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Zwangsküsse kalter Prinzessinnen schmecken nicht

Stralsund Zwangsküsse kalter Prinzessinnen schmecken nicht

„Die Prinzessin und der Schweinehirt“ hatte am Theater Vorpommern Premiere

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Stralsund. Das Königreich des ärmsten Prinzen der Welt – nur ein paar Schritte nach links und rechts über die Bühne, aber immerhin mit Schlagbaum. Nein, hier geht’s nicht um das Dilemma des verarmten Adels, sondern um das Märchen „Die Prinzessin und der Schweinehirt“, das Weihnachts-Märchen am Theater Vorpommern.

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„Die Prinzessin und der Schweinehirt“ hatte am Theater Vorpommern Premiere

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Sonntagnachmittag war die Premiere. Und es war ja mal wieder interessant, wie Kinder so ihre Sympathien vergeben. Nicht der nette Prinz Hans-Christian (Björn Ingmar Böske) mit seinem übersichtlichen sechs-Quadratmeter-Königreich konnte erstmal ihre Herzen erobern, auch nicht sein Küchenmädchen Rosalinde (Anne Luise Borner), ein ganz liebes Ding, die für ihn kochte und Strümpfe stopfte und ihn trotzdem „lieb hatte“, obwohl er – was für ein antiquiertes Frauenbild aber auch! – scharf war auf eine andere. Aber die fiese Prinzessin, dieses kleine Ungeheuer, diese hysterische und verwöhnte Göre, die fanden die Kinder im Stralsunder Theater total lustig.

Susanne Kreckel spielte diese Antiheldin mit einem Eifer, bei dem sich alle Kinder ganz in Ruhe abgucken konnten, wie man sich so richtig danebenbenehmen kann. Als Prinzessin mit dem kalten Herzen und einem großen Organ hatte sie lange rosa Prinzessinnenhaare mit einem kleinen schiefen Krönchen, einen gewaltigen Petticoat-Unterrock, sie schaukelte ausgelassen auf einer riesigen Schaukel und brüllte nach Frühstück und ihrer Zofe Eulalia. Chiaretta Schöning spielte diese erbarmungswürdige Hofdame, mit einem wunderbaren Slapstick. Ein ausgelassener Bühnenzampano.

Als Kaiser aller Könige kam Lutz Jesse in der Beliebtheitsskala gleich hinter der Prinzessin. Er toppte seine einzige verwöhnte Tochter mit seiner überzogenen Borniertheit, der Ö-Sprache zum Beispiel. Es sei fein und vornehm, so zu sprechen. Nicht wie ordinäre, gewöhnliche Menschen. „Önmöglöch!“ Ein „Spöcknöpf“ sei das Königreich des Prinzen Habenichts und seines Küchentrampels.

Die Kinder lachten über die komische Figur. Hans-Christian Andersen hatte mit diesem Märchen die Hofgesellschaft kritisieren wollen. (Das Stück von Gert Richter ist sinnvoll eingekürzt als Fassung für Kinder ab vier Jahren.) Andersen prangert beim emotional verarmten Adel den Verlust der Natur an, seine Anbetung alles Künstlichen. So landete der arme Prinz auch genau daneben, als er mit seiner singenden Nachtigall und einer duftenden Zauberrose um die Hand der kalten Prinzessin anhielt.

Die Inszenierung von Matthias Stier ist bunt und märchenhaft. Das hat auch mit der schrägen Ausstattung von Tom Böhm zu tun. Ein grandioses Spektakel, als die Schweinchen auf Rollen wie von Zauberhand auf die Prinzessin und die Zofe losgingen. Und das kleine ferngesteuerte Ferkel sich an die verhuschte Küchenmamsell Rosalinde ankuschelte. Die nämlich einfach nur schlau abgewartet hat (soviel zu antiquiertem Frauenbild), bis der Prinz endlich zur Vernunft kam. Die Zwangs-Küsse der Prinzessin schmeckten nicht. Denn da war sie, seine große Liebe. Rosalinde! Und siehe da, die Kinder feierten dann doch die Richtigen: Den armen Schweinehirten-Prinz und seine dann kluge und dann doch wunderschöne Küchenfrau. Mit dem gemeinsamen Lied „Nochmal Schwein gehabt!“ kam das Märchen, anders als bei Andersen, dann doch zum glücklichen Finale. Die Moral siegt in jedem Märchen. Großer Applaus und Bravos.

Barther Boddenbühne feiert Premiere von „Hans im Glück“

Mit „Hans im Glück“ hat an der Barther Bodden Bühne am Sonntag die Märchenzeit begonnen. Die Geschichte um Hans: Ein Klumpen Gold, das ist der Lohn, den er von seinem Herrn erhält. Dem hat er sieben Jahre treue Dienste geleistet, doch jetzt möchte Hans nur noch nach Hause. Auf dem Weg begegnen ihm die unterschiedlichsten Menschen, mit denen er ins Gespräch und auch ins Geschäft kommt.

Tausch um Tausch rinnt ihm sein wohlverdienter Lohn durch die Finger. Doch wird er dadurch unglücklicher? Regisseurin Claudia Nowotny meint: Nein. Natürlich könne dieser Hans als Dummbatz angesehen werden, aber macht Besitz denn wirklich glücklich? Der Hans, den man auf der Bühne erlebt, hat sein Glücksgefühl in der Seele und in der Sehnsucht nach seiner Mutter. Das reicht ihm – und es macht ihn glücklich.

Weitere Termine: 27. und 28. November, jeweils um 9 und 11 Uhr. FOTO: MARTINA KRÜGER

Märchentheater in MV

Weihnachtsmärchen hießen diese Produktionen der Theater einst, inzwischen beginnen sie so früh, dass von Familienvorstellungen die Rede ist. Eine Auswahl:

Die Rostocker Compagnie de Comedie machte am 9. November den Auftakt mit dem Märchen „Dornröschen“. Vorstellungen sind fast täglich in der Bühne 602. Karten unter ☎ 03

81 / 2036084.

In Barth gibt’s seit Sonntag „Hans im Glück“, nächste Vorstellungen am 27. und 28.11., Barther Boddenbühne. Karten: ☎ 03971 / 2688800. Außerdem im Programm der Vorpommerschen Landesbühne: ab 7. Dezember wieder „Das Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ mit Vorstellungen in Zinnowitz, Anklam und Barth. Und „Der Zauberer von Oz“ hat am 19.11. Premiere in Zinnowitz, kommt ab 6.12. nach Barth und ab 17.12. ins Theater Anklam.

Am Theater Vorpommern kam am Sonntag „Die Prinzessin und der Schweinehirt“ heraus. Nächste Vorstellungen am 18. und 28.11.,

dann 12./13.12. und 17.-20.12. im Theater Stralsund, am 3.-8.12., 14./15.12. und 25.12. im Theater Greifswald. Karten unter ☎ 03834 / 5722224 für Greifswald oder (03831)

2646150 oder 03831 / 2646124 für Vorstellungen in Stralsund.

Am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin hat am 22.11. „Ronja Räubertochter“ Premiere. Das Stück läuft bis 21.12. in mehr als 40 Vorstellungen. Karten ☎ 0385 / 53

00123.

Das Volkstheater Rostock bringt am 28.11. „Frau Holle“ ins Große Haus. Angekündigt sind bis zum 26.12. insgesamt 25 Vorstellungen. Karten unter ☎ 0381 / 3814700.

Juliane Voigt

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Anna Luise Borner, Björn Ingmar Böske, Susanne Kreckel, Lutz Jesse, Chiaretta Schörnig (v.l) in „Die Prinzessin und der Schweinehirt“. Das Stück feiert am Sonntag Premiere.

Das Stück „Die Prinzessin und der Schweinehirt“ nach Hans Christian Andersen feiert am Sonntag am Theater Vorpommern Premiere.

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