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Kultur „Zauberflöte“ an HMT: Mischung aus Fantasy-Film und Thriller
Nachrichten Kultur „Zauberflöte“ an HMT: Mischung aus Fantasy-Film und Thriller
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00:01 17.10.2016
Maciej Kozlowski als Papageno mit Gefolge der Königin der Nacht (Julia Schuhmacher, Juliane Bookhagen und Clara Kunzke). Quelle: Fotos: Dietmar Lilienthal

. Große Oper in der Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT) mit Mozarts „Zauberflöte“, dieser herausfordernden und berückenden Mischung von Zaubermärchen, Volksschwank und großer Oper. Am Sonnabend war Premiere, und es wird sieben weitere Aufführungen geben.

Ensemble und Solisten überzeugen am Samstag bei Premiere der Mozart-Oper in Rostock

Das ist ein imponierender Kraftakt: Die 18 anspruchsvollen Gesangsrollen alternierend besetzt mit 34 Studierenden aus der Gesangsabteilung, dazu ein 30-köpfiger Chor und ein Orchester – teilweise auch alternierend – mit 60 Instrumentalisten sowie ein vierköpfiges Ausstatter-Kollektiv. Insgesamt sind das fast ein Viertel aller Studierenden der Hochschule. Dies lässt die Absicht erkennen, möglichst vielen Studierenden ein Trainingsfeld für den künftigen Beruf zu bieten. Und zumindest darin war die Produktion erfolgreich und überzeugend. Besonders ihre Geschlossenheit im Musikalischen.

Das war, trotz kleiner Ecken und Kanten, durchweg erfreulich. Sowohl das Orchester unter Christfried Göckeritz, griffig und prägnant, als auch die sängerischen Leistungen in ihrer Gesamtheit und die nicht schlecht sitzenden Ensemblesätze. Besonders erfreulich der Tenor Geunjing Song als Tamino, der Bariton Maciej Kozlowski als Papageno, von etwas derbem Humor, und auch der Bass Sunghan Lee als Sarastro, nicht ganz mit der nötigen seriös-würdevollen Statur. Ganz besonders erfreulich die Sopranistinnen Katarzyna Rabczuk und Jisun Oh, jene als Königin der Nacht im Glanz ihrer virtuosen Koloraturen, diese als Pamina in bewegender Innigkeit.

Nicht gleichermaßen die szenische Umsetzung. Sie lebt vorwiegend in einem kargen Bühnenraum, in dem nur zwei halbkreisförmige, verschieden angestrahlte bewegliche Elemente die wechselnden Spielorte markieren (einmal führen sie fast ein Ballett auf), von der erstaunlichen darstellerischen Präsenz und der freudigen Bewegungsintensität der jungen Leute. Damit hat Regisseur Franz-Joseph Dieken (58) sicherlich seine produktivste Leistung vollbracht. Nicht von gleicher Stringenz dagegen ist sein Konzept, der geistige Rahmen, in den er die „Zauberflöte“ rückt. Natürlich aktualisiert er das Geschehen radikal, wie es heute üblich ist, natürlich hinterfragt er, wie es ebenfalls meist üblich ist, die hochherzige Utopie, als deren Vertreter einst Sarastro galt. So macht er aus der Oper ein Amalgam aus Fantasy-Film und Thriller, in dem der Kampf zwischen der Königin der Nacht und Sarastro als die Auseinandersetzung zweier (mafiöser) Gangs erscheinen soll, die sich beide eine reputierliche, auf Humanität gerichtete Außenseite geben, deren Rückseite aber von gewalttätigem Macht- und Verfügungsstreben bestimmt ist. Nur wird deren Objekt nicht recht sichtbar – oder sollen es die vielen Handys sein, mit denen hantiert wird? Jedenfalls bleibt der gesellschaftskritische Ansatz diffus, und die auf- und abwogende Handlung mit ihren Überraschungen und Verwechslungen wird nicht wirklich sinnfällig strukturiert, so dass als deftiger Knalleffekt nur das Attentat als Happy End herhalten muss.

Weltweit beliebt

1781 wurde Mozarts „Zauberflöte“ in Wien uraufgeführt, nur gut zwei Monate vor seinem Tod. Sein Librettist Emanuel Schikaneder, ein Schauspieler, Sänger und Theaterimpresario, der auch die Uraufführung finanzierte, hat in seinem Textbuch die unterschiedlichsten Elemente gemischt – Wiener Volksposse, Zaubermärchen, aufklärerisches Gedankengut, altägyptische Mythologie und Freimaurermystik –, aus denen Mozart einen damals neuartigen Typ von Oper formte, der als die Bilanz seines Opernschaffens gilt. Seitdem ist diese Oper zu einer der weltweit am häufigsten aufgeführten geworden.

Heinz-Jürgen Staszak

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