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Wolfgang Niedecken macht noch ‘ne Weile weiter

Köln Wolfgang Niedecken macht noch ‘ne Weile weiter

Die Hände in den Taschen, schlendert Wolfgang Niedecken durch den Rheinauhafen, ein glitzerndes neues Viertel in Köln.

Köln. Die Hände in den Taschen, schlendert Wolfgang Niedecken durch den Rheinauhafen, ein glitzerndes neues Viertel in Köln. Die Hochglanzfassaden scheint der Ur-Kölner, der heute 65 wird, aber gar nicht zu bemerken. Er sieht etwas anderes: das raue Hafenviertel seiner Kindheit.

Das Größte für ihn war damals, seinen Vater, den Lebensmittelhändler Josef Niedecken, in die Speditionslager im Hafen zu begleiten. „Leider kam da immer nur die Dosenmilch an. Der Termin war vielleicht einmal im Monat. Aber wehe, wenn mein Vater mir nicht Bescheid gesagt hat! Ich war so was von stolz, wenn die Schranke hochging. Das war die große Welt.“

An den unwahrscheinlichsten Orten hat sich der BAP-Sänger an den Laden seines Vaters erinnert gefühlt. Zum Beispiel dort, wo der Nil aus dem Victoriasee fließt. Da spazierte er durch die Gegend und dachte plötzlich: Was riecht denn hier so? Andere hätten vielleicht eher gefragt: Was stinkt denn hier so? „Aber für mich war das ein ganz wohliger Geruch, bei dem ich mich wie zu Hause fühlte. Das Lebensmittelgeschäft, der Großmarkt — es sind Erinnerungen aus den 50er Jahren. „Verdamp lang her“, könnte man da mit einem der bekanntesten BAP-Titel sagen. Aber Nachgrübeln über das Alter liegt dem Kölsch-Rocker nicht. „Es sei denn, ich stehe morgens vorm Spiegel, putze mir die Zähne und denke: „Du sahst schon mal jünger aus.“ Schon seit einiger Zeit nimmt er die Jahre nicht mehr als selbstverständlich hin. Der zweite Teil seiner Memoiren trug den Titel „Zugabe“ — eine Anspielung auf den schweren Schlaganfall, den er 2011 erlitten hat. Damals musste er mühsam wieder Deutsch lernen — Kölsch dagegen sprach er, als wäre nichts gewesen. „Ja“, sagt er, „ich weiß schon, wo ich hingehör.“

Seit damals läuft bei ihm einiges anders. Er trinkt so gut wie keinen Alkohol mehr, treibt regelmäßig Sport. „Wenn ich mir so etwas vornehme, dann mache ich das auch“, sagt er. „Ich kann schon konsequent sein. Ich bin entschlossener geworden. Vielleicht aus der Erkenntnis heraus, dass ich ja so viel Zeit auch nicht mehr habe.“

Nach dem Geburtstag geht er mit BAP auf Tournee. „Die Tour wird lang werden. Ich denke mal, dass wir bis in den Dezember rein spielen werden.“ Er ist zufrieden damit, wie sich die Dinge seit seinem Solo-Album „Zosamme alt“ von 2013 entwickelt haben. „Kann sein, dass ich irgendwann mal ganze Tourneen im Sitzen veranstalte, aber noch ist es nicht so weit.“ Will heißen: Er macht weiter. Aber ganz locker. „Schön höösch“, wie man in Köln sagt: mit einer Seelenruhe.

OZ

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