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Kultur Zwischen Anpassung und Auflehnung
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00:00 20.04.2013
Waldeck

9. Juli 1964. Während der Ostseewoche gibt der norwegische Sänger Jan Rohde mit der dänischen Band The Tigers ein Konzert auf dem Rostocker Platz der Jugend.

Das Publikum ist begeistert, fordert Zugabe auf Zugabe. Die verantwortlichen Kulturfunktionäre drängen jedoch darauf, dass Rohde die Bühne verlässt. Die Zuschauer sind empört. Es kommt zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Volkspolizei. Nachdem Fans verhaftet werden, ziehen aufgebrachte Jugendliche vor den VP-Sitz und fordern die Freilassung ihrer Freunde.

Das ist nur eine der Episoden, die Dr. Volker Höffer (49) und Jörg Schliephake (50) während ihres musikalischen Programms „Zwischen Liebe und Zorn“erzählen und die den permanenten Konflikt der DDR-Oberen mit der Jugend des Landes belegen.

Außenstelle der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) in Waldeck bei Rostock: Ein nüchterner Büroraum. Tische, Stühle, ein Schreibtisch. Das Besondere: Im Raum stehen große, stoffbezogene Stellwände. Darauf Fotos und Texte, die vom Widerstand der Jugend gegen das SED-System berichten — Teil der Ausstellung „Hoffnungsträger oder Staatsfeind?“. Sie öffnet am Sonntag in Waldeck.

Das Duo „Zeitlos“ mit Höffer und Schliephake hat mit diesem Büro einen außergewöhnlichen Ort für seine Probe gewählt. „Für uns hat er durchaus etwas Inspirierendes“, sagt Volker Höffer, Leiter der BStU-Außenstelle und Herr in diesem Haus, in dem zu DDR-Zeiten die Staatssicherheit residierte. Sie hinterließ neben Aktenbergen auch eine Atmosphäre der Angst und des Misstrauens, die bis in die Gegenwart wirkt.

Das ist der Stoff, der den Barther Lehrer Schliephake und den Waldecker Behördenchef Höffer zu ihrem gut zweistündigen Programm anregte, bei dem sie sich mit der DDR-Rockmusik im Spannungsfeld zwischen Anpassung und Auflehnung auseinandersetzen. „Auf unsere Zuhörer warten musikalische Raritäten aus den frühen Jahren der DDR-Rockmusik. Ebenso zu hören sind Lieder, Geschichten und Anekdoten von Nutznießern, Angepassten und Gegnern des SED-Systems und jenen, die im Auftrag der Stasi die Musikszene observierten. Also alles andere als ein ostalgischer Tanzabend“, betont Volker Höffer.

Beide Amateurmusiker kennen sich aus ihrer Zeit als Pädagogik-Studenten an der Universität Rostock von Ende der 1980er Jahre. 2009 beschlossen sie, ein musikalisches Duo zu bilden. Den Anstoß gab ein Renft-Abend in der Rostocker Stasi-Gedenkstätte von dem sich die Zuschauer begeistert zeigten. Live-Musik, verbunden mit Geschichten über Bands und Musiker — das kam an. Seitdem gestalten die einstigen Studienfreunde musikalisch umrahmte Vorträge, die sie Liedergeschichtsabende nennen.

Bei Recherchen für ihr Programm fanden sie heraus, dass die DDR-Bands zunächst Westsongs coverten. Erst nach der Verfemung der Beat-Musik als westlich und negativ-dekadent durch das 11. Plenum des Zentralkomitees der SED im Dezember 1965 entstand notgedrungen eine eigenständige DDR-Rockmusik. Diese, so sagt Jörg Schliephake, habe Schnulzen und auf Linie getrimmte Lieder, aber auch ewige Songs hervorgebracht.

Musikalische Begegnung mit den Gruppen Team 4, Oktoberclub, Karat, Renft, Puhdys, Pankow, Karussell oder Silly. Und Rückblicke: So auf eine Beat-Demonstration im Oktober 1965 in Leipzig. 200 Jugendliche bringt dieser Protest ins Gefängnis, darunter Harry Jeske, ab 1969 Bassgitarrist der Puhdys. Aufbegehren per Musik auch nach der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ im Jahre 1968.

Dabei wird Tony Krahl, später City-Frontmann, verhaftet.

Und Höffer und Schliephake erinnern an die „Resolution von Rockmusikern und Liedermachern“ vom 18. September 1989 an die DDR-Regierung, in der sie die Zulassung oppositioneller Gruppen und politische Reformen forderten.

Dass die Hobby-Musiker mit ihrem Konzept erfolgreich sind, beweisen bereits zwölf „Zeitlos“-Auftritte seit November 2010, auch in Neubrandenburg, Leipzig und Halle sowie diverse Konzertanfragen.

Liedergeschichtsabend: Sonntag, 21. April, ab 15 Uhr, beim Tag der offenen Tür, Zentrale des Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen in Waldeck.

Werner Geske

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