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MV aktuell Abgehängt in MV: Auf dem Land rollen Bus und Bahn zu wenig
Nachrichten MV aktuell Abgehängt in MV: Auf dem Land rollen Bus und Bahn zu wenig
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21:07 26.11.2018
Die Landbevölkerung in MV nutzt nur selten Bus und Fahrrad. Quelle: dpa
Rostock

70 Prozent der Einwohner MVs auf dem Lande fühlen sich bei Verkehrsangeboten abgehängt. Das ist ein Ergebnis des aktuellen ADAC-Monitors, der Mobilität in 13 Flächenländern vergleicht. 51 Prozent der Befragten im Nordosten wünschen sich mehr Freiheit durch Bus, Bahn oder Fahrdienste. Allerdings sind sie dennoch zufriedener als anderswo mit ihrer Mobilität. Hauptgrund: Zwei Drittel nutzen das Auto.

„Ohne Auto geht auf dem Land fast nichts“, sagt ADAC-Vizepräsident Ulrich Becker. Das gelte für MV, dem Land mit dem höchsten Flächenanteil, umso mehr. 67 der Befragten sind hier Vielnutzer von Auto, Motorrad oder Moped. Dagegen stiegen nur neun Prozent an mehr als 100 Tagen pro Jahr aufs Rad und nur acht Prozent in öffentliche Verkehrsmittel. Becker stellt fest: Die Sicherung von Mobilität sei Daseinsvorsorge. „Dieser Aufgabe muss sich der Staat stellen.“ Der ADAC hat bundesweit 3400 Menschen befragt – repräsentativ.

Schlecht kommt MV in einigen Bereichen davon: Mobilität kostet auf dem Land viel, finden 58 Prozent. Mit den Radwegen zu Nachbargemeinden ist fast jeder Zweite unzufrieden. Ein ähnliches Bild bei Bus und Bahn: Taktung, Preise oder Service bei Störungen halten rund 50 Prozent für ungenügend. Überwiegend positiv werden dagegen Angebot und Zustand von Straßen auf dem Land bewertet.

„Nicht überrascht“ ist Horst Krumpen vom Fahrradklub ADFC in MV. Er bemängelt: „Radfahren und ÖPNV schließen sich in weiten Landesteilen aus.“ Sicher würden viele Nutzer umsteigen, wenn sie ihr Rad mit in den Bus nehmen könnten. Auch ein Bus- und Bahn-Ticket für ganz MV wäre sinnvoll. Krumpen fordert auch ein besseres Radwegenetz. Das gleiche in MV „einem Schweizer Käse“. Marcel Drews vom Fahrgastverband Pro Bahn MV plädiert seit langem für einen Ausbau des Schienennetzes: „Vielerorts fehlt das tägliche Angebot.“ Es sei kein Wunder, dass so viele Einwohner auf das Auto ausweichen.

„Derzeit ist das Nahverkehrsangebot keine Alternative zum Auto“, sagt Mignon Schwenke, Linke im Landtag. „Zweistundentakt, umsteigen mit Warten und noch dazu teuer – das tut sich niemand an, der nicht muss.“ Grünen-Landeschefin Ulrike Berger fordert alternative Verkehrskonzepte wie Rufbus-Systeme. Auch für Touristen müssten mehr Angebote her: „Darum brauchen wir die Süd- und Darßbahn, aber auch die Usedom-Bahnanbindung über die Karniner Brücke, um Touristen dazu zu motivieren, ihre Urlaubsreise mit der Bahn anzutreten“, so Berger. Kostenlose Bus- und Bahnangebote könnten über die Kurtaxe finanziert werden.

Das Verkehrsministerium verweist auf finanzielle Grenzen. MV sei nun einmal „das am dünnsten besiedelte Flächenland“. An der Verbesserung der Infrastruktur werde stetig gearbeitet. So sei der Aus- und Neubau von Radwegen „eine Daueraufgabe“. Derzeit zahlten Bund, Land und Kreise rund 340 Millionen Zuschüsse für Bus- und Bahnverkehr pro Jahr, erklärte kürzlich Minister Christian Pegel (SPD).

Schlusslicht im Ländervergleich ist MV laut ADAC-Monitor übrigens beim Internetausbau. Rund die Hälfte der Befragten findet dies nicht ausreichend.

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