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326 Mal am Tag: Patienten liegen immer öfter in der CT-Röhre

Rostock 326 Mal am Tag: Patienten liegen immer öfter in der CT-Röhre

Zahl der Computertomografien in MV steigt deutlich / Ärztekammer sieht medizinischen Fortschritt als Ursache / Kritik vom Bundesamt für Strahlenschutz

Rostock. Zu viel unnötige Strahlung? Die Zahl der Computertomografien (CT) ist in den Krankenhäusern Mecklenburg-Vorpommerns deutlich gestiegen. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) sind 2014 rund 119 000 CTs verordnet worden. Das sind 326 am Tag, 2009 waren es 277. Warum Kopf, Bauch und Brust immer häufiger durchleuchtet werden, „darüber lässt sich nur spekulieren“, sagt TK-Sprecher Kevin Nowotka. Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern seien zwar älter geworden, aber nicht mehr.

Bundesweit bemängeln Experten, dass viele Untersuchungen unnötig seien. Die Ärzte griffen zu selten auf Diagnosen zurück, die bereits bei früheren Behandlungen von anderen Medizinern für den jeweiligen Patienten erstellt wurden. Also werden die Patienten noch mal in die Röhre geschoben.

Dabei ist die Strahlenbelastung bei einer CT vielfach höher als bei einer normalen Röntgenuntersuchung. Das berichtet Anne Katrin Henning von der Deutschen Röntgengesellschaft: „Deshalb muss man gut abwägen, ob so eine Untersuchung wirklich notwendig ist.“

Laut Andreas Crusius, Präsident der Ärztekammer MV, lässt sich die Zunahme der CTs medizinisch begründen: „Es gibt heute eine stärkere Prävention, etwa gegen Darmkrebs. Wenn dem Arzt bei diesen Untersuchungen etwas auffällt, besagen die Leitlinien, dass er ein CT machen soll.“ Zudem gebe es Verletzungen, besonders bei Stürzen, die auf herkömmlichen Röntgenbildern nicht zu sehen seien. „Die Menschen werden immer älter und stürzen daher auch häufiger“, sagt Crusius.

Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz sind CTs ein Hauptgrund für den Anstieg der individuellen Strahlenbelastung in Deutschland. Hier werde im internationalen Vergleich zu viel geröntgt.

Zwar werde meist eine niedrige Strahlendosis angewandt, trotzdem berge jede Untersuchung ein zusätzliches Risiko, später an Krebs zu erkranken.

In Mecklenburg-Vorpommern hat sich der Einsatz von bildgebender Diagnostik in den letzten Jahren um fast 30 Prozent erhöht. 2009 sind in den Kliniken rund 196 000 solcher Verfahren angewandt worden, 2014 waren es bereits 254 000. An der Spitze standen dabei Computertomografien. Danach folgten knapp 50000 Magnetresonanztomografien (MRT) und fast 21 000 Ultraschalluntersuchungen. Nach Aussage von Manon Austenat-Wied von der Techniker Krankrankenkasse könnten Röntgenpässe helfen, unnötige Wiederholungsuntersuchungen zu vermeiden. Ideal wäre eine digitale Lösung: „In Zukunft sollten diese Aufnahmen in einer elektronischen Patientenakte gespeichert werden.“

Bislang gibt es Röntgenpässe nur in gedruckter Form. Diese werden laut Bundesamt für Strahlenschutz oft nur auf Wunsch des Patienten vom Arzt zur Verfügung gestellt. Umso wichtiger sei es, die Patienten zu ermutigen, gezielt nach solchen Pässen zu fragen.

Kerstin Schröder

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