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Kultur Zeitgeschichte in schwarz-weiß
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00:29 14.04.2018
Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Jahre 1955 - 1965 vom bekannten Rügener Hobbyfotografen Wolf Grünke werden in der Orangerie Putbus gezeigt. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
Putbus

Einen Blick in die Vergangenheit – teilweise sogar in die eigene – warfen die Gäste, die zur Ausstellungseröffnung zwischen den Schwarz-Weiß-Fotografien von Wolf Grünke wandelten. Silke Tolk-Ninnemann kam ganz gezielt, um Ausschau zuhalten, ob auch sie auf den Fotos zu finden ist. Wie die meisten Besucher, kannte sie den 1997 verstorbenen Fotografen noch persönlich. „Er war ein bekannter Binzer und als Fotograf auf der gesamten Insel berühmt. In dem Likedeeler-Ensemble, in dem ich Mitglied war, hat er oft fotografiert“, erinnert sich Tolk-Ninnemann. In dieser Fotoauswahl, die die Menschen, die Arbeit und den Alltag auf der Insel der Jahre 1955 bis 1965 wiedergibt, konnte sie sich jedoch noch nicht entdecken. 18000 Negative hat Lutz Grünke – Sohn des Fotografen – gemeinsam mit dem Kurator Knut Hartwich durchgesehen, um mit den Werken die Räume der Orangerie zu schmücken. „Ich habe die Arbeit der Auswahl unterschätzt“, gestand Grünke. Räumlich unterteilt wurden die Bilder in ein Historisches BestOf – das bereits vielfach ausgestellte und auch ausgezeichnete Bilder enthält – sowie nach persönlichen Lieblingsfotos und thematischen Blöcken, die Arbeit und Alltag der Zeit zeigen. „Die Auswahl aus der Menge scheint zu klein“, meinte der Sohn. „Mein Vater fand es spannend Beobachter zu sein, den Fotoapparat als Werkzeug, Markenzeichen und auch Schutz zu benutzen. Wurde er doch durch seine körperliche Beeinträchtigung selbst oft offen oder heimlich beobachtet.“

Ein Abzug als Jugenderinnerung

Gundula Tetzlaff fühlte sich beim Betrachten der Bilder 60 Jahre zurückversetzt. Ob nun Schnappschuss oder gestelltes Bild – das Foto der älteren Dame beim Schwätzchen am Fenster weckt Erinnerungen. „Es erinnert mich an meine Oma, wenn ich das Kleid betrachte. Ich finde diese Fotos in schwarz-weiß auch heute noch beeindruckend, da die Gesichter viel besser zur Geltung kommen“, meinte die Seniorin aus Samtens. „Das ist das Alltagsleben meiner Jugend“, bestätigte Ehemann Horst Tetzlaff nach dem ersten Rundgang. Er selbst hat Wolf Grünke noch als Lehrer kennengelernt. „Er war ein strenger Chemielehrer. Zwischen 1955 und 59 war er mein Dozent am Institut für Lehrerbildung. Aber auch mit der Kamera in der Hand war er bekannt“, erinnert sich Tetzlaff. Sich selbst konnte er als Motiv zwar nicht entdecken, dafür aber einen Jugendfreund. „Klaus war ebenfalls bei Wolf Grünke in der Ausbildung und ging danach als Lehrer nach Usedom. Wir haben keinen Kontakt mehr. Ihn hier auf einem Foto wiederzufinden war überraschend“, so Tetzlaff.

Vor jedem Auslösen steht ein Gedanke

Die Unterschiede der Fotografie heute und damals, erklärte Frank Otto Sperlich in seiner Eröffnungsrede. „Damals gab es vor jedem Auslösen einen Gedanken, denn im Gegensatz zu heute, kostete jedes Bild. Mal ein Schnappschuss, oft gestellte Bilder – Hobbyfotografen geben uns den Alltag wieder. Er hat vieles gemacht, was andere nicht gemacht haben“, meinte Sperlich als Mitglied der Kulturstiftung über seinen Künstlerkollegen. In Zeiten, in denen jede Mahlzeit fotografiert und für die Öffentlichkeit sichtbar ins Netz gestellt wird und auch jeder Laie seine Bilder bereits mit dem Smartphone-Filter aufgehübscht präsentieren kann, sieht Kurator Knut Hartwich den Wert dieser Ausstellung umso höher. „Abseits dieser Highglossies, manipulierte Bilder die das Auge fluten, kann man hier wieder handwerkliche Arbeit genießen. Verschiedene Grautöne zeigen, dass es die Farbe nicht braucht. Das ist der Zauber dieser Arbeit. Das sind mehr als subjektive Schnappschüsse. Es sind nach all den Jahren immer noch aufregende Bilder“, sagte Knut Hartwich über die Arbeit dieser Inselberühmtheit.„Es ist ein Stück Zeitgeschichte eingefangen, dass man sich nicht entgehen lassen kann. Es wäre schade drum“, betonte Kerstin Kassner als Vertreterin der Kulturstiftung Rügen. Noch bis zum 20. Mai können die Besucher hier in Erinnerungen schwelgen.

Büssow-Krämer Wenke

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