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Abschied von der zweiten Heimat

Rostock Abschied von der zweiten Heimat

Das Schnellboot „Hyäne“ kehrte gestern vom letzten Auslandseinsatz nach Rostock zurück.

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Zurück im Marinestützpunkt Warnemünde: Das Schnellboot „Hyäne“, rechts das Schnellboot „Hermelin“.

Quelle: Fotos: Bernd Wüstneck/dpa, Dietmar Lilienthal (2, U.)

Rostock. Am Ende gab‘s Medaillen: Bronze für 30 Tage im Auslandseinsatz, Silber für 360 und Gold für 690 Tage — also insgesamt fast zwei Jahre fern der Heimat.

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Das Schnellboot „Hyäne“ kehrte gestern vom letzten Auslandseinsatz nach Rostock zurück.

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Verliehen wurden sie an die Besatzungsmitglieder des Schnellboots „Hyäne“, aber die Abzeichen waren auch eine Anerkennung für alle Soldaten, die in den vergangenen zehn Jahren an Bord der deutschen Schnellboote im Ausland ihren Dienst taten. Gestern ging diese Ära mit der Rückkehr der „Hyäne“ in den Heimathafen Rostock- Hohe Düne zu Ende.

Die „Hyäne“ war in den letzten neun Monaten im Unifil-Einsatz vor der libanesischen Küste unterwegs. Auf ihrer letzten Heimreise war aber nicht ihre Stammbesatzung an Bord, sondern es waren die Männer und Frauen der „Hermelin“, die das Schiff im Dezember übernommen hatten.

Unter ihnen ist auch Systemtechniker Marcel Rotter. Bei dem 28-Jährigen überwiegt die Wehmut: „Dass das Schnellboot-Geschwader außer Dienst gestellt wird, ist nicht schön. Da geht auch viel Erfahrung, viel gutes Personal und viel Tradition außer Dienst.“ Vermissen werde er das familiäre Verhältnis der eingeschworenen Gemeinschaft an Bord der Schnellboote mit ihrer nur 36-köpfigen Besatzung. „Jeder wusste, was der andere tut und konnte auch jedem helfen. So etwas gibt es auf anderen Schiffen nicht“, sagt Rotter, der sich nun auf seine zivile Karriere vorbereitet.

Damit ist er nicht der einzige: Viele seiner Kameraden des 7. Schnellboot-Geschwaders verlassen die Marine, andere werden auf den moderneren Korvetten Dienst tun, andere wechseln das Schiff oder übernehmen einen Posten an Land. Bei den Schnellbooten gibt es jedenfalls keine Zukunft mehr: Die „Hyäne“ war die letzte ihrer Art im aktiven Einsatz. Nun stehen für die verbliebenen vier Schnellboote nur noch Ausbildungsfahrten und Manöver an.

Die drei anderen Boote — „Hermelin“, „Zobel“ und „Frettchen“ — lagen gestern am Schnellbootpier vertäut, als die „Hyäne“ noch einmal mit großem Bahnhof empfangen wurde. Die Korvette „Ludwigshafen“ schoss Leuchtraketen ab, das Heeresmusikkorps spielte als Hommage an die Ostsee-Flitzer die Titelmusik der Comicserie „Die schnellste Maus von Mexiko“.

In Empfang genommen wurde die „Hyäne“ vom Inspekteur der Marine, Andreas Krause. Das Geschwader habe Erfahrungen gemacht, „die die Deutsche Marine wesentlich geprägt haben und uns viele wertvolle Hinweise für die Zukunft geliefert haben“. Eine der wichtigsten Erfahrungen dürfte die mit den Besatzungswechseln im Einsatzgebiet gewesen sein. Wegen der großen Beanspruchung der Besatzungen im Mittelmeerklima und auf den beengten Schiffen ging die Marine dazu über, die Schiffe vor Ort zu belassen und in bestimmten Intervallen nur die Crews auszutauschen — ein Verfahren, das jetzt auch bei den Korvetten praktiziert wird.

Sechs solcher Wechsel hat Smut Robert Voß seit 2009 mitgemacht. „Es fällt mir schwer, mich von den Booten zu trennen.“ Der 29-Jährige will nun als Berufssoldat im Versorgungs- oder Sanitätsdienst arbeiten. Aber die Schnellboote werde er vermissen: „Sie sind zur zweiten Heimat geworden.“

Relikte des Kalten Krieges

33 Jahre sind die verbliebenen vier deutschen Schnellboote inzwischen alt. Sie waren in der alten Bundesrepublik für den Schutz der Nord- und Ostseeküste vor den Flotten des Warschauer Pakts vorgesehen. Ihre Aufgabe: schnell an die feindlichen Verbände heranfahren, Torpedos abfeuern und genauso schnell wieder verschwinden. Sie waren also nicht für längere Einsätze gedacht, schon gar nicht in südlichen Gewässern. Dementsprechend eng, stickig und heiß ging es bei den Auslandseinsätzen zu, die die Schnellboote in den vergangenen Jahren absolvierten.

Im Unifil-Einsatz zur Sicherung der libanesischen Küste taten seit 2006 insgesamt 1800 Soldaten in 15 verschiedenen Kontingenten Dienst an Bord der Schnellboote. Sechs der einst 20 Schnellboote wurden verkauft, die „Gepard“ wird zum Museumsschiff,

die übrigen werden wohl verschrottet.

Von Axel Büssem

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