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Zertrümmerte den kitschigen Sissi-Mythos: Historikerin Brigitte Hamann ist tot

Wien Zertrümmerte den kitschigen Sissi-Mythos: Historikerin Brigitte Hamann ist tot

Ihre Gabe war das Erzählen. Wie wenige Historiker hat es Brigitte Hamann stets verstanden, eine Zeit und ihre Figuren lebendig werden zu lassen.

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Quelle: K. Franke/dpa

Wien. Ihre Gabe war das Erzählen. Wie wenige Historiker hat es Brigitte Hamann stets verstanden, eine Zeit und ihre Figuren lebendig werden zu lassen. Sie vereine „wissenschaftliche Rigorosität mit publikumsfreundlicher Lesbarkeit“, hieß es 2012 in der Laudatio zur Vergabe des Ehrenpreises des österreichischen Buchhandels. Mit dieser Kombination durchleuchtete Hamann das tragische Leben und Sterben von Österreichs Kronprinz Rudolf, machte Schluss mit dem durch Filme geprägten süßlichen Image von Kaiserin Sissi („Elisabeth, Kaiserin wider Willen“) und analysierte die elenden Jahre von Adolf Hitler in Wien.

Hamann, die wegen nachlassender geistiger Frische zuletzt sehr zurückgezogen gelebt hat, ist am Dienstag im Alter von 76 Jahren gestorben. Die in Essen geborene Wissenschaftlerin wollte zuerst Lehrerin werden, machte dann aber als Volontärin der Deutschen Presse-Agentur und als Redakteurin der „Neuen Rhein Ruhr Zeitung“ einen kurzen Ausflug in den Journalismus. 1965 zog sie zum Historiker Günther Hamann nach Wien. Sie bekam neben der deutschen auch die österreichische Staatsbürgerschaft. Sie zog drei Kinder auf, war Hausfrau und Assistentin ihres Mannes. Doch das konnte nicht alles gewesen sein, befand Hamann. Ihre Tastversuche Richtung Wissenschaft seien ihrem Mann, einem Professor alten Schlags, aufgrund ihres Vorlebens als Journalistin peinlich gewesen, erzählte Hamann einmal.

Sie ließ sich nicht beirren und verfasste in den 1970er Jahren eine 1000-seitige Doktorarbeit über den österreichischen Thronfolger Rudolf. Ein großer Stoff nach ihrem Geschmack: über einen liberalen Hoffnungsträger im politisch verkrusteten Habsburger-Reich, der sich krank und enttäuscht 1889 zusammen mit seiner Geliebten erschossen hat. Um die Hälfte gekürzt wurde das Buch ein großer Erfolg – und ebnete Hamann die Laufbahn als freie Historikerin.

Als sie in einem Archiv in Bern das 600-seitige bisher unbekannte Tagebuch der österreichischen Kaiserin Elisabeth (1837-1898) fand, wurde klar: Wieder ein großer Stoff. Sissi sei eine „sehr depressive, sehr müde, ironische und sarkastische Frau“ gewesen, so Hamann. Sie zertrümmerte den Mythos aus den „Sissi“-Filmen – und feierte erneut einen Bucherfolg. Fortan war sie gefragt als „Habsburger-Expertin“. Ein großer Wurf gelang ihr auch mit der Schilderung des Lebens von Adolf Hitler in der Vielvölkermetropole der Donaumonarchie. Eines der letzten großen Projekte war ihre Beschäftigung mit dem Wagner-Clan. In „Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth“ (2002) beschrieb sie die engen Kontakte der Wagners zu Hitler.

OZ

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