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Kultur Zwei Galionsfiguren der deutsch-deutschen Popgeschichte
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00:00 20.07.2016

Sommer ’96: Am 22. Juli erliegt Tamara Danz ihrem Krebsleiden, am 20. August stirbt Rio Reiser an Kreislaufversagen. Damit verabschiedeten sich in kurzer Zeit zwei Musiker, die zu Galionsfiguren der deutschen-deutschen Popgeschichte geworden waren. Beide hatten mit ihrem Wirken Spuren hinterlassen, Tamara Danz im Osten und Rio Reiser im Westen. Für viel weiteres im geeinten Deutschland blieb nicht viel Zeit.

Danz (Jahrgang 1952) und Reiser (Jahrgang 1950) waren zwei Musiker einer Generation, mit sehr unterschiedlichen Biografien – bedingt durch das (Musiker-)Leben in Ost und West. Im geteilten Deutschland entwickelte sich die Rockmusik unterschiedlich. Eine gemeinsame Sprache war zwar die Musik, aber die Themen waren zu verschieden. Und der Osten hatte es mit der staatlich geförderten deutschsprachigen Musik sogar einfacher, während sich die Musiker im Westen gegen englische Konkurrenz durchsetzen mussten.

Im Grunde spielte sich das in einer Stadt ab. Während Reisers Band Ton Steine Scherben aus der linksalternativen Szene Westberlins kam, fand Silly in Ostberlin zu ihrem Stil. Rio Reiser hatte Erfolg im Untergrund, mit LPs wie „Warum geht es mir so dreckig?“ (1971) und natürlich „Keine Macht für niemand“ (1972) – „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ und „Keine Macht für Niemand“ waren im Westen wichtige Songs. Dagegen kam die Band Silly, der sich Tamara Danz 1978 angeschlossen hatte, aus dem DDR-Unterhaltungsbetrieb. Erstes ernstzunehmendes Silly-Werk war 1983 die LP „Mont Klamott“, die Band hatte zu ihrem Stil gefunden, verfeinert auf „Liebeswalzer“ (1985).

Wichtig war für beide Künstler das Jahr 1986. Reisers erste Solo-LP „Rio I.“, die auch den Hit „König von Deutschland“ enthielt, erschien. Silly veröffentlichte mit „Bataillon d’amour“ ihr erfolgreichstes Album. Der Erfolg hatte unterschiedliche Folgen: Rio Reiser war kommerziell erfolgreich, was ihm von ehemaligen Mitstreitern und Fans aus der linken Szene vorgeworfen wurde. Silly wurde zu einer DDR-Vorzeigeband aufgebaut, ein Image, das die Silly-Musiker bis zu einem gewissen Punkt erfüllten. Mit „Februar“ erschien 1989 eine melancholische Vorwende-Platte, dann zog Silly die Grenzen: Im September 1989 unterschrieb Tamara Danz die Resolution von Rockmusikern und Liedermachern an die DDR-Regierung. So blieben Tamara Danz und Rio Reiser auch im politischen Engagement verbunden, Reiser in der linksalternativen Ecke, Silly in DDR-Opposition. Sie waren Identifikationsfiguren, die Aufmüpfigkeit, Haltung und Poesie miteinander verbanden. Was Tamara Danz und Rio Reiser immer einte, war ihre beeindruckende Bühnenpräsenz. Während Rio Reiser auch als Solokünstler aktiv wurde, blieb Tamara Danz im Bandgefüge, erst für die Silly-CDs „Hurensöhne“ (1993) und „Paradies“

(1996) brachte sie sich stärker als Texterin ein.

Im geeinten Deutschland wurde es nicht einfacher. Schwere Zeiten kamen für Rio Reiser, als er sich 1990 der PDS anschloss und „König von Deutschland“ für den Wahlkampf zur Verfügung stellte. Auch für Silly wurde es kompliziert, mit der DDR war ihr auch das Publikum abhanden gekommen, die Musiker kamen mit den Bedingungen des kapitalistischen Musikbetriebs nur schwer zurecht. Und Anfang der Neunziger war von Ostalgie noch wenig zu spüren.

Nun, mit dem Abstand von 20 Jahren wird vieles neu eingeordnet. Nach beiden Künstlern wurden sogar Straßen benannt. Wie unterschiedlich der Stellenwert von Reiser und Danz ist, zeigt sich an den Veröffentlichungen in diesem Sommer. Zum Todestag von Rio Reiser erscheint im August mit der CD „Alles und noch viel mehr“ eine Würdigung seines Lebenswerkes. Die Ehrung für Tamara Danz fällt etwas bescheidener aus. Der „Super-Illu“ liegt in dieser Woche eine CD mit Silly-Songs bei.

Thorsten Czarkowski

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