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Zukunftsvision mit vielen Schichten

Rostock Zukunftsvision mit vielen Schichten

Kathrin Röggla war vorgestern Abend die fünfte der sechs Teilnehmer der LiteraTour Nord 2016/17. Mitgebracht hatte sie ihr aktuelles Werk „Nachtsendung. Unheimliche Geschichten“.

Rostock. Kathrin Röggla war vorgestern Abend die fünfte der sechs Teilnehmer der LiteraTour Nord 2016/17. Mitgebracht hatte sie ihr aktuelles Werk „Nachtsendung.

Unheimliche Geschichten“. Daraus las die österreichische Schriftstellerin am Dienstagabend im Literaturhaus Rostock.

Unheimliche Geschichten? Dieser Eindruck ergab sich tatsächlich aus den Leseproben, die die Schriftstellerin dem Rostocker Publikum anbot, trotzdem lauerte darin überall die Komik. Denn in der Darstellung skurriler Situationen, einer „Wirklichkeitskonferenz“ etwa, hat die Autorin vor allem die Kommunikation der Handelnden aufs Korn genommen und auf die Spitze getrieben. Denn interessanter als die Handlung war vielmehr, auf welche Weise die Protagonisten miteinander kommunizieren. Und die Komik steckt dabei in der Überzeichnung.

Jene Episode, in der die Arbeit einer Dolmetscherin in einem holländischen Kriegsverbrechertribunal geschildert wird, war eher beängstigend. Wiederum komisch die Geschichten, die sich im deutschen Wald abspielen, der – jedenfalls in der Darstellung von Kathrin Röggla – von allerlei kuriosen Figuren bevölkert wird.

Mit den Geschichten ergibt sich dem Leser eine Zukunftsvision, die vielen Episoden legen sich langsam übereinander, ein vollständiges Bild ergibt sich trotzdem nicht. Interessant blieben aber die gewählten Perspektiven: „Alles Innenschauen“ meinte der Rostocker Literaturwissenschaftler Dr. Lutz Hagestedt, der die Lesung moderierte, Kathrin Röggla hätte mit ihren Beschreibungen der Kommunikation auch ein „Wörterbuch der Phraseologie“ geschaffen.

Dann ergab sich die Frage, warum Kathrin Röggla solche unheimlichen Geschichten schreibt. Eine mögliche Antwort darauf: In Österreich gibt es eine große Tradition des Unheimlichen, von Thomas Bernhard bis Elfriede Jelinek. Schon der Umgang mit Utopien in der Welt von heute trage dazu bei: „Utopien sind beängstigend“, so Röggla. Thorsten Czarkowski Nächster Termin der Literatour Nord: Sabine Gruber, 24. Januar um 20 Uhr in der anderen Buchhandlung Rostock

OZ

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