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Zweifacher Ex-Intendant macht Theater ums Theater

Neustrelitz Zweifacher Ex-Intendant macht Theater ums Theater

Manfred Straube inszeniert in Neustrelitz „Hoffmanns Erzählungen“

Neustrelitz. „Natürlich wird es ein Kracher“, behauptet Manfred Straube und lacht. Der 71-Jährige, der 1991-94 Intendant in Neustrelitz und 1994-97 Theaterchef in Rostock war, ist jetzt als Regisseur nach Neustrelitz zurückgekehrt. Zuletzt hat der studierte Sänger und Opernregisseur dort, wo er Anfang der 90er Jahre Ostdeutschlands erste Theater-GmbH gegründet hatte, vor sechs Jahren als Gast „Orpheus in der Unterwelt“ gemacht. Diesmal inszeniert er Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ und holt deren drei fantastische Geschichten in die Gegenwart, Premiere ist am Samstag.

Daneben regt er sich über hiesige Kulturpolitik auf. Gegenüber der OZ sagt der 1997 in Rostock gefeuerte und nach Klage mit üppiger Abfindung entschädigte Ex-Intendant: „Was mich am meisten ärgert, ist diese Dummheit. In Rostock wurden vor mir Intendanten geschasst, und nach mir wieder mehrere. Immer auf ähnliche Weise.“ Doch es sei nicht nur ein Rostocker Problem, sondern ein allgemeines. „Wir hatten für das Bundesland mit dem Modell der vier Theaterstandorte eine sinnvolle Lösung gefunden. Und dann kommt da ein Kulturminister und schmeißt alles über den Haufen“, schimpft Straube über den Abriss von Theaterstrukturen und nennt Mathias Brodkorb (SPD, jetzt Finanzminister). Dem setze seine Inszenierung ein Denkmal, kündigt er an, ebenso wie anderen Protagonisten unserer Zeit. Im Einigungsvertrag (Artikel 35) stehe doch, die kulturelle Substanz Ostdeutschlands dürfe keinen Schaden nehmen. „Wenn das unsere Profitgesellschaft nicht begreift, ist sie idiotisch!“, schimpft der Theatermann und verweist darauf, dass in der ostmecklenburgischen Theater-GmbH (Neubrandenburg/Neustrelitz) statt der 386 Mitarbeiter zu seiner Zeit jetzt noch 186 beschäftigt seien.

Als Straube 1997 in Rostock entlassen wurde, geschah das wie in den anderen Fällen mit einem Vorwand; in Wahrheit zielten die Stadtoberen schon damals auf radikalen Abbau des Volkstheaters, was wenig später im aberwitzigen städtischen Vorschlag der vollständigen Schließung des Theaters gipfelte.

Seither arbeitete Straube – mit gesundheitsbedingten Pausen – als freiberuflicher Regisseur. Ab 1999 hat er Musicals und Opern bei den Volksschauspielen im baden-württembergischen Ötigheim auf „Deutschlands größte Freilichtbühne“ gebracht. Noch faszinierender als die Bühne dort sei das ganze Dorf, schwärmt Straube: „Was man da für große Chöre hat, das ist eine wunderbare Arbeit! Die Chöre bestehen aus den Einwohnern des Ortes, für die Rollen sind Opernsolisten verpflichtet.“

Dietrich Pã¤tzold

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