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MV aktuell A-20-Loch Tribsees: Die ersten Brücken-Teile sind da
Nachrichten MV aktuell A-20-Loch Tribsees: Die ersten Brücken-Teile sind da
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10:54 26.09.2018
Beim Abladen: Vorsichtig dirigieren Bauleute die ersten Segmente für die Behelfsbrücke über das A-20-Loch bei Triebsees. Quelle: Norbert Fellechner
Tribsees

Behend klettern Patrick Glawe (27) und Falko Ring (32) auf den Tieflader. Mit geübten Griffen befestigen sie die Ketten am ersten Segment. Anschlagen nennt das der Fachmann. An den Ketten wird der Kran das Brückenteil wenige Minuten später vom Lkw heben. Vorsichtig und schön langsam. Kranfahrer Peter Böhm weiß, dass Patrick und Falko am Boden die Führungsleinen halten und hinterherkommen müssen.

Für den Bau der Behelfsbrücke über das A-20-Loch bei Tribsees trafen am Dienstag die ersten Stahlsegmente ein - OZ-Reportage von der Baustelle. Spätestens Anfang Dezember soll dort der Verkehr rollen.

Ruhig schwebt das 33 Meter lange Stahlteil, das für die Behelfsbrücke am A20-Loch bei Tribsees (Vorpommern-Rügen) bestimmt ist, in Richtung Fahrbahnrand. Peter Böhm beherrscht seinen Job. Ohne Probleme setzt der 45-Jährige die mehr als 40 Tonnen schwere Last ab. Flink lösen die beiden Anschläger das „Gehänge“, wie Patrick Glawe sagt. Geschafft.

Bauteile für Brücke werden verladen

Damit haben die Stralsunder Filiale von H.N.Krane und ihre Mitstreiter von MS Windkraft Grimmen an diesem Morgen die erste Bewährungsprobe bestanden. Die niederländische Firma Janson Bridging hat die Jungs aus Vorpommern für das Verladen der angeheuert. „Es läuft gut.“ Stephan Mertens von H.N.Krane ist zufrieden. Für ihn ist der Auftrag ein Heimspiel, der 32-Jährige wuchs bei Grimmen auf. Mertens ist froh, dass es auf der Baustelle voran geht. Auch Mitarbeiter von H.N.Krane, die zwischen den Standorten Stralsund und Groß Schwaß bei Rostock pendeln, leiden unter den Umleitungen.

Im Herbst 2017 war die A20-Fahrbahn bei Tribsees nach zwölf Jahren Nutzung auf knapp 100 Metern Länge im moorigen Grund des Trebeltals weggesackt. Seitdem macht das A20-Loch bundesweit Schlagzeilen. Zusammen mit Roger Deperade (54), Projektleiter bei Janson Bridging, gibt er dem Kranfahrer ein Zeichen. Das zweite Segment kann verladen werden.

„Wir hatten schon Angst, dass die letzte Genehmigung nicht kommt“

In aller Herrgottsfrühe war Dienstag Morgen ein Schwerlasttransport mit den ersten drei der insgesamt 27 benötigten Brückenteile aus dem niederländischen Hank in Vorpommern eingetroffen. „Um 2.45 Uhr waren wir hier“, erzählt Truckfahrer Guus Van Oort. Nach 700 Kilometern und rund neun Stunden Fahrt. „Aber wir sind gut durchgekommen“, meint der 37-Jährige – und schaut noch etwas müde drein.

„Wir hatten schon Angst, dass die letzte Genehmigung nicht rechtzeitig kommt“, sagt Ronald Normann, der im Güstrower Landesamt für Straßenbau und Verkehr für die Autobahnen im Land zuständig ist. Fünf Bundesländer mussten dem Schwerlasttransport zustimmen. „Die Ämter haben stapelweise solche Anträge auf dem Tisch.“ Doch es klappte: Montag kam auch die Genehmigung aus Nordrhein-Westfalen. Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hatten schon vorher zugestimmt.

Verkehr rollt erstmal in beide Richtungen einspurig

Mittwoch kommt bereits der zweite Transport. „Bis Freitag wollen wir zwölf Teile hier haben“, sagt Roger Deperade. Der gebürtige Berliner arbeitet seit 25 Jahren für die holländische Firma. In acht bis zehn Wochen soll der Verkehr über die 773 Meter lange Behelfsbrücke rollen, jeweils einspurig in beide Richtungen. So jedenfalls hat es Landes-Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) erst in der vorigen Woche noch einmal bekräftigt.

Noch führen Umleitungen durch Langsdorf und Böhlendorf, die Einwohner sind genervt. Tausende Autos und Lastwagen rollen täglich durch ihre kleinen Orte. Kilometerlange Staus verärgerten im Sommer auch die Urlauber. „Spätestens Anfang Dezember, vielleicht schon Ende November hat das ein Ende“, hofft Autobahn-Abteilungsleiter Normann. Auf zwei Jahre ist die 50 Millionen teure Übergangslösung ausgelegt. Parallel dazu entsteht in Richtung Rostock das endgültige neue Autobahnstück.

Subunternehmen mit Mitarbeitern aus Frankreich, Österreich, Osteuropa

Bis die ersten Autos bei Langsdorf wieder über die Autobahn-Piste rollen, ist noch allerhand zu tun. Normann zeigt auf Baugruben, in denen Arbeiter Beton gießen. Derzeit erhalten die über 300 Gründungspfähle Überbauten aus Beton. Darauf werden ab Mitte Oktober die Brückensegmente montiert. Männer aus vielen Nationen bevölkern die Baustelle. Normann: „Wir haben den Auftrag ja europaweit ausgeschrieben.“ Die Berliner Tiefbau-ARGE Bauer-Züblin habe Subunternehmen mit Mitarbeitern aus der Schweiz, Frankreich, Österreich, Bulgarien und Osteuropa.

Kranfahrer Peter Böhm hat im Zusammenspiel mit den Anschlägern Patrick Glawe und Falko Ring inzwischen seinen Auftrag erledigt. Passgenau lagern drei Brückensegmente übereinander am Autobahnrand.

Ehlers Elke

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