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Ab ins Gleis: 17-Jährige erobert Männerdomäne bei der Bahn

Rostock Ab ins Gleis: 17-Jährige erobert Männerdomäne bei der Bahn

Swea Högström lässt sich in Rostock zur Gleisbauerin ausbilden — als derzeit einziges Mädchen in Mecklenburg-Vorpommern

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Der Abstand muss stimmen: Swea Högström (17) misst die Spanne zwischen den Schienen.

Quelle: Fotos: Dietmar Lilienthal

Rostock. Swea Högström geht mit schwerem Gerät in die Gleise. Der Stopfer wiegt 36 Kilogramm, die Flex nicht viel weniger. Doch die Gewichte stemmt die 17-Jährige locker weg.

OZ-Bild

Swea Högström lässt sich in Rostock zur Gleisbauerin ausbilden — als derzeit einziges Mädchen in Mecklenburg-Vorpommern

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„Das ist gutes Training“, lacht das junge Mädchen. Eine halbe Stunde am Stück habe sie mal das rüttelnde Stopfgerät ins Schotterbett gedrückt. „Alles hat vibriert, der Boden gebebt, aber es hat Spaß

gemacht“, betont Swea Högström. Seit September lässt sie sich bei der Deutschen Bahn in Rostock zur Gleisbauerin ausbilden — zurzeit als einzige Frau in Mecklenburg-Vorpommern. Dass sie meist nur männliche Kollegen hat, stört die Azubine aus Reinshagen (Landkreis Rostock) nicht. „Ich komme damit gut zurecht.“

Wegen der körperlichen Belastung sorgen seit Jahren vor allem starke Männer dafür, dass die Schienen immer schön glatt und gerade bleiben, berichtet Ausbildungsleiter Holger Koldrack. Gleise und Weichen werden verlegt und erneuert. Stopfer kommen zum Einsatz, wenn sich die Gleise abgesenkt haben. Sie pressen Schotter unter die Schwellen und verdichten sie. „Das geht ganz schön in die Oberarme“, gibt Swea Högström zu. Trotzdem: Sie habe die richtige Wahl getroffen.

Erzieherin oder Gleisbauerin? Diese Frage hat sich Swea Högström lange gestellt und Praktika in beiden Bereichen absolviert. Das bei der Deutschen Bahn hat ihr besser gefallen — vielleicht auch, weil sie das handwerkliche Geschick von ihrem Vater geerbt hat. Wim Högström ist auch Gleisbauer. Ob sie mal Seite an Seite arbeiten, wer weiß. Noch steht bei der 17-Jährigen hauptsächlich die Theorie im Vordergrund. Die dreht sich im ersten Lehrjahr vor allem um den Tiefbau. Das Wissen dazu wird in der Berufsschule in Magdeburg vermittelt. „In meiner Klasse sind wir zu acht, auch dort bin ich das einzige Mädchen“, erzählt Swea Högström. Im Sommer sei sie für drei Monate in Rostock, dann geht es in die Gleise.

„Wir versuchen die Arbeit so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten und die jungen Leute zu fördern“, sagt Holger Koldrack. Die Chance übernommen zu werden, sei gut. „Der Altersdurchschnitt ist sehr hoch, Nachwuchs wird dringend gebraucht.“ Viele Lehrlinge würden die Gleisbauer-Ausbildung als Grundstein nutzen und sich danach weiterqualifizieren, zum Beispiel zum Bauüberwacher. In dieser Sparte gebe es auch immer mehr Frauen. Ziel des Konzerns ist, den weiblichen Anteil der Beschäftigten kontinuierlich auszubauen. Bis 2020 sollen ein Viertel der Belegschaft Frauen sein. Zurzeit sind es 18,3 Prozent von deutschlandweit rund 200 000 Mitarbeitern. Sie arbeiten in Logistik, IT, Ingenieurswesen und bei der Instandhaltung, zu der die Gleisbauer gehören. Sie rütteln nicht nur den Schotter zurecht. Sie vermessen auch regelmäßig den Abstand zwischen den Schienen, kontrollieren deren Oberfläche, reparieren alle Schwachstellen. „Sie halten die Infrastruktur instand, sie sorgen für sichere und angenehme Bahnfahrten“, betont Koldrack. Unterwegs sind Gleisbauer mit ihren speziellen Bahnfahrzeugen bei Wind und Wetter, zu jeder Tageszeit. Swea Högström stört das nicht: „Mir war klar, dass es ein anstrengender, schmutziger Beruf ist, aber ich will keinen anderen.“

Frauenanteil soll aufgestockt werden

127 Azubis bildet die Deutsche Bahn zurzeit in Mecklenburg- Vorpommern aus. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen im Nordosten rund 3630 Mitarbeiter. Deutschlandweit sind es 200 000 Beschäftigte, darunter 45 600 Frauen. Bis 2020 soll ein Viertel der Belegschaft weiblich sein und jede fünfte Führungsposition von einer Frau besetzt sein. In dem körperlich sehr anstrengenden Beruf Gleisbauer sind bundesweit nur sehr wenige Frauen zu finden.

Von Kerstin Schröder

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