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Kultur Zwei Temperamente nach Jahrzehnten wieder vereint
Nachrichten Kultur Zwei Temperamente nach Jahrzehnten wieder vereint
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01:35 15.07.2014
Selbstbildnis von Ella Lüttich Etzrod. Fotos (3): Dietmar Lilienthal
Ahrenshoop

Ella Lüttich-Etzrodt starb im März 1932. Sie litt an Niereninsuffizienz. Heute eine gut behandelbare Erkrankung, damals wurde sie nicht erkannt. Die Malerin wurde nur 25 Jahre alt. Ihr ungeborenes Kind starb mit ihr. Die Familie war geschockt. Vor allem Ehemann Karl Etzrodt, die beiden hatten erst zwei Jahre zuvor geheiratet. Aber mehr noch litt Frida, Ellas kleine Schwester. Obwohl nur drei Jahre älter, war Ella für Frida eine Art Mutter-Ersatz, Ratgeberin, Kritikerin, Helferin. Fortan musste sich die mit Bildhauer Wilhelm Löber verheiratete Künstlerin allein ihren Weg durchs Leben bahnen.

Im Ahrenshooper Dornenhaus sind die Schwestern nun in einer Ausstellung vereint. Zum ersten Mal seit den 30er Jahren. Denn der Nachlass von Ella ist nicht aufgearbeitet. Karl Etzrodt hatte erneut geheiratet und sieben Kinder mit seiner neuen Frau bekommen. Einige von Ellas Bildern hängen bis heute in Wohnräumen der Nachfahren. Das Meiste jedoch ruhte auf einem Münchener Dachboden. Dort barg Familie Löber aus Ahrenshoop die Schätze, die nun nach und nach restauriert werden. Etliche Arbeiten sind in beklagenswertem Zustand.

„Die beiden Schwestern waren zwei Temperamente“, sagt Renate Löber, die die Ausstellung für das Dornenhaus zusammenstellte. Ella die reflektierende, bodenständige Person, während Frida eher phantasievoll-versponnen und immer ein wenig ausgegrenzt war. Seit ihrer Diphterie-Erkrankung mit sechs Jahren war sie fast taub. Künstlerisch unterscheiden sich die jungen Frauen kaum: Beide bevorzugen den klaren Strich der Zeichnung, und zwar im Landschaftsbild ebenso wie im Porträt. Besonders die Darstellungen von Familienmitgliedern, die Selbstbildnisse und Darstellungen von Freunden sind prägnant und poetisch: Bleistift- und Pastellzeichungen stehen neben Aquarellen und Holzschnitten, auch Ölbilder sind vertreten.

Es sind Bilder von zwei Persönlichkeiten auf der Suche. Ellas Suche endete zu früh, und doch findet der Betrachter bei ihr eine Persönlichkeit mit Neigung zum Expressionismus und zum zeichnerischen Witz. Zudem lassen sich die Prägungen der Lehrer an der Burg Giebichenstein, auf der die Schwestern studierten, ausmachen: Erwin Hahs und Charles Crodel prägten ihre Handschriften. 1933 gab es noch eine Gedächtnisausstellung für Ella in der Galerie Gurlitt in Berlin. Seitdem ist sie aus der Kunstgeschichte nahezu verschwunden.

Frida Löber zieht mit ihrem Mann 1932 nach Ahrenshoop. Wilhelms Vater ist Pastor in Wustrow, 1935 zieht das Paar in ein eigenes Haus in Althagen. Das Paar bekommt acht Kinder. Friedemann Löber, der mit seiner Frau Renate Löber das Dornenhaus betreibt, kommt 1939 zur Welt. Frida Löber setzt ihren Weg als Malerin und Zeichnerin fort. Ihr Schaffen ist gut dokumentiert. Doch die Ausstellung endet 1935, und so sind auch von der vermeintlich Bekannten Frida Löber zahlreiche Blätter zu sehen, die noch nie gezeigt wurden.

Die Schau
„Aber ich will so Frida sein, wie Ella Ella war.“ Tagebuchauszug von Frida Löber vom 23. März 1932, 16 Tage nach Ellas überraschendem Tod.

„Frida Löber — Ella Lüttich-Etzrodt“, Dornenhaus Ahrenshoop bis 5. 9.



Matthias Schümann

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