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XXL-Kunst auf der Art Basel

Kunstmesse XXL-Kunst auf der Art Basel

Größer, bombastischer, wow: der Trend zu XXL-Kunstprojekten statt Flachware im Wohnzimmerformat ist ungebrochen. Die Art Basel gibt mehr als 70 Künstlern die große Bühne. Was treibt den Markt?

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„Speak Louder“ (2011) des amerikanischen Künstlers Nick Cave.

Quelle: Georgios Kefalas

Basel. Das Kunstwerk als Groß-Installation und Rundumerlebnis statt „Flachware im Wohnzimmerformat“, die an die Wand gehängt werden kann: das eine mit Wow-Effekt, das andere verkäuflicher. Verändert der Trend zu Großformatigem das Kunsterlebnis?

Die wohl wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst der Welt, die Art Basel, hat den Trend zu großformatigen Werken früh entdeckt, wenn nicht beflügelt: seit fast 20 Jahren bietet sie im Rahmen ihrer jährlichen Schau (15.-18. Juni) im Segment „Unlimited“ Künstlern Raum für Großformatiges. In diesem Jahr sind mehr als 70 Künstler dabei.

Der Italiener Francesco Arena zeigt auf einem zwischen Wänden gespannten meterlangen Metallbalken Erde aus einem Flüchtlingslager auf Lampedusa, genau auf der Höhe von 1,57 Metern, seiner Augenhöhe. Er kreiert so einen Horizont zwischen Himmel und Erde, Verheißung und Bedrohung. Die Britin Phyllida Barlow zeigt riesige Fahnen, Symbole der Macht und des Patriotismus, aber ohne jegliche Aufschrift und so dicht aufgestellt, dass Besucher sich nur hindurchzwängen können.

Der Esslinger Bildhauer Tobias Rehberger ist mit einer funktionierenden Küche vertreten, der ersten Einbauküche „Frankfurter Küche“ von 1926 nachempfunden, aber ganz aus Porzellan und mit einer Lampe aus Ikea-Schüsseln. „Ich bin immer daran interessiert, die Lebenswirklichkeit zu bringen“, sagt Rehberger der Deutschen Presse-Agentur. Da sei vieles zwangsläufig größer.

Den Trend an sich betrachtet er skeptisch. „Früher war eine große Skulptur lebensgroß, heute ist das eher eine Kleinplastik“, sagt er. „Klar, ein Smart ist weniger überwältigend als ein 40-Tonner.“ Aber manche Werke erinnern ihn an künstlich aufgepumpte Muskeln eines Bodybuilders. „Das geht leicht ins Unangenehme, wenn man einer Arbeit nicht zutraut, von allein zu wirken“, sagt er.

Karen van den Berg ist Professorin für Kunsttheorie an der Zeppelin Universität. Sie sieht in dem Drang zu Großformatigem eine „Demokratisierung der Kunst“. „Es geht nicht mehr um die intime Betrachtung vor Gemälden im Wohnzimmerformat, sondern das Publikum kann sich treffen, gemeinsam Kunst erleben“, sagt sie. Museen hätten eine neue Funktion: „Es geht nicht mehr darum, Tradition zu bewahren mit tradierter identitätsbildender Kultur, sondern Gegenwart zu signalisieren“, so die Professorin. Sie seien heute viel mehr Orte für kollektive Betrachtung, für Erlebnisse, die verbinden.

Weltweit ist ein Museumsboom im Gange. „Zwischen 2000 und 2014 wurden mehr Museen errichtet als im gesamten 19. und 20. Jahrhundert“, berichtet Artprice, ein Online-Dienst für Kunstmarktinformationen. Jedes Jahr kämen 700 neue hinzu. Berühmte Museen werden erweitert, das San Francisco Museum of Modern Art (MoMA) und die Tate Modern in London etwa. Das MoMA in New York wird auch vergrößert.

Dazu kommen Privatinitiativen: Scheicha Hoor Al Kassimi aus dem arabischen Emirat Schardscha schafft mit immensem Budget eine einzigartige Sammlung zeitgenössischer Kunst. In Kiew hat der ukrainische Geschäftsmann Wiktor Pintschuk das PinchukArtCentre für moderne Kunst gegründet. Superreiche, die sich nach Kauf von Jacht und Insel als Schöngeist in Szene setzen, um nicht nur als schnöde Reiche daherzukommen - ist das der Markt für Großkunst?

„Auf 20, 30 oder 50 Interessenten für ein Gemälde kommt vielleicht ein Interessent für eine Großinstallation“, räumt der Schweizer Urs Meile ein, der in Luzern und Peking Galerien betreibt. Er vertritt unter anderem Ai Weiwei. Es rechne sich aber trotzdem. Bei Unlimited dabei zu sein, sei wie ein PR-Auftritt. „Das Publikum wird auf den Künstler aufmerksam und schaut: was macht er sonst noch?“ Unlimited-Kurator Gianni Jetzer: „Diese Plattform beeinflusst die Kultur, hier kommen mehr Menschen hin als ins Museum.“

Das Bild vom bitterarmen Künstler, der störrisch seine Kreativität auslebt, ist passé. „Der Gedanke, dass etwas schwer zu verkaufen sein kann, der kommt schon“, sagt Rehberger. „Welche hat man länger auf Lager? Schon eher die großen.“ Er konstatiert nüchtern: „70 bis 80 Prozent des Marktes ist Flachware.“

Seine Porzellanküche steht in Basel zum Verkauf, für unter 200 000 Euro, sagt er. Rehberger könnte sich einen Privatsammler vorstellen, der sein Kunstwerk in eine echte Küche integriert. „Ich bin für eine Kunst, die etwas anderes tut, als in einem Museum auf ihrem Arsch zu sitzen“, zitiert er den US-Popart-Künstler Claes Oldenburg.

dpa

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