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Abi up Platt: Brodkorb will Mundart zum Schulfach machen

Schwerin Abi up Platt: Brodkorb will Mundart zum Schulfach machen

Autoren und Vereine begrüßen die Idee / Linke lehnt Vorhaben ab

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Mathias Brodkorb (SPD)

Quelle: Stefanie Link

Schwerin. Abitur in Platt: Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) will Niederdeutsch als neues Abiturfach in Mecklenburg-Vorpommern etablieren. Im Juni sollen die ersten Schulen ausgewählt werden, an denen Plattdeutsch unterrichtet wird. Das Vorhaben ist ein Schwerpunkt des 6,5 Millionen Euro schweren Landesprogramms „Meine Heimat — Mein modernes Mecklenburg-Vorpommern“. Damit will die Landesregierung erreichen, dass die Menschen in MV ein modernes Heimatgefühl entwickeln. Bei Plattdeutsch-Autoren und in Heimat-Vereinen stößt Brodkorbs Idee auf großes Interesse. Dagegen lehnt die Linke im Schweriner Landtag ein neues Schulfach Plattdeutsch ab.

Millionen sprechen Platt

10 Millionen Menschen weltweit werden als „Passivsprecher“ des Niederdeutschen oder Plattdeutschen angesehen. Bis zu zwei Millionen sind Muttersprachler oder haben gute Kenntnisse. Gesprochen wird Plattdeutsch in Deutschland, Holland, Dänemark, Russland, Kasachstan, Kirgistan, Kanada, USA, Mexiko, Belize, Brasilien, Bolivien, Paraguay.

Brodkorb sieht mehrere Gründe dafür, Niederdeutsch in Schulen zu unterrichten. „Im Land gibt es ein breites Interesse — zunehmend unter Kindern und Jugendlichen“, sagt Brodkorb. Gremien, wie der Niederdeutsch-Beirat des Bildungsministeriums und der Heimatverband, dringen seit langem darauf, Niederdeutsch zu unterrichten. „MV hat die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen unterzeichnet“, sagt Brodkorb. Diese Verpflichtung müsse im Land endlich umgesetzt werden.

Laut Bildungsministerium soll das neue Unterrichtsfach als freiwilliges Angebot im Schuljahr 2017/18 eingeführt werden. „Niederdeutsch anstelle einer zweiten Fremdsprache an weiterführenden Schulen ab Klasse 7“, heißt es dazu im Landesheimatprogramm. Ebenso: „Einrichtung von vier Gymnasien, an denen Niederdeutsch bis zum Abitur als Fremdsprache erlernt und abgeschlossen werden kann.“ Jede der Schulen bekommt eine zusätzliche Lehrerstelle fürs Plattdeutsche. „Jede Schule entscheidet selbst, ob sie Niederdeutsch anstelle einer zweiten Fremdsprache anbieten will“, betont Brodkorb. Nun sollen entsprechende Lehrbücher entwickelt werden. An der Universität Greifswald wird ein „Kompetenzzentrum für die Didaktik des Niederdeutschen“ eingerichtet.

Wolfgang Mahnke (79), Ehrenvorsitzender des Bundes Niederdeutscher Autoren, findet Brotkorbs Idee „lobenswert“. „Dat, wenn't üm't Abiturfack Plattdütsch geiht, Minister Brotkorb dorbi Gymnasien utwählen möt, lücht mi in.“ Aber er würde Bauchschmerzen bekommen, wenn bloß zwei Schulen auswählt würden: „Dat wier 'n Druppen up'n heiten Stein“, meint Mahnke. Die Linke im Landtag sieht andere Prioritäten an den Schulen in MV. „Zuallererst müssen die Kinder und Jugendlichen Deutsch lernen — das ist Pflicht“, sagt die bildungspolitische Sprecherin Simone Oldenburg. Brodkorbs Pläne dürften nicht zu einer Konkurrenzsituation mit den modernen Sprachen führen, die müssten Vorrang haben. Alles andere wäre eine weltfremde Entwicklung. Seite 2

• Umfrage: Soll Platt Abitur-Fach werden? — www.ostsee-zeitung.de/umfragen

Von Bernhard Schmidtbauer

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