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„art Karlsruhe“: Janosch, Donald und die anderen

Kunst in politischen Zeiten „art Karlsruhe“: Janosch, Donald und die anderen

Spielwiese, Füllhorn, Wundertüte. Auf der Kunstmesse „art Karlsruhe“wird ausgepackt, was Rang und Namen hat - und Kunst noch ohne Rang und Namen. Trumps Politik übrigens kann man neuerdings in der Pfeife rauchen.

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Sphere V 37 (l-r), Sphere V 20, Sphere Lena 14 und Scull 1 von Martin C Herbst.

Quelle: Uli Deck

Karlsruhe/Rheinstetten. Gott sei Dank, wenigstens sie sitzen noch in einem Boot. Tiger und Bär, die berühmten Figuren aus Janoschs Buch „Oh, wie schön ist Panama“, sind wie immer die besten Freunde.

Aber das Meer, auf dem sie fahren, ist aufgewühlt, die Wellen hoch, ein Schwimmer ist schon über Bord. „Oh Welt es tobt die See“ heißt die Radierung des Künstlers aus dem Jahr 2017. Weltlage à la Janosch in einem Satz, schmerzhaft aktuell und wie immer auf den Punkt. Oh, die Zeiten sind wirklich schwierig, und die Welt ist ihr irritierender Schauplatz. Das zeigt die Kunstmesse „art Karlsruhe“ von Donnerstag an in etablierten Positionen der Klassischen Moderne bis hin zu radikal zeitgenössischer Formensprache.

Die Künstlerin Marion Eichmann schneidet sich ihre Version zurecht, als Dingwelt aus Schnipseln mit Schere und Papier. Durch die Stücke, fein säuberlich übereinandergelegt, geschichtet, aneinandergeklebt, entstehen reliefartige Strukturen, die zu Bildern werden oder auch riesengroßen Dingen. Zu Waschmaschinen zum Beispiel, einem ganzen Waschsalon sogar. „Laundromat“ heißt ihre Anordnung von 40 Waschmaschinen auf einem der 19 Skulpturenplätze der „art“.

Der Besucher kann hindurchmarschieren und sich von Buntheit und filigraner Kunstfertigkeit mal eben überwältigen lassen. Gleichzeitig aber führt die dem Werk innewohnende Mühseligkeit monatelanger Feinstarbeit zu einer eigenartigen Spannung. Die Künstlerin schneidet und klebt buchstäblich nächtelang und bis die Hände fast blutig sind, so erklärt es ihr Galerist Werner Tammen. Ein extrovertierter Eskapismus.

Überhaupt scheint erst der Blick auf das ganz, ganz Kleine das Große zu ermöglichen, und das ist beruhigend und verstörend zugleich. Malte Masemann sucht sich Schwarz-Weiß-Fotos als Vorlage für seine großformatigen Gemälde etwa auf Flohmärkten zusammen, überträgt die Fotos Stück für Stück auf die Leinwand und verfremdet mit intensiven Farben das altmodische Motiv: traditionelle Familienporträts von Vater, Mutter und Kindern, die allesamt starr in die Kamera schauen, bekommen mit starkfarbig-blaugrünen Gewändern und knallpinken Kopfbedeckungen eine Popart-artige Anmutung.

Die scheinbare Rückwärtsgewandtheit der Motive wendet sich damit in ihr Gegenteil und richtet den Blick auf das, was immer wiederkehrt und deshalb aktuell ist. „Alte Fotos sagen viel über die heutige Zeit“, erklärt der Künstler selbst. „Das hat etwas beängstigendes, das gilt es zu untersuchen.“

Die Rebellen in Halle 2 der „art“ sind schon ein wenig in die Jahre gekommen. „Moderne Klassik“ nennt „art“-Gründer Karl Ewald Schrade das: Kunst zwar von Zeitgenossen, die aber schon etabliert ist und längst ihren (mitunter teuren) Platz im Kunstbetrieb gefunden hat. Die obszön glänzende „Balloon Venus“ des amerikanischen Künstlers Jeff Koons zum Beispiel ist zu sehen und der Zipfel des Ballons, natürlich, als Vulva zwischen den Beinen der üppigen rosa Dame platziert.

Auch die Schablonengraffiti des britischen Streetart-Künstlers Banksy fehlen nicht. Er aber wird auf der „art“ gerechterweise überstrahlt von Werken des französischen Sprayers Blek le Rat: Der ist zwar weniger berühmt als Banksy. Er ist aber Pate, Urvater, Vorbild dieser Form von Graffitikunst, die Mauern, Wänden und Gebäuden oder eben auch einer Leinwand den leidenschaftlichen Stempel aufdrückte.

Fotomeister, Meisterfotos: Die gibt es in Halle eins beispielsweise mit Edward Burtynsky. Der kanadische Fotograf, längst ein Superstar seiner Zunft, lichtet Umwelten so wunderschön ab, dass man ihre Verwüstung bestürzt erst auf den zweiten Blick bemerkt.

Einen übrigens scheint hier gar nichts zu stören: Donald Trump grinst auf einem Ölbild des deutschen Newcomers Holger Kurt Jäger als Pfeifenkopf selbstgefällig vor sich hin. Als eine ironische Referenz an das berühmte Pfeifenbild von René Magritte nennt es sich „Ceci n'est pas un meme“ (etwa: Das hier ist kein Scherz). Es ist bereits verkauft.

dpa

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