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MV aktuell Probefahrt am A-20-Loch: Sind Huckel auf Behelfsbrücke eine Gefahr?
Nachrichten MV aktuell Probefahrt am A-20-Loch: Sind Huckel auf Behelfsbrücke eine Gefahr?
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12:17 05.01.2019
Die Schwellen auf der Behelfsbrücke über dem A-20-Loch. Quelle: Juliane Schultz
Langsdorf

Freud und Leid liegen bekanntlich eng beieinander. Die Behelfsbrücke am A 20-Loch bei Langsdorf bestätigt diese Binsenweisheit eindrucksvoll. Große Erwartungen waren mit dieser Brücke verbunden. Die Anwohner hofften auf ruhigere Nächte und ein Leben ohne Blechlawinen vor der Tür. Autofahrer hofften auf ein Ende der quälenden Staus. Aber Pustekuchen!

15 Monate nach dem Einsturz der Autobahn im Trebeltal gab Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) vor drei Wochen das Provisorium über dem Loch frei. Als erster Härtetest erwies sich der Feiertagsverkehr zum Jahreswechsel. Die Bilanz fällt bislang durchwachsen aus.

Immer wieder Stau

Sowohl um die Weihnachtszeit als auch nach Neujahr gab es laut Verkehrsmeldungen bis zu fünf Kilometer stockenden Verkehr auf der A 20 bei Tribsees. Ronald Normann, Abteilungsleiter im Landesamt für Straßenbau und Verkehr, bestätigt: „Während der Feiertage kam es immer mal wieder zu Stauerscheinungen.“

Gelegen habe das erstens am hohen Verkehrsaufkommen und zweitens an der Zusammenführung von zwei Spuren je Fahrtrichtung auf eine Spur.

Die Behelfsbrücke über den inzwischen verschwundenen Krater an der A 20 bei Tribsees ist in Betrieb. Für die OZ eine gute Gelegenheit, zurückzuschauen.

Ist die Behelfsbrücke gefährlich?

Kfz-Meister Manfred Stachurski meint, dass es noch einen dritten Grund für den Rückstau vor der Behelfsbrücke gibt. Für die OSTSEE-ZEITUNG hat er eine Probefahrt über die Brücke gemacht. „Ich habe die Meldungen im Radio gehört und mich gefragt, warum da Stau ist. Bei erlaubten 60 km/h müsste der Verkehr doch fließen. Aber jetzt ist mir das klar“, sagt er. Nach seiner ersten Fahrt über die Brücke ist der 71-Jährige überrascht: „Die Leute bremsen plötzlich auf 25 km/h runter, wenn sie über den ersten Huckel gefahren sind. Das ist eine richtige Unfallquelle.“

Es sind die Stahlschwellen über den Dehnungsfugen zwischen den Brückensegmenten, die Stachurski meint. 13 solcher Hindernisse gibt es auf der transportablen Brücke. Fazit des Fachmanns, der eine freie Werkstatt in Bad Sülze betreibt: „Kaum möglich, hier schneller als 25 zu fahren. Das geht auf die Stoßdämpfer. Ich kann mir vorstellen, dass hier so manches ältere Auto den Auspuff verliert.“ Er atmet tief durch: „So schlimm habe ich mir das nicht vorgestellt.“

Alternativen zur A-20-Behelfsbrücke. Quelle: Arno Zill

Bürgermeister zufrieden mit Brücke

Ganz anders klingt das Resümee zur Behelfsbrücke aus dem Mund von Hartmut Kolschewski. „Jetzt ist alles gut“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Langsdorf und spricht damit vielen Einwohnern aus dem Herzen. „Unsere Freude über die Brücke hält an.“ Der 65-Jährige räumt allerdings ein, dass hin und wieder ein Klappern zu vernehmen sei. Insbesondere Transporter und leere Lkw poltern über die Erhöhungen auf der Straße.

„Doch nur wenn der Wind aus Osten kommt, ist das im Dorf laut zu hören. Daran gewöhnen wir uns schon noch.“ Der Verkehr im Ort habe drastisch abgenommen, sagt Kolschewski erleichtert. „Wir genießen es jetzt erst mal, wieder ungehindert unsere Grundstücke verlassen zu können.“

Brücken-Bilanz: Schulnote „ausreichend“

Freude also in Langsdorf, Ernüchterung bei den Autofahrern. Streng genommen kann die Brücke also nur 50 Prozent der mit ihr verbundenen Erwartungen erfüllen. In der Schule ergäben 50 Prozent ein „Ausreichend“, also Note vier. Ob die Brücke wirklich ausreicht oder ob an den Schwellen und Geschwindigkeitsvorgaben noch Änderungen vorgenommen werden müssten, wird sich wohl spätestens Ostern zeigen.

Weiterlesen: Video: A 20 bei Tribsees wieder frei – es macht klack, klack

Juliane Schultz

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