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Kultur Zuschauer sollen ganz Ohr sein
Nachrichten Kultur Zuschauer sollen ganz Ohr sein
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00:03 15.05.2018
„Am Königsweg“ von Elfriede Jelinek in der Regie von Falk Richter vom Schauspielhaus Hamburg. Quelle: Foto: Arno Declair
Berlin

Halbzeit beim Berliner Theatertreffen. Mit „Am Königsweg“, dem Gastspiel des Deutschen Schauspielhauses Hamburg, war am Wochenende die fünfte von zehn eingeladenen Aufführungen zu sehen. Die opulente Bühnenfassung eines aktuellen Text-Konglomerates von Elfriede Jelinek durch den Regisseur Falks Richter zieht stilistisch und technisch alle Register.

Sprachmaterial und Sounddesign gehen unlösbare Verbindungen ein. Wenn die Schauspieler etwa im Chor deklamieren „Kein Haus mehr/kein Schutz mehr/keine Wahrheit/Kein Besitz“, entsteht ein mantraartiger Rhythmus, den ein Elektrobeat aufgreift. Andre Sätze werden durch einen Equalizer geschickt und bis zur Unverständlichkeit verzerrt.

Ganz Ohr sein sollten die Besucher auch bei dem Gastspiel „Beute Frauen Krieg“ vom Schauspielhaus Zürich. Regisseurin Karin Henkel verzichtete bei der feministischen Aufbereitung zweier Euripides-Dramen auf eine herkömmliche Guckkasten-Bühne. Das Publikum sitzt in einer langgestreckten, dunklen Halle in einem Oval, das bald von zwei Raumteilern gedrittelt wird. In der Mitte agieren antike Leidensfiguren Kassandra, Helena und Iphigenie. Sie träufeln jedem Besucher ihre Wehklagen direkt ins Ohr, denn vorab wurden an alle Zuschauer Kopfhörer mit dicken Polstern ausgegeben. „Meine Kinder. Alle niedergemetzelt. Alle fraß der Krieg“, heißt es etwa. Und damit es noch eindringlicher wird, wiederholen die Schauspielerinnen ihre lamentierenden Sätze. Die Zürcher Aufführung setzt auf akustische Suggestion. Um die maximale Verzweiflung der Frauen zum Ausdruck zu bringen, wird ein permanenter Trauerflor verhängt. Das kommt einer Bevormundung und gar Vergewaltigung gleich. Beim Zuschauen verhält es sich anders. Wer ein Bühnengeschehen beobachtet, bleibt stets ein Subjekt, das Objekte beobachtet.

Schon in Frank Castorfs Eröffnungsinszenierung „Faust“ wurde bei den langen Live-Video-Übertragungen aus den Innenräumen der Bühnenkulisse deutlich, dass Schauspieler heute dank Mikroports auch im Modus der höchsten Erregung unter Zimmerlautstärke bleiben können. Sie schreien nur zum Schein, wenn sie ihre Texte über Musikflächen platzieren.

„Trommeln in der Nacht“ von den Münchner Kammerspielen widmet sich dem Anbruch des Zeitalters des Epischen Theaters vor fast 100 Jahren. Regisseur Christopher Rüping erforscht die genaueren Umstände von Brechts erster Theateraufführung 1922 und ließ im Parkett noch einmal Spruchbänder mit dem Satz „Glotzt nicht so romantisch!“ aufhängen. Nicht mehr die Einfühlung in die Figuren soll fortan im Fokus stehen, sondern der Spielcharakter des Spiels. Brecht versprach sich davon kritischere Menschen.

Karim Saab

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