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10:55 01.04.2016
Die Musiker Christopher Annen, Henning May, Severin Kantereit und Malte Huck (v.l.) — hier bei einem Konzert in Berlin. Quelle: Henrik Josef Boerger/dpa

Es ist schon ein Phänomen: Die Jungs von AnnenMayKantereit sehen nicht besser aus als die anderer Bands, spielen ihre Instrumente nicht virtuoser und ihre Texte erinnern an feinste Teenie-Lyrik, wie sie in Schulbänke geritzt wird. Dennoch ist AMK, wie das Quartett von seinen Fans kurz genannt wird, derzeit eine der angesagtesten deutschsprachigen Bands. Am Sonnabend spielt sie im Rostocker Club Moya — natürlich vor ausverkauften Rängen.

Konzert:

Samstag, 2. April, 19.30 Uhr, Moya Kulturbühne Rostock, An der Jägerbäk 1, 18069 Rostock. Im Gepäck

haben die Kölner ihre aktuelle CD „Alles nix Konkretes“.

Was die voraussichtlich meist weiblichen Besucher zwischen 14 und 24 zum Träumen bringt, ist für so manchen Feuilletonisten zum Abschalten: Alleine in drei Liedern auf ihrer gerade erschienenen CD „Alles nix Konkretes“ reimen AMK „pennen“ auf „nennen“. Und auch sonst sind die Texte oft ernüchternd profan, etwa im Titel „Es geht mir gut“:

„Es geht mir gut

Es geht mir eigentlich immer gut.

Es geht mir gut.

Wie geht‘s dir denn so?“

Die Fans könnten den Kritikern natürlich entgegenhalten: Was soll‘s? Authentizität lässt sich nun mal nicht messen, und wenn junge Menschen am Eintritt ins Erwachsenenleben sich von Texten über die erste eigene Wohnung, eine schmerzhafte Trennung oder übermäßigen Alkoholkonsum angesprochen fühlen — was ließe sich dagegen einwenden?

Und schließlich ist da ja auch noch Sänger Henning May: Mit seiner gebellt-vernuschelten Reibeisenstimme fasziniert er die jungen Fans und animiert sie bei Konzerten zum schwärmerischen Mitsingen.

Dass er dabei an den legendären Rio Reiser (1950-96) erinnert, mag Zufall sein oder gewollt. Spielt aber keine Rolle, denn die meisten jungen Fans dürften den charismatischen Rock-Rebellen der siebziger Jahre gar nicht mehr kennen.

Ein Vergleich von Reisers Band Ton Steine Scherben mit AnnenMayKantereit würde ohnehin hinken: Während die Scherben explizit politisch motiviert waren, begnügt sich AMK damit, den Zeitgeist der Hipster-Generation aufzugreifen: Bloß keine Meinung zu politischen oder gesellschaftlichen Themen, man könnte ja uncool rüberkommen. Nicht umsonst heißt ihre CD „Alles nix Konkretes“. Kurz gesagt:

Die Scherben machten Musik für kampfbereite Hausbesetzer, AMK eher für angehende Hausbesitzer.

Seit ihrer gemeinsamen Schulzeit in Köln musizieren die Jungs zusammen. Neben Sänger May gehörten 2011 zur Urbesetzung der Band Gitarrist Christopher Annen und Schlagzeuger Severin Kantereit. So erklärt sich auch der Bandname: eine Aneinanderreihung der drei Nachnamen. Als 2014 noch Bassist Malte Huck dazukam, blieb das Quartett bei dem Namen. „AnnenMayKantereitHuck“ wäre wohl tatsächlich nicht mehr eingängig gewesen.

Wobei sie so wieder Parallelen zu einer anderen Kultband vergangener Zeiten heraufbeschworen hätten: Crosby, Stills and Nash, die zeitweise Neil Young in den Bandnamen integriert hatten. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

AMK startete als Straßenmusik-Trio in Köln. In Eigenregie nahmen die Musiker ein erstes Album auf, das ihnen geradezu aus der Hand gerissen wurde. Zu ihrer Popularität trug auch der eigene Youtube-Kanal bei, der inzwischen fast 170000 Abonnenten hat. Der Titel „Barfuß am Klavier“ wurde mehr als elf Millionen Mal geklickt.

So wurden auch die Größen der deutschen Musikbranche auf die Kölner aufmerksam und sie erhielten die Chance, als Vorgruppe der Beatsteaks und von Sänger Clueso sowie bei mehreren Festivals aufzutreten. Es folgte ein Vertrag mit dem großen Plattenlabel Universal. Am 18. März erschien ihr von Moses Schneider produziertes Album „Alles nix Konkretes“. Die aktuelle Tour durch den deutschsprachigen Raum ist bis Mitte Mai ausverkauft — auch das Konzert am Sonnabend in Rostock.

Von Axel Büssem

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