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MV aktuell Hiobsbotschaft für Autofahrer: Neue A20-Trasse erst 2023 fertig
Nachrichten MV aktuell Hiobsbotschaft für Autofahrer: Neue A20-Trasse erst 2023 fertig
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06:17 13.02.2019
A20 bei Tribsees: Seit Dezember sollt der Verkehr über eine Behelfsbrücke. Erst Ende 2023 soll die Trasse komplett befahrbar sein. Quelle: dpa
Rostock

Erst der Abrutsch, dann 14 Monate zähe Umleitung, nun die nächste Hiobsbotschaft: Die Autobahn 20 bei Tribsees wird wohl noch fünf Jahre lang Autofahrer verärgern. Frühestens Ende 2023 soll das Kapitel um das A20-Loch beendet, die Trasse wieder vollständig befahrbar sein. Die Wirtschaft ist alarmiert.

„Voraussichtlich Ende 2023“ – so steht es in einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Leif-Erik Holm. Der AfD-Mann kann es nicht fassen: Die A20 und der neue Berliner Flughafen würden sich wohl „ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Deutschlands peinlichste Baustelle liefern“. Sorge herrscht in der Wirtschaft. „Besser heute als morgen“ sollte die A20 ungehindert befahrbar sein, sagt Claus Ruhe Madsen, Präsident der IHK Rostock. „Die durchgängige Befahrbarkeit ist besonders für den Wirtschaftsverkehr, den Tourismus und für Pendler ganz entscheidend.“ Wolfgang Waldmüller, Präsident des Tourismusverbandes MV, hält den Zeitverzug für fatal: „Das bedeutet weiter Stau in der Urlaubssaison. Und jeder Stau ist unbefriedigend.“

Bisher wurde stets 2021 als Fertigstellungs-Termin genannt

MV-Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) hatte in der Vergangenheit 2021 als Termin der Fertigstellung genannt. Jetzt hält sich Pegel bedeckt. Eine seriöse Prognose sei vor Abschluss der Planungen der neuen Brücken nicht möglich, so seine Sprecherin. Ziel sei ein Zeitpunkt „vor 2025“. Die Kosten für den Ersatz des Autobahnteilstücks sollen am Ende bei rund 160 Millionen Euro liegen, mehr als vier mal so viel, wie das alte Teilstück an der Stelle gekostet hat. „Mal wieder müssen die Bürger für schlampige Planungen tief ins Portemonnaie greifen“, so Holm. Dies sei eine „exorbitante Steuergeld-Verschwendung“.

Die Behelfsbrücke über den inzwischen verschwundenen Krater an der A 20 bei Tribsees ist in Betrieb. Für die OZ eine gute Gelegenheit, zurückzuschauen.

Die Ursache des A20-Abrutsches im Herbst 2017 steht laut Bundesministerium immer noch nicht fest. Auf einer Strecke von rund 100 Metern war die komplette Fahrbahn weggesackt, seit Dezember ist eine Behelfsbrücke in Betrieb. Unabhängige Ingenieure hatten kürzlich festgestellt: Die Pfähle aus einem Sand-Zement-Gemisch hätten im Moor nie verwendet werden dürfen, dies sei kein klassisches Gründungsverfahren.

Die Verantwortung schiebt der Bund an die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs und -bau GmbH (Deges) weiter: Diese habe das umstrittene Gründungsverfahren auf Pfählen im Moor vergeben. Schadensersatzansprüche für die 2005 beendete Autobahn bei Tribsees seien 2010 verjährt. Sollten sich doch Hinweise auf Mängel bei Planung und/oder Bau finden, werde man Ansprüche prüfen, so Enak Ferlemann (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.

Erste „Setzungen“ der Trasse wurden bereits 2006 festgestellt

Nach Auskunft des Bundes hat es bereits vor Jahren „Setzungen“ am A20-Teilstück gegeben. 2006, 2010 und 2014 seien diese durch Deckenerneuerung „ausgeglichen“ worden. Frühe Hinweise auf das spätere Chaos? Das Schweriner Ministerium bestätigt die „kleineren Unebenheiten“ der Fahrbahn. „Diese standen aber nicht im Zusammenhang mit dem Versagen der Konstruktion“, so Pegels Sprecherin.

AfD-Mann Holm reichen die Antworten nicht. Er fordert ein Experten-Gutachten, „das über die Ursachen dieser Peinlichkeit aufklärt“. Seine Kritik: Die Planer hätten auf „Zahnstocher“ statt klassische Bohrpfähle gesetzt.

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Frank Pubantz

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