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20:36 05.05.2016
Udo Lindenberg beim ersten von drei Konzerten auf „Mein Schiff“ Quelle: Uwe Bahn
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Gibraltar

Der Wind bläst stark aus Ost steht im Bordprogramm des Rockliners. Klingt nicht so bedrohlich wie „Windstärke 9“, die meine Wetterapp anzeigt. Weiße Gischt auf den Wellen ist hier unten normal. An der Meeresenge von Gibraltar sind sich Mittelmeer und Atlantik selten einig. Genau wie Spanien und Großbritannien. Die britische Kronkolonie ist ja eigentlich der südlichste Zipfel des iberischen Imperiums. Es gab eine Menge Zoff um den Felsen „The Rock“, wie Gibraltar gerne abgekürzt wird.

Heute schlurfen die etwas anderen Passagiere durch die Mainstreet und über den Casermates Square. Auf ihren Kapuzenpullies steht „Keine Panik“ oder „Ich mach’ mein Ding“. In den Schaufenstern hängen Farbkopien, auf denen steht, dass Gäste von Mein Schiff 3 „special prices“ bekommen. Aha.

Oben auf dem 426 Meter hohen Gribaltar-Felsen leben Berber-Affen, die früher Sonnenbrillen und heute Smartphones klauen. Man sollte kein Vertrauensverhältnis zu den Affen aufbauen. So als Tipp. Selbst wenn die Affen das Smartphone zurückgeben, haben sie nicht selten dreimal den falschen Pincode eingegeben.

„You wanna go to the Rock?“, fragt mich ein Taxifahrer. „No, I wanna go to the Rock-Liner!“ Genug Gibraltar.

Heute Abend sehe ich das erste Konzert von Udo Lindenberg. Dreimal spielt er insgesamt auf der Bord-Bühne des Theaters. So kann ihn jeder der 2500 Fans zumindest einmal im Konzert sehen. Tosende Wellen auf der LED Wand eröffnen die Show, ein Schiff wird durchgeschüttelt, stampft und rollt. Wäre es der reale Rockliner – keiner hätte gefahrlos den Mund zum Mitsingen öffnen können.

Dann die ersten Takte von „Odyssee“, das Publikum steht schon vor dem Refrain. Sechs neue Songs vom neuen Album „Stärker als die Zeit“ sind im Set. Die aktuelle Single „Durch die schweren Zeiten“ entpuppt sich auch live als eines seiner Meisterwerke und wird mitgesungen wie ein Klassiker. Viele haben das neue Album schon, andere kaufen es sich nach der Show in der Shopping Mall auf dem Schiff.

Drei Stunden mit neun Zugaben (!) – das Pensum eines bald 70jährigen ist erstaunlich. Vor zwanzig Jahren hatte er nach manchem Song Atemnot, 2016 ist er in der Form seines Lebens. „Jetzt abzukratzen, ist kein Gag mehr“, hat er mir erzählt. „Und wenn, dann bitteschön auf der Bühne. Oder auf einem Schiff in der Südsee.“

Bisher hat Udo Lindenberg dem Sensenmann äußerst erfolgreich den Mittelfinger gezeigt. Der hat sich seit der letzten Begegnung auch ziemlich lautlos verzogen. Wir sind auf dem Weg nach Ibiza. Vielleicht gehe ich mit Udo an Land. Wenn er den Hut frei hat.

Von Uwe Bahn

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