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MV aktuell JVA Bützow: 14 Krankmeldungen an einem Tag
Nachrichten MV aktuell JVA Bützow: 14 Krankmeldungen an einem Tag
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Justizvollzugsanstalt Bützow: Blick in das 2015 eröffnete Hafthaus H. Quelle: Norbert Fellechner
Bützow

In der Justizvollzugsanstalt Bützow herrscht offenbar heftiger Personalnotstand. „Es ist ziemlich bitter“, sagt Hans Jürgen Papenfuß, Gefängnispsychologe in Bützow und Landesvorsitzender der Strafvollzugs-Gewerkschaft BSDB. Häftlinge sprechen sogar von einem drohenden „Sicherheitskollaps“. Ende September meldeten sich nach OZ-Informationen an nur einem Tag 14 Vollzugsbeamte auf einmal krank, am Tag darauf noch einmal weitere sieben.

Überlastung und Krankheit des Wachpersonals prägen laut Papenfuß den Alltag im größten Gefängnis von MV. „Dabei waren Probleme schon seit Jahren bekannt“, sagt der Gewerkschafter. Die Anstalt leide unter massivem Fachkräftemangel: 30 Stellen für den Vollzugsdienst sind unbesetzt. Das Justizministerium habe zu wenig unternommen. Der Beruf sei schon unter normalen Bedingungen nicht leicht: Drei Schichten, sieben Tage die Woche, dazu enger Kontakt mit teilweise kranken Häftlingen – beim Krankenstand zählten die Justizvollzugsmitarbeiter schon immer zu den Spitzenreitern, so der Gewerkschafter.

Das Gefängnis im Landkreis Rostock gehört zu den ältesten Deutschlands. Im Keller vollstreckten die Nazis Hunderte Todesurteile, in den 1990er-Jahren gab es eine blutige Revolte.

Andere Behörden locken mit besseren Konditionen: Ein einfacher Beamter verdient bei Zoll und Polizei in vergleichbarer Position 350 Euro netto mehr im Monat – wegen höherer Zulagen. Die wurden für Polizisten in MV erst kürzlich aufgestockt. Die JVA-Bediensteten gingen dagegen leer aus. „Die Polizei hat die Straftäter nur für eine Stunde im Streifenwagen. Wir haben jahrelang mit ihnen zu tun“, sagt Papenfuß. Der Zoll wirbt gerade Personal bei anderen Behörden ab. Gut zwei Dutzend JVA-Beamte aus MV sollen bereits ihre Bewerbung abgegeben haben.

Anwärter für den Vollzugsdienst haben meist schon eine abgeschlossene Ausbildung. Nach der Ausbildung bekommen sie in MV 2500 Euro brutto – und vielleicht gegen Ende ihrer Laufbahn die nächst höhere Gehaltsstufe A8. In Schleswig-Holstein und Brandenburg fangen Berufsanfänger mit A8 an. „Warum sollte ein Handwerker in den Vollzugsdienst wechseln, wenn er draußen viel mehr verdienen kann“, sagt Papenfuß.

Häftlinge fordern Entschädigung

Häftlinge aus Bützow kündigen in einem offenen Brief eine Schadensersatzklage gegen das Land an – unter anderem, weil sie nicht in den aufgrund von Personalmangel geschlossenen Werkstätten arbeiten können. Entlassungsvorbereitung fänden nur noch auf dem Papier statt, Wegsperren statt Resozialisierung bestimme den Alltag, Drogenmissbrauch nehme zu. Bereits vor knapp einem Jahr schrieben Gefangene aus Bützow eine Petition an den Landtag, in der sie fehlenden Aufschlusszeiten kritisierten.

„Der Krankenstand war in der JVA Bützow in den vergangenen Wochen hoch“, bestätigt das Schweriner Justizministerium. „Der Dienstbetrieb und die Sicherheit waren aber zu jedem Zeitpunkt gewährleistet.“

Mehr lesen: Massive Drogenprobleme in Gefängnissen in MV

Gerald Kleine Wördemann

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