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Kultur Wochenlang lachen auf Rügen
Nachrichten Kultur Wochenlang lachen auf Rügen
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00:00 15.09.2018
Seit Jahren beliebt auf Rügen: das Berliner Kabarett „Distel“, hier mit Stefan Martin Müller (l.), Caroline Lux und Timo Doleys Quelle: Foto: Chris Gonz
Putbus

. Rasante vier Wochen stehen dem Theater Putbus bevor: Die hochkarätige Kabarett-Regatta, in diesem Jahr bereits die 22., startet am Montag. Die vom Förderverein des Theaters organisierte Veranstaltungsreihe gehört zum Besten, was das Theater zu bieten hat. Auch in diesem Jahr hat der Ehrenvorsitzende des Vereins, Gerhard Reese, ein breit gefächertes Programm zusammengestellt – mit neun Kabarettisten. Zum Teil sind das gestandene, deutschlandweit bekannte Künstler. Aber auch vielversprechende Nachwuchstalente sind dabei. Mit von der Partie ist das seit Jahren auf der Insel gefeierte Ensemble „Die Distel“. Eröffnet wird die beliebte Veranstaltungsreihe traditionell vom Publikumsliebling des Vorjahres – von Joachim Zawischa also, der sein neues Programm „Gedankensprünge – oder Riss in der Schüssel“ präsentiert. Mit der OZ sprach der 53-jährige Satiriker über seinen Spätstart als Kabarettist, seinen Humor und was sein Programm mit gut abgehangener Wurst zu tun hat.

Er ist ein Humorist und Seelsorger: Joachim Zawischa. Die am Montag beginnende Kabarett-Regatta in Putbus startet mit ihm.

Wie wird man eigentlich Kabarettist?

Joachim Zawischa: Witzig, dass Sie mich das fragen, denn das ist genau das Thema meines neuen Programms. Es gibt zwei Figuren, einen politischen Kabarettisten und einen Regisseur, der immer wieder fragt: Wie willst Du das eigentlich hinkriegen, die aktuelle Politik ist doch an sich schon zur Realsatire verkommen und bringt heute bessere Pointen als jede Satire, also was machst Du? Das ist tatsächlich eine Frage, die man sich heute als Kabarettist immer wieder stellt.

Kann man lernen, witzig zu sein und Leute zum Lachen zu bringen?

Nein, nicht direkt. Ich zum Beispiel bin Theologe und Musiklehrer und habe auch eine Schauspielausbildung gemacht. Das Komische lag mehr in meiner Persönlichkeit, schon als junger Mensch, in der Schule und an der Uni habe ich immer Sketche aufgeführt oder Otto Waalkes nachgespielt, am Filmset den Pausenclown gegeben und im Fasching Klamauk gemacht. Dann hieß es oft: Mensch, warum probierst Du es nicht mal als Kabarettist? Ich dachte, das kann ich auch noch machen, wenn ich älter bin. 2010 hatte ich dann mit 45 Jahren tatsächlich meinen ersten Auftritt, aber ich mache bis heute auch noch etwas völlig anderes: Ich arbeite als Seelsorger und als Coach für Manager!

Ziemlich verrückt diese Kombination, aber bringt das nicht auch viele Anregungen für Ihre Programme als Satiriker?

Ja, auf jeden Fall, ich habe dadurch einen sehr engen Draht zu Alltagsproblemen und -situationen. Denn aktuelle Politik lässt sich heute sehr schwierig umsetzen als Kabarettist. Erstens:

Man müsste ständig umschreiben, stündlich sozusagen, zumindest täglich. Zweitens: Wer interessiert sich für den 100. Gag über Trump? Ich arbeite deshalb mit einer Art Zettelkasten, in dem ich komische Situationen sammle, da ist ganz Alltägliches darunter, dann spitzt man zu, übertreibt und letztlich greife ich dann immer wieder auf bewährte Dinge zurück, das ist wie eine gut abgehangene Wurst.

Darf man über alles Witze machen?

Ja, auf jeden Fall, es darf nur nicht menschenverachtend und ausgrenzend sein oder rassistisch. Meine Diplomarbeit hatte den Titel „Witz, Lachen und Humor in Theologie und Kirche“. Witz ist eine Sache des Verhältnisses von Nähe und Distanz: Wenn die Betroffenheit zu groß ist, kann man nicht lachen, ebenso wenig, wenn die Distanz zu groß ist. Ich habe als Sozialarbeiter mal mit Behinderten gearbeitet – unglaublich, wie diese Leute die heftigsten Witze über ihre Behinderung gerissen haben.

Kabarett und Comedy sind seit Jahren stark im Aufwind, vor allem im Fernsehen. Woher kommt das?

Die Leute mögen Ablenkung. Früher gab es ja sehr belehrendes politisches Kabarett, das ist heutzutage nicht mehr gefragt. Kabarett muss überzeichnen und komisch sein, es muss auch geblödelt werden und es darf auch Comedy sein. Ich glaube, das Zauberwort ist Unterhaltung, nicht Aufklärung. In der Musik gab es früher immer die Unterscheidung zwischen E- und U-Musik, was indirekt immer bedeutete: Klassik ist gute Musik, Unterhaltung ist billig. Aber das ist Quatsch! Es gibt in beiden Bereichen gute und schlechte Musik. In der Comedy gibt es brillante Leute, bei denen ich mich wegschmeißen kann vor Lachen.

Wie entstehen Ihre Programme?

Ich ziehe alle Kreativitätsregister, die Ohren sind immer nach innen und nach außen gespitzt. Ich sammle meine Beobachtungen monatelang und dann setze ich mich drei bis vier Wochen hin und schreibe mein neues Programm. Teilweise nutze ich auch meinen satirischen Monatsrückblick, den ich regelmäßig auf meiner Internetseite veröffentliche.

Die neun Regatta-Kabarettisten und ihre Programme

17. und 19. September Joachim Zawischa mit seinem neuen Programm „Gedankensprünge – oder Riss in der Schüssel“. Bissig, politisch und sehr hintersinnig!

20. und 21. September Anny Hartmann mit ihrem neuen Programm „No Lobby is perfekt!“ Wer sie live sieht, kann sich ein paar Semester Volkswirtschaftslehre ersparen.

23. und 24. September „Wenn Deutsche über Grenzen gehen“ heißt es beim Berliner Kabarett „Die Distel“. Komischer geht’s nicht.

25. September

Jan Jahn findet: „Ja!“, die Zeit ist reif für ein kabarettistisches Mutmach-Programm. „Ja!“ ist das etwas andere Kabarett mit verrückten Ideen, Witz, Leidenschaft und viel mitreißender Musik.

27. und 28. September Reiner Kröhnert geht mit „Krönert XXL – Großes Parodistenkino“ an den Regattastart. Geballte Satire-Power trifft da auf die Großen der Weltgeschichte.

1. und 2. Oktober

Roman Weltzien zieht in dem Bühnenprogramm „Rampenstilzchen“ seinem Publikum gnadenlos das Zwerchfell über die Ohren.

4. Oktober

Jacqueline Feldmann präsentiert ihr zweites Solo-Programm „Plötzlich Zukunft! Konnt' ja keiner wissen“ – eine lustige Liebeserklärung ans „normale“ Leben mit all seinen Tücken.

8. Oktober

Zielt auf den Kopf und trifft ins Zwerchfell: Philipp Schaller mit seinem ersten Soloprogramm „Mit vollen Hosen sitzt man weicher“.

9. Oktober

Axel Pätz beschließt den humoristischen Reigen mit „Das Niveau singt – Premium Gold“. Veranstaltungsbeginn: jeweils um 19.30 Uhr, (Distel am Sonntag, 23.09., um 18 Uhr) Tickets: www.theater-vorpommern.de und an allen Vorverkaufsstellen auf Rügen; Kartentelefon: 038301- 808330

Interview: Lena Roosen

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