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2000 Euro Strafe: Wer Retter im Einsatz ausbremst, soll zahlen

Rostock 2000 Euro Strafe: Wer Retter im Einsatz ausbremst, soll zahlen

In einer Petition fordern bereits 7600 Menschen ein drastisches Bußgeld für Autofahrer, die keine Rettungsgasse bilden / Kritiker bemängeln fehlendes Training in Fahrschulen

Rostock. Beim Verkehrsunfall zählt für Verletzte jede Sekunde. Doch oft müssen sich Sanitäter, Notarzt und Feuerwehr erst lange durch Staus quälen, bevor sie helfen können.

 

OZ-Bild

Manche Fahrer machen erst Platz, wenn das Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn direkt hinter ihnen steht. Schlimmstenfalls kann das Leben kosten. Deshalb fordert eine Online-Petition härte Strafen für jene, die sich buchstäblich quer stellen. Wer im Notfall keine Rettungsgasse bildet, soll statt wie bisher 20 Euro künftig 2000 Euro zahlen müssen. 133 Menschen aus MV hatten die Petition bis gestern schon unterschrieben. Knapp 7600 Unterstützer sind es bundesweit.

Auf den Straßen in MV haben Retter meist freie Bahn. Doch jetzt zur Ferienzeit kann es eng werden, sagt Landesbrandmeister Hannes Möller. Damit Einsatzkräfte auch bei stockendem Verkehr rasch ans Ziel kommen, seien Rettungsgassen enorm wichtig. Dennoch gibt es oft kein Durchkommen. Möller ist bei Einsatzfahrten schon öfter ausgebremst worden. Er würde ein höheres Bußgeld begrüßen. Wichtiger sei es jedoch, aufzuklären. „Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie andere gefährden.“ Hinzu komme, dass die meisten nicht gelernt hätten, wie man Rettern richtig Platz macht. Rettungsgassen müssten in Fahrschulen intensiv trainiert werden, nicht nur in der Theorie.

Eine von der Johanniter-Unfall- Hilfe in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage bestätigt Möller. Demnach weiß nur jeder dritte Führerschein-Inhaber in Deutschland, wie die Rettungsgasse gebildet wird.

Kein Wunder, die Vorschrift in der Straßenverkehrsordnung ist wenig einprägsam (Infokasten). Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) plant, die Regel einfacher zu formulieren. Zuspruch bekommt er von Christian Pegel (SPD). Einen Bedarf, das Bußgeld zu erhöhen, sieht der Landesverkehrsminister in MV aber nicht.

ADAC-Sprecher Hans Duschl nimmt Autofahrer in Schutz. Oft sei es „Gedankenlosigkeit, keine böse Absicht.“ Ein Bußgeld löse das Problem nicht. Das sieht die Polizei anders. „Eine Gasse zu bilden, ist nicht schwer und wird dennoch oft nicht gemacht“, sagt Isabel Wenzel vom Polizeipräsidium Rostock. Versuche, ignorante Autofahrer mit Straßenbannern eines Besseren zu belehren, hätten nicht den erwünschten Erfolg gehabt. 50 Euro Geldbuße würden als Abschreckung aber genügen. Einen mindestens dreistelligen Betrag fordert Werner Kuhn, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes in MV. „20 Euro sind nicht viel mehr als man für Parkvergehen zahlen muss. Dabei geht es hier um Menschenleben.“

Die Strafe durchzusetzen, dürfte allerdings schwerfallen, gibt Brandmeister Möller zu bedenken. Die Unterzeichner der Petition fordern deshalb eine Dash-Cam-Erlaubnis für Einsatzkräfte, um Beweise zu sammeln. Seite 2

• Petition: www.openpetition.de

Diese Vorschrift gilt im Notfall

„Stockt der Verkehr auf Autobahnen und Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung, müssen Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen in der Mitte der Richtungsfahrbahn, bei Fahrbahnen mit drei Fahrstreifen für eine Richtung zwischen dem linken und dem mittleren Fahrstreifen, eine freie Gasse bilden.“ Die Novelle: „ . . . müssen Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußersten linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrsteifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“

Antje Bernstein

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