wo sich große Autoren die Klinke in die Hand geben

Gingst/Vaschvitz Wo sich große Autoren die Klinke in die Hand geben

Gingst lockt Schriftsteller wie Lutz Seiler, Eugen Ruge, Ursula Krechel oder Dörte Hansen

Gingst/Vaschvitz. Das Telefon klingelt ständig am Vormittag im Buchladen in Gingst. „Ja, für Martenstein gibt es noch Karten, für Dörte Hansen leider nicht — die Lesung ist ausverkauft“, informiert Inhaberin Petra Dittrich eine Anruferin. Die Karten für Lesungen im Buchladen und der Kulturscheune Vaschvitz sind wieder begehrt. Das verwundert nicht: Das Jahresprogramm ist prominent besetzt: Harald Martenstein (6. Mai) oder Ralf Rothmann (13. Mai) kommen noch, Alina Bronsky („Baba Dunjas letzte Liebe“), Dörte Hansen („Altes Land“) und Robert Seethaler („Ein ganzes Leben“) haben sich gerade die Klinke in die Hand gegeben. Im Sommer stellt sich der mare-Verlag vor, UN-Korrespondent Marc Engelhardt liest aus „Unabhängigkeit — Separatisten verändern die Welt“.

Wie bekommt man so hochkarätige Autoren auf die Insel? Dittrich lächelt. „Ein gutes Händchen und Veranstaltungen an schönen Orten, die auch den Autoren Spaß machen.“ Seit acht Jahren veranstaltet sie Lesungen, einige der Autoren sind gute Bekannte geworden. „Die meisten Gäste sehen den Aufenthalt auf Rügen als Auszeit und übernachten bei uns, oft unternehmen wir noch etwas gemeinsam“, erzählt Dittrich. „Mit Frido Mann ist meine Freundin Beate durch die Stubnitz gewandert, Volker Altwasser hat eine Radtour gemacht. Ansonsten sitzen wir einfach familiär im Garten und genießen die Zeit.“

Das „Persönliche“, „Gemütliche“ schätzen auch die Kunden. Sie kommen nicht nur wegen spezieller Buchwünsche oder um sich Literaturempfehlungen geben zu lassen, sondern auch, um sich zum Schwätzchen zu treffen, Geschichten zu erzählen und die ein oder andere Tasse Tee zu trinken. „Meine Kundschaft kommt aus der ganzen Region“, sagt Petra Dittrich.

Dabei war der Start umstritten. „Du bist vollkommen verrückt“, sagten Freunde, als sich Petra Dittrich mit ihrem Buchhandel auf Rügen selbstständig machte. Sie selbst hatte weniger Zweifel. „Ich wusste, ich kann es besser machen als in den Buchhandlungsketten“, sagt die 43-Jährige. In den Jahren zuvor hatte die Rüganerin als Filialleiterin in Hamburg und Berlin bei so einer Kette gearbeitet.

„Da kann man auch Würstchen verkaufen“, stellt sie fest. „Es geht nur noch um Kommerz, nicht mehr um eine gute Beratung oder um die Entdeckung von unbekannteren Autoren.“

Vor acht Jahren eröffnete Petra Dittrich ihr Geschäft in Gingst, bereut hat sie es keinen Tag. Allen Unkenrufen zum Trotz läuft der Laden. Den Erfolg schreibt sie zu großen Teilen auch dem persönlichen Kontakt zu den Kunden zu. „Wenn ich ein neues Buch lese, habe ich sofort im Kopf, wem es gefallen könnte“, erzählt sie. Das Lesen sei wesentlicher Teil des Berufs, fünf bis sechs Stunden Lesezeit am Tag wären keine Seltenheit. „Ich muss ja wissen, was an Neuerscheinungen für die Leser interessant ist, dabei habe ich immer ein Auge auf kleinere Verlage und unbekannte Autoren.“

Der Spürsinn hat sich bezahlt gemacht. Die Gewinner des Deutschen Buchpreises, Lutz Seiler („Kruso“), Eugen Ruge („In Zeiten des abnehmenden Lichts“), und Ursula Krechel („Landgericht“) haben in Gingst gelesen, bevor der Erfolg sie einem Millionenpublikum bekannt machte. Auch die Lesung von Dörte Hansen Anfang April hat sich Dittrich regelrecht erkämpft. „Ich habe sehr früh angefragt und wollte diese Autorin unbedingt haben“, berichtet sie. Mit Erfolg.

Auch auf die Lesung von Robert Seethaler am vorigen Freitag hatte sie sich besonders gefreut. „Er beschreibt häufig Außenseiter — voller Poesie und in einer wundervollen Sprache“, schwärmt sie. „Es gibt Autoren, bei denen man die letzten Seiten des Buches ganz langsam liest, weil man einfach nicht möchte, dass die Geschichte zu Ende geht.“

Von Anne Ziebarth

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