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Kultur Zinnowitzer „Kulti“ wird entmüllt
Nachrichten Kultur Zinnowitzer „Kulti“ wird entmüllt
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01:34 17.05.2018
Martin Schulz entsorgt ein altes Bühnenteil im Theatersaal. FOTOS (4): HENRIK NITZSCHE

Die Männer um Frank Müller sind in diesen Tagen nicht zu beneiden. Müll, wohin das Auge auch blickt: Die Bauarbeiter haben mit der nichtstatischen Vorentkernung des Kulturhauses in Zinnowitz begonnen. Und damit quasi den Startschuss gegeben für die Sanierung einer der letzten Ruinen im Ostseebad.

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Start der Sanierung im August geplant / 86 Luxuswohnungen entstehen / Bauzeit knapp zwei Jahre

Das Kulturhaus soll zu einer luxuriösen Wohnanlage umgebaut werden. Das unter Denkmalschutz gestellte Gebäude wird vollständig in seiner Fassade originalgetreu wiederhergestellt. Das bestehende Haus wird links und rechts von zwei neu gebauten modernen Seitenflügeln flankiert.

Bevor die geplanten 86 Eigentumswohnungen (70 Prozent dürfen für ständig wechselnde Gäste zur Vermietung angeboten werden) verkauft werden können, muss das unter Denkmalschutz stehende Gebäude entmüllt werden.

„Für den Müll unter der Bühne und im Orchestergraben brauchten wir schon sechs Container – ein Wahnsinn“, sagt Frank Müller von der Firma Fleischer Kernbohrtechnik aus Wusterhusen. Neun Mitarbeiter sind seit einigen Tagen dabei, nichttragende Wände aus dem alten Theatersaal und dem früheren Speisesaal zu entfernen. Zu dem Schutt war die Ruine laut Müller auch mit Holz, Beton und Stahlrohren zugemüllt. „Von der alten Bühnentechnik ist auch einiges liegengeblieben.“ Alles, was zu DDR-Zeiten unter Künstlern Rang und Namen hatte, ist hier im Kulturhaus aufgetreten.

Das ist Geschichte. Die Wusterhusener werden in den nächsten Wochen die Brüstung vom Orchestergraben und den Balkon des Saals entfernen. „Bis Juli werden wir zu tun haben“, meint Müller. Danach soll es mit den Bauarbeiten nahtlos weitergehen, wie Architekt Uwe Seidel aus Pirna in Sachsen versichert. Gegenwärtig werde an der Ausführungsplanung für den Hochbau gearbeitet. „Die Ausschreibung für den Generalunternehmer läuft ebenfalls“, sagt Seidel, der mit einer Bauzeit von insgesamt 22 Monaten rechnet. „Im Sommer 2020 planen wir die Fertigstellung“, so der Architekt.

Zu den 86 Appartements kommen noch ein Wellnessbereich/ Fitnessbereich mit einem Schwimmbad. Laut Andreas Budeck von Ostsee Immobilien sind aktuell 16 Wohnungen verkauft, 17 bereits reserviert. Die Wohnungen sind zwischen 56 und 196 Quadratmeter groß und kosten zwischen 230 000 und 690 000 Euro. 80 Wohneinheiten sind mit einem Balkon, einer Terrasse oder mit einer Dachterrasse verbunden.

Bauherr ist eine polnische Investgesellschaft, die rund 22 Millionen Euro investiert.

Platz für 1700 Menschen

Das Kulturhaus wurde in Zinnowitz von 1953 bis 1957 gebaut. Im Theater- und Kinosaal, dem Speisesaal sowie den Klubräumen war Platz für insgesamt rund 1700 Menschen. Zunächst trug es den Namen „Kulturhaus Deutsch-Sowjetische-Freundschaft“.

In den 1980er Jahren wurde das Kulturhaus umfassend saniert. Bis dahin fanden regelmäßig große Kulturveranstaltungen statt.

Nach der Wende stand der Kulturtempel leer.

Henrik Nitzsche

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