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Zwischen Folklore und Moderne

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Mit ihren Länderschwerpunkten sind Vorpommerns Philharmoniker schon weit herumgekommen. Bislang letzte Station war vorgestern Schweden, dem GMD Golo Berg im 5.

Mit ihren Länderschwerpunkten sind Vorpommerns Philharmoniker schon weit herumgekommen. Bislang letzte Station war vorgestern Schweden, dem GMD Golo Berg im 5. Philharmonischen Konzert unter recht unterschiedlichen Aspekten Interesse abzugewinnen vermochte. Klanggefällig, sanglich einfühlsam und attraktiv orchestriert, aber auch etwas betulich der Einstieg mit „Schwedischen Tänzen“ (aus op.

63) von Max Bruch, die mit Hugo Alfvéns klanggestisch kontrastreich „erzählender“ Schwedischer Rhapsodie Nr. 1 „Midsommervaka“ (op. 19) eine Fortsetzung erfuhren: allerdings stilistisch deutlich authentischer und kompositorisch auch origineller. Beide Werke aber waren ansprechend präsentierte Beispiele für die in langer Tradition erprobte, hier dezidiert romantisch geprägte künstlerische Tragfähigkeit schwedischer Folklore.

Schwedisch geht aber auch ganz anders: als Klangfläche, unbestimmt mystisch irisierend bis obsessiv leidenschaftich, dynamisch pulsierend, stets unter Hochdruck, von stärkster Spannung, meist klangmassiv und verführerisch wie brutal konzessionslos zugleich. So in Benjamin Staerns „Worried souls“ (sorgenvolle Seelen), einem Konzert für Klarinette/Bassklarinette und Orchester von 2011, das Golo Berg als deutsche Erstaufführung seinem Publikum mit enormer Verve, demonstrativem Einsatz und brillant agierender Philharmonie präsentierte: ein tolles, starkes Stück und harter Brocken, ein mentales Entkommen aber unmöglich!

Bewunderung war da schon angebracht, auch für die grandiose schwedische Solistin und Widmungsträgerin Karin Dornbusch. Im Gedächtnis bleibt auch Paul Strucks Es-Dur-Sinfonie op. 10 (1810). Besonderer Dank gebührt Golo Berg, der den im schwedisch-pommerschen Stralsund geborenen Komponisten (1776-1820) der Vergessenheit entriss und mit diesem ganz in klassischem Geist musizierten und vielleicht andernorts genauer zu würdigenden Wiener Werk auch eine nicht nur regionale musikgeschichtliche Lücke schloss.

OZ

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