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00:01 23.10.2017
Santiago de Chile

. Pablo Neruda war ein sprachgewaltiger Poet und ein strammer Kommunist. Den rechten Militärs in seinem Heimatland Chile war der Literaturnobelpreisträger deshalb ein Dorn im Auge. Kurz nach dem Putsch 1973 könnte die Junta von General Augusto Pinochet den Autor aus dem Weg geräumt haben. Das legt ein neuer Bericht einer internationalen Expertengruppe nahe.  

Demnach starb Neruda möglicherweise an einer Vergiftung und nicht an Krebs. Man habe einen Giftstoff gefunden, erklärte der spanische Forensiker Aurelio Luna. Weitere Laborstudien sollen nun klären, ob es sich um eine von Menschenhand herbeigeführte Vergiftung handele. „Wenn sich herausstellt, dass das Bakterium in einem Labor gezüchtet wurde, dann handelt es sich eindeutig um Fremdeinwirkung“, sagte Luna. „Dann wurden die Bakterien in krimineller Absicht dem Körper zugeführt.“ Die Ergebnisse der Untersuchung sollen in einem Jahr vorliegen.

Die Gruppe von 16 Experten schloss allerdings bereits aus, dass Neruda an den Folgen seines Krebsleidens gestorben sein könnte, wie der Richter Mario Carroza, der die Untersuchung beauftragt hatte, dem Sender Radio Cooperativa sagte. „Wir können noch nicht eindeutig sagen, dass Dritte in seinen Tod involviert waren, aber diese Möglichkeit besteht“, sagte der Richter. Forensiker Luna erklärte: „Es ist aber zu 100 Prozent klar, dass die Sterbeurkunde nicht die Realität widerspiegelt.“

Neruda starb am 23. September 1973 in einem Krankenhaus in Santiago de Chile, wenige Tage nach dem Staatsstreich gegen den mit ihm befreundeten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Die Sterbeurkunde gab damals Prostatakrebs als Todesursache an. Neruda wollte am Tag darauf ins Exil nach Mexiko gehen. Die Beisetzung von Neruda wurde zur ersten großen Protestaktion gegen Pinochets Militärherrschaft. Immer wieder skandierten seine Anhänger „Kamerad Pablo Neruda“ und die Menge antwortete „Anwesend“. Die Trauerfeier sei ein „symbolisches Begräbnis der Freiheit“ gewesen, schreibt die Autorin Isabel Allende in ihrem Roman „Das Geisterhaus“.

Um die Todesursache zu klären, war sein Leichnam 2013 exhumiert worden. Zunächst wurden keine Hinweise auf Fremdeinwirkung festgestellt und seine Überreste 2016 erneut im Garten seiner Residenz im Badeort Isla Negra beigesetzt.

Die neue Untersuchung hatte die Kommunistische Partei Chiles beantragt. „Alles deutet darauf hin, dass verhindert werden sollte, dass der Dichter das Land verlässt. Er galt als Gefahr für die Diktatur“, sagte der Vorsitzende der Kommunistischen Partei, Guillermo Teillier. Der Anwalt Eduardo Contreras sagte, er habe keine Zweifel, dass Neruda auf Befehl der Militärjunta von Pinochet getötet wurde. Die Hypothese wird auch von Nerudas Chauffeur und Assistenten Manuel Araya gestützt, der in seinen letzten Stunden bei dem Schriftsteller war. „Gegen 16 Uhr haben sie ihm eine Injektion in den Magen verpasst. Sie sagten mir, es sei ein Mittel gegen Schmerzen“, sagte Araya. Stunden später sei Neruda gestorben.

Neruda war 1945 bis 1948 als Senator der Kommunistischen Partei Mitglied des Parlaments. 1971 wurde der Autor des „Canto General“ (Der große Gesang) mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. „Seine Poesie erweckt mit der Wirkung einer elementaren Kraft das Schicksal und die Träume eines Kontinents zum Leben“, hieß es in der Begründung.

Denis Dã¼ttmann

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