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Kultur Zwischen Macht und Ohnmacht, Prunk und Konflikten
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00:05 11.07.2016
Auftritt der Elefantendame„Mala“ bei „Aida“

Quantitativ war die Open-Air-Premiere von Verdis „Aida“ bei den Schweriner Schlossfestspielen eine Produktion der Superlative: 200 Mitwirkende, darunter ein 80-köpfiger Chor und die Mecklenburgische Staatskapelle, 300 Kostüme, ein Elefant und zwei Kamele, auf einer 30 mal 30 Meter großen Bühne vor dem reizvollen Ensemble auf dem Alten Garten. Das ergab, unbeeinträchtigt von leichtem Regen, ein spektakuläres Erlebnis für 1600 Zuschauer, die dies mit heftigem Beifall honorierten.

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Schweriner Schlossfestspiele starten mit opulenter Aida-Premiere vor 1600 Besuchern und Protesten von Tierschützern gegen den Elefanten-Auftritt

Regisseur Georg Rootering und Ausstatterin Romaine Fauchère haben Verdis geniale Kreuzung aus Prunkoper und innerem Musikdrama als Breitwand-Raum-Installation in Szene gesetzt – ganz nach der Open-Air-Ästhetik, die das Opernhafte an der Oper hervortreibt, zielend auf ein Publikum, das eher genussvoll unterhalten als seelisch beunruhigt werden will.

Sie verzichten auf altägyptische Exotik. Die karge Bühne ist vertikal gegliedert: Obergeschoss für die Mächtigen, Untergeschoss für die Ohnmächtigen. Sie füllt sich immer neu mit farbig bewegten Tableaus: Ägyptische Soldaten in Khaki-Uniformen, Priester rot-weiß-golden berockt, Priesterinnen im blau-weißen Schleier, die gefangenen Äthiopier in Guantanamo-Overalls, das „Volk“ im bourgeoisen Frack und BelleÉpoque-Kleidern. Prunkvoll und dekorativ, von geschmackvoller Schönheit, aber nicht immer sinnreich und stringent. Auf diese Weise soll die alte Geschichte vorsichtig durchsichtig für moderne Bezüglichkeiten werden, unterstützt durch auf pyramidale Schrägen gebeamte Bilder des arabischen Konfliktraums. Aber dies schreckt nicht, bleibt diffus und unverbindlich. Es gelingt in der Triumph-Szene, in der der Siegesjubel fragwürdig gemacht wird – bis zu regnenden ironischen Goldfäden.

Unter dieser flächigen Großartigkeit leidet die Geschichte zwischen Amneris, der ägyptischen Prinzessin, dem Feldherren Radames und der Sklavin Aida, in der diese im Widerstreit von vaterländischer Loyalität und Liebesstreben in das Räderwerk der Macht geraten und zermalmt werden. Hier dünnt sie sich zum Stimmungsbild von Liebe in Zeiten des Krieges aus – auch weil Rootering nicht immer charakteristische Arrangements einfallen. Nilakt und Grabesszene spielen auf einem blauen Sofa – der romantische Liebestod gegen das Libretto durch einen theatralischen Dropkick überstylt.

Tieferer Glanz ging vom Musikalischen aus, mit einer für Schweriner Verhältnisse exzeptionellen Gestaltung, die dem Geschehen eine innere Intensität gab, die es szenisch nicht immer hat: Das Orchester unter Gregor Rot musizierte deutlich, mit federndem dramatischen Brio und mit melodischer Geschmeidigkeit, die anspruchsvollen Chöre mit Wucht, ein vorzügliches Solistenensemble, zumeist renommierte Gäste – Aurore Ugolin als Amneris, nuancenreich im machtbewussten Stolz, Yannick-Muriel Noah als Aida, bewegend in ihrer lyrischen Innerlichkeit, Steffen Schantz aus Schwerin als Radames, der mit Bravour sein Debüt im Belcanto-Fach gab.

Auftritt von „Mala“ sorgt für Empörung

Schon eine Stunde vor Beginn der Aufführung protestierte ein gutes Dutzend Tierschützer mit Trillerpfeifen und Transparenten gegen die „Tierquälerei“ des zweiminütigen Auftritts eines Elefanten. Sie wollten denen, die keine Stimme haben, eine geben – was für das Stimmenfest einer Opernaufführung nicht ohne Ironie ist. Aber sie verzichteten darauf, die Aufführung zu stören. Und die Elefantenkuh „Mala“ machte, zwar stumm, ihre Sache wacker, wenngleich sie nur wenig zur Opulenz der Aufführung beitrug. Schon vorige Woche hatte sich die Rektorin der Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT), Susanne Winnacker, empört und den Auftritt der Elefantendame „Mala“ als „Skandal“ bezeichnet.

Heinz-Jürgen Staszak

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