Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Nachrichten Langweilig, konservativ
Nachrichten Langweilig, konservativ
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 26.08.2013
Bernhard Fischer-Appelt

FDP „Ein klassisches Kandidatenplakat. Die meisten Parteien fangen damit später an, weil es erst kurz vor der Wahl wichtig wird. Der Slogan ist langweilig und austauschbar, da wird man sich nicht mal an die Partei erinnern. Dabei müssten gerade die kleinen Parteien ,klare Kante‘ zeigen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Und die FDP hat ja Themen, die dazu taugen, zum Beispiel die Stärkung des Mittelstands. Die Aufmachung des Plakats ist sehr konservativ gehalten. So hat man das vor 15 Jahren auch schon gemacht. Gerade im Kontrast zum biederen Rainer Brüderle hätte man das Plakat durchaus forscher gestalten dürfen.“

Passt zur Kanzlerin
CDU„Das Plakat passt perfekt zum Auftreten der Kanzlerin: Niemandem wehtun, niemanden ausschließen und keine allzu eindeutigen Forderungen aufstellen. Der Slogan ist absolut allgemein gehalten und vermeidet jede Zuspitzung. Das Plakat richtet sich aber auch an keine bestimmte Zielgruppe, die ältere Dame und das Mädchen wirken wie eine Klammer, damit können sich irgendwie alle identifizieren. Aus werbetechnischer Sicht hätte man aber stärker emotionalisieren können: Die Farbe Orange geht schon in diese Richtung, insgesamt setzt die CDU aber noch stark auf die Text-Botschaft.“
Gelungenes Beispiel
Grüne „Die Grünen machen eindeutig den modernsten Wahlkampf: Der Slogan ist sehr pointiert und reimt sich sogar. Das ,Und Du?‘ spielt den Ball zum Betrachter und bezieht ihn unmittelbar ein. Die ältere Dame ist ein gelungenes Beispiel für ,echte Menschen‘ in der Werbung, sie kommt sehr sympathisch rüber. Und das bei einem negativ besetzten Thema wie steigenden Mieten, das ist schon sehr elegant. Die Grünen schaffen es, sich als humorvolle, frische und entspannte Truppe zu präsentieren, das kriegen andere Parteien nicht hin. Aber da haben es die Grünen mit ihrer Wählerschaft auch leichter.“
Etwas unbeholfen
SPD „Den Slogan ,Das WIR entscheidet‘ finde ich nicht schlecht, weil er auf den Markenkern der Sozialdemokraten zielt, die soziale Gerechtigkeit. Allerdings ist die Bildsprache zu schwach geraten. Es ist ja zurzeit in Mode, ,echte Menschen‘ abzubilden. Aber man will die Realität schon in ihrer interessanten Spielart sehen. Die beiden Senioren in der Plattenbausiedlung wirken etwas unbeholfen. Außerdem gestehen viele Menschen der SPD die Kompetenz in Sachen sozialer Gerechtigkeit nicht mehr zu. Da müsste die Partei auch inhaltlich nachlegen und in der öffentlichen Debatte ihre Themen stärker besetzen.“
Zur Person
Bernhard Fischer-Appelt ist Gründer und Vorstand der gleichnamigen Hamburger Werbeagentur. Der 47-Jährige hat Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft in Hamburg und London studiert. Fischer-Appelt gewann mehrere Preise in den Bereichen Werbung, Design und Öffentlichkeitsarbeit. Seine Agentur war an der Kampagne „Du bist Deutschland“ beteiligt, die vor einigen Jahren für Aufsehen sorgte. Von Wahlkampfkampagnen hält sich Fischer-Appelt fern.
Kommt rüber
Linke „Die Linke setzt schon in der Gestaltung voll auf Widerstand. Und das muss sie auch, um ihre Wähler zu mobilisieren, die erwarten genau das. Sympathische Gesichter braucht es dazu gar nicht, wie soll man das Thema Altersarmut auf einem Wahlplakat auch angemessen darstellen? Selbst wenn ein Plakat, das nur mit Text arbeitet, erst mal sperrig wirkt: Die Marke ,Die Linke‘ kommt glasklar rüber. Aus werbetechnischer Sicht halte ich das Plakat daher für sehr gelungen. Wie man zu den Inhalten steht, ist ja eine andere Frage.“

OZ

Anzeige