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00:01 09.12.2017
Kiellegung für einen Flusskreuzer der Rhein-Klasse in Wismar: 2018 sollen zwei weitere dieser Schiffe fertig sein. Die MV Werften haben im kommenden Jahr viel vor. So sollen weitere 1000 Mitarbeiter eingestellt werden. Quelle: Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Zum Hoffnungsträger eines wirtschaftlichen Aufschwungs im Nordosten haben sich die MV Werften des malaysischen Konzerns Genting entwickelt.

„Die Werft hat eine sehr große Bedeu- tung für Wismar. Ich freue mich sehr, dass es hier vorangeht. Es wird kräftig investiert, viele Arbeiter und Auszubildende eingestellt. Das alles zeigt die Ernsthaftigkeit.Thomas Beyer (SPD), Bürgermeister von Wismar
„Die MV Werften sind ein wichtiger Arbeitgeber. Volle Auftragsbücher schaffen und sichern neue Arbeitsplätze. Das Unternehmen setzt zuverlässig die geplanten Vorhaben bei uns im Land um.Harry Glawe (CDU), Wirtschaftsminister
„Genting erweist sich immer mehr als Glücksfall für Rostock und das ganze Land. Bemerkenswert ist, wie schnell es Chancen erkannt und konsequent in wirtschaft- liches Handeln umgesetzt hat. Roland Methling (parteilos), Oberbürgermeister von Rostock

Pläne für zehn Jahre

23 Schiffe will Genting binnen zehn Jahren auf den MV Werften bauen. Ab 2018 beginnt der Bau der großen Global-Class-Schiffe (Wismar, Warnemünde) und der Endeavor-Yachten (Stralsund). In Wismar laufen weiterhin Flusskreuzer aus dem Dock.

Bis zu 3100 Mitarbeiter sollen einmal auf den Werften tätig sein.

Mit 2018 steht das Boom-Jahr bevor. Der Bau der Mega-Kreuzfahrtschiffe soll beginnen, 1000 neue Jobs auf den Werften in Wismar, Warnemünde und Stralsund entstehen. Bestandsaufnahme und Ausblick.

Neue Jobs

1400 Mitarbeiter gab es, als Genting 2016 die Werften übernahm, aktuell seien es 1800, so Sprecher Stefan Sprunk, allein 100 neue Azubis und Studenten. Er kündigt „eine noch höhere Frequenz“ bei Einstellungen an. 1000 neue Kollegen sollen es bis Ende 2018 sein. Insgesamt 5000 Bewerbungen habe es bisher gegeben.

Schiffe

Flusskreuzer der Rhein-Klasse (135 Meter Länge, 110 Passagiere) werden seit 2016 gebaut, Nummer drei und vier, die „Crystal Debussy“ und die „Crystal Ravel“, würden im kommenden Frühjahr übergeben. In Stralsund beginne der Bau der eisbrechenden Endeavor-Yachten (180 Meter, 200 Kabinen für Gäste und Crew), in Wismar und Rostock der riesigen Global-Class-Kreuzliner (über 340 Meter, über 5000 Passagiere).

Zulieferer

Für in naher Zukunft geplante Schiffe, wie das erste Global-Schiff seien Zulieferer-Verträge bereits unter Dach und Fach. Der Einkauf für den zweiten Mega-Liner laufe bereits. Auch Zulieferer aus MV sollen zum Zuge kommen. Man setze auf „kurze Wege, direkte Verständigung, Vergabe komplexer Module in direkte Nachbarschaft“, so Sprunk. Den Anteil regionaler Zulieferer nennt er nicht. Im Umfeld der Werften seien neue Firmen entstanden.

Infrastruktur Rund die Hälfte der Investitionen von 200 Millionen Euro für Infrastruktur sei ausgelöst oder gar umgesetzt. In Rostock entsteht etwa eine neue Schiffbauhalle, in Wismar wächst eine Halle um 6000 Quadratmeter. Geplant seien zum Beispiel noch die Erweiterung der Kaikante und ein 120 Meter hoher Kran in Wismar.

Bürgschaften In der Branche übliche Bürgschaften des Staates sind ein heikles Thema für die MV Werften. Bund und Land verhandeln seit Monaten über bis zu 800 Millionen Euro Risikoabsicherung (die OZ berichtete). Allein ein Global-Schiff kostet rund 1,3 Milliarden Euro. Im Land wird gar über eine Erhöhung des Bürgschaftsrahmens diskutiert. Voraussetzung müssten hohe Vorleistungen der Werften sein. Sprecher Sprunk: „Wir haben längst begonnen.“ Das Wirtschaftsministerium lässt derzeit ermitteln, was überhaupt möglich wäre. Frühestens im Frühjahr 2018, so schätzt Tilo Gundlack, SPD-Finanzexperte im Landtag, werde eine Entscheidung über Bürgschaften für die ersten beiden Global-Schiffe fallen.

Qualifizierung Zu Monatsbeginn ist eine neue Richtlinie des Wirtschaftsministeriums zur Förderung begleitender Mitarbeiter-Qualifizierung in Firmen in Kraft getreten. Je Förderfall sind bis zu 100000 Euro drin.

Die MV Werften kündigen an, 2018 davon Gebrauch machen zu wollen.

Großes Lob fährt Genting mit seinen Werften bei Landes- und Kommunalpolitik ein. Anfängliches Misstrauen ist offenbar verschwunden. Von einem „Glücksfall“ spricht Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Er lobt Professionalität und Weitblick. Sein Wunsch: Tourismuswirtschaft und regionale Zulieferer müssten noch besser eingebunden werden. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) attestiert den MV Werften Zuverlässigkeit: „Volle Auftragsbücher schaffen und sichern neue Arbeitsplätze.“

Frank Pubantz

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