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A 20-Wildschweine vor dem Abschuss?

Wismar A 20-Wildschweine vor dem Abschuss?

Eine Rotte bremst die Autofahrer aus / Die Tiere zu vergrämen, ist noch nicht gelungen

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Wildschweine sind Allesfresser. Gern durchwühlen die Tiere den Boden nach Wurzeln, Würmern, Schnecken und Mäusen.

Quelle: Tilo Wallrodt

Wismar. Müssen die Wildschweine an der A20 erlegt werden? Bislang sind alle Versuche, die Tiere vom Rand der Autobahn zu vertreiben, gescheitert. „Das ist auch äußerst schwierig“, sagt Ulf-Peter Schwarz vom Landesjagdverband. Fühle sich Schwarzwild an einem Ort sicher, bleibe es dort und kehre immer wieder dorthin zurück. „Deshalb wird man die Wildschweine wohl selektiv bejagen müssen“, vermutet Schwarz.

OZ-Bild

Eine Rotte bremst die Autofahrer aus / Die Tiere zu vergrämen, ist noch nicht gelungen

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Seit anderthalb Wochen müssen Autofahrer auf der A20 bei der Abfahrt Wismar-Mitte runter vom Gas. Auf anderthalb Kilometern gilt Tempolimit 60. Ursache ist eine zwölf bis 15-köpfige Wildschwein- Rotte (die OZ berichtete). Die läuft über die Anschlussstelle zum Fahrbahn-Rand, um das Erdreich nach Nahrung zu durchwühlen. „Die Wildschutzzäune in dem Bereich sind in Ordnung“, teilt das Verkehrsministerium mit.

Wie Michael Harnack vom Autobahnpolizeirevier Wismar berichtet, sei es noch nicht zu Unfällen gekommen. Die meisten Verkehrsteilnehmer würden sich an das Tempolimit halten. In der vorletzten Nacht seien die Tiere von drei Autofahrern gesehen worden. Harnack vermutet, dass sich die Schwarzkittel nach dem Abernten der Maisfelder ein neues Zuhause gesucht haben. Und das wollen sie anscheinend so schnell nicht wieder verlassen. Obwohl es ihnen seit dem Wochenende in der Umgebung widerlich stinken dürfte. Polizeibeamte haben ein Vergrämungsmittel ausgelegt, dass den Tieren die Anwesenheit natürlicher Feinde vorgaukeln soll. Doch das ist den Schwarzkitteln irgendwie schnuppe. Nachdem am Montag von ihnen angerichtete Schäden beseitigt wurden, waren bereits gestern früh wieder frisch aufgewühlte Erdhaufen zu sehen. Bis zum 24. Oktober soll nun der Boden jeden Tag geglättet und tags darauf untersucht werden. So will das Schweriner Verkehrsministerium feststellen, ob der Duft-Plan nicht doch noch funktioniert und die Stelle für die Wildschweine unattraktiver wird. Bis dahin bleibt auch die Tempo-Anordnung von 60 km/h bestehen.

Erst im Mai waren mit erheblichem Aufwand Rehe von der A 20 vertrieben worden. Die hatten sich zuvor monatelang zwischen den Anschlussstellen Sanitz und Dummerstorf (beide Landkreis Rostock) das Gras am Fahrbahnrand schmecken lassen. Das Problem: Kollidiert ein Autofahrer bei 130 km/h mit einem Tier, könnte das für ihn tödlich enden.

Ursprünglich sollten die Rehe bejagt werden. Doch nachdem es heftigen Protest von Tierschützern gegeben hatte, waren knapp 40 Jäger und Mitarbeiter der Autobahnmeisterei stundenlang unterwegs, um die Rehe zu vertreiben. Die Autobahn musste währenddessen komplett gesperrt werden.

Bisher sind die Rehe nicht wieder zurückgekehrt. Einen ähnlichen Erfolg bei den Wildschweinen hält Ulf-Peter Schwarz vom Landesjagdverband für unwahrscheinlich. „Sie kommen nur dann nicht wieder, wenn sie merken, dass sie dort nicht mehr sicher sind“, erklärt er. Und das würde passieren, wenn man „den Jagddruck erhöht“.

Das Verkehrsministerium hat die Gespräche mit der unteren Jagdbehörde aufgenommen. Vertreibung und Abschuss seien möglich. „Letztlich geht es aber darum, die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten“, teilt eine Ministeriumssprecherin mit.

Wildstatistik

Im Jagdjahr 2015/16 wurden in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben des Agrarministeriums mehr als 57600 Wildschweine geschossen. Außerdem wurden fast 8000 Stück Rotwild erlegt – das ist neuer Rekord seit Beginn der Wildstatistik im Jahr 1972. Auch bei Schalenwild sei mit fast 133000 Tieren mehr erlegt worden als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Bei Rehwild wurde das Niveau mit knapp 55000 Tieren gehalten.

Kerstin Schröder

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